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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Ludwig überträgt (concedimus) dem Vizegrafen Berilo (Berilo vicecomes), seinem unermüdlichen Getreuen (cuidam inrevocabili fideli nostro), auf Bitten des Erzbischofs Ragamfred von Vienne, sacri palatii nostri notariorum nostrorum summus, und des Grafen Hugo, seines Verwandten (illustris comes nosterque propinquus) (Hugo von Vienne), aus Königsgut (de rebus iuris nostri) zu erblichem Eigen (iure hereditario) zwei zum königlichen Fiskus gehörende Villae, nämlich Poncin (villam Pontianam fisci nostri debitam) und Chavanay (et Cabannacum ex eadem causa) mit der dortigen Kirche Saint-Just (cum ecclesia inibi in honore s. Iohannis dicata) und allen Pertinentien im Gau von Vienne (in pago Viennensi). – Freie Verfügungsgewalt. – Teudo notarius advicem Ragamfredi archicanc. – M. (SI D).

Originaldatierung:
.XV. Kal. Mai., Viennae civitati – a. inc. 902, a. imp. [...].
Incipit:
Dignum est
Empfänger:
Vizegrafen Berilo

Überlieferung/Literatur

Kopien: Paris, BnF, Coll. Baluze 75, fol. 366v (Anfang) u. 369r – 370r (Fortsetzung), Abschrift 17. Jh. (mit Korrekturen Baluze), aus dem verlorenen Chartular (Ende 12. Jh.) des Domkapitels von Vienne fol. 77v n. 192 (E); ebd., Ms. lat. 5214, pp. 65 – 67, 17. Jh., gleichfalls aus dem verlorenen Chartular (F) = München, MGH-Archiv A 116, Kopie Ende 19. Jh. von A. Dopsch, Karolinger-Diplome; Paris, BnF, Ms. lat. 17 191, fol. 103r-v, Abschrift Martène 17. Jh., aus dem verlorenen Chartular, ohne Jahr und Tag (H); ebd., Ms. lat. 11 743, fol. 153r-v, 17. Jh., aus gleicher Quelle (I); Sion/Sitten, Kantonsarchiv, Pierre de De Rivaz, Diplomatique de Bourgogne, vol. I, n. 28 p. 139 – 140, Kopie Ende 18. Jh., aus gleicher Quelle (J); Grenoble, Bibl. Municipale, Ms. R 8907 (Secousse 904), fol. 6r-v, Abschrift 17. Jh., aus gleicher Quelle. Eine von F abhängige Kopie 18. Jh. verzeichnet Prou-Poupardin, Recueil, S. 75.

Drucke: Millé, Abrégé, III, Nr. 7 S. 333 – 334, aus dem verlorenen Chartular, zu 902; Chevalier, Cartularium St.-Andreae, Append., Nr. 11* S. 219 – 221, aus E F J; Dümmler, Urkunden der italienischen Könige, Nr. 21 S. 315 – 316, aus F, zu 902?; Gras, Le Forez, S. 150 – 152, aus F; Prou-Poupardin, Recueil, S. 75 – 76 Nr. 40, zu 902.

Regg.: Pierre de De Rivaz, Diplomatique de Bourgogne, vol. I n. 28, ed. Chevalier, S. 6; Jean-Baptiste Moulinet, Vérification et description du Cartulaire du chapitre de Saint-Maurice de Vienne, 1771, mit Hinweis auf das Siegel Ludwigs: „le seing figuré de l‘empereur“, ed. Chevalier, Description Saint-Maurice, S. 43 Nr. 193; Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 973; Böhmer-Zielinski III, Nr. 1441. – Auch erwähnt von Charvet, Histoire Vienne, S. 240f.; Mermet, Histoire de Vienne, S. 268f.

Kommentar

Das im verlorenen Chartular des Domkapitels von Vienne (vgl. bes. Reg. 2506) überlieferte D 40 kann nur nach dem Inkarnationsjahr datiert werden, da das Kaiserjahr entweder fortgefallen ist oder zu etiam (anno etiam imperii domni nostri) verderbt ist. Gingins-la-Sarraz, Archiv Geschichtskunde 8, S. 39, hatte bei etiam eine Verlesung aus tertiam vermutet (wodurch sich 903 ergäbe), eine Hypothese, die Dümmler, Urkunden der italienischen Könige, S. 316, abgelehnt, Poupardin, Provence, S. 180f. Anm. 10, 205, erst aufgegriffen, dann aber in seiner Edition ohne nähere Begründung wieder fallengelassen hat. Eine Datierung in den April 902 scheitert aber daran, daß sich Ludwig der Blinde damals noch in Italien aufhielt (vgl. Böhmer-Zielinski II, Nr. 11501151). Wenn das überlieferte Inkarnationsjahr so bereits im Original stand, müßte der Kanzlist beim Jahreswechsel nicht nur dem Osterstil gefolgt sein, sondern auch das Jahr noch nicht erhöht haben, obwohl Ostern 902 just auf den 17. April fiel. Eine Indiktionsangabe fehlt in der Folgezeit noch mehrfach (vgl. Prou-Poupardin, Recueil, S. LI m. Anm. 6), doch mag sie speziell in unserem Fall überlieferungsbedingt fortgefallen sein. – Zu dem als Erzkanzler in der Rekognition genannten und zusätzlich als Intervenienten (mit dem auffälligen Titel einessacri palatii nostri notariorum nostrorum summus, vgl. aber D 47/Reg. 2923) fungierenden Erzbischof Ragamfred von Vienne vgl. zuletzt das vorige Reg. – Der Notar Teudo hat auch D Prov. 46 (Reg. 2924) rekognosziert. Er stammte aus dem Klerus der Kirche von Vienne (Regg. 2890 u. 2918; vgl. Prou-Poupardin, Recueil, S. X, XII; Zielinski, Urkundenwesen, S. 177f. Wahrscheinlich noch 912 ist er für den Kaiser tätig geworden (D 52 = Reg. 2941). Sein Diktat unterscheidet sich im Protokoll und Eschatokoll geringfügig von dem des Arnulf (zuletzt D 39 = Reg. 2909), dem nach wie vor die Hauptlast der Urkundentätigkeit obliegt. In den formelhaften Teilen des Kontextes hat sich Teudo eines Formulars bedient, das in D 47 des Arnulf (für die Kirche von Vienne) wiederkehrt und auf die Benutzung einer gemeinsamen Vorlage (eines Formulars?) schließen läßt. Eine identische Arenga findet sich in D 56 (Reg. 2954) des Notars Ubold. – Der Empfänger Berilo (vgl. Poupardin, Provence, S. 351f.) ist Vizegraf von Vienne und schon in D 32 (Reg. 2893) als Petent zusammen mit dem damaligen Erzbischof Bernuin von Vienne nachweisbar. Der neben Ragamfred intervenierende Graf Hugo, der noch mehrfach als propinquus Ludwigs bezeichnet wird (siehe Regg. 2923, 2933 u. passim), ist der spätere König von Italien; vgl. Böhmer-Zielinski III, Nr. 1441 u. passim. – Die beiden Villae liegen südwestlich von Vienne am rechten Ufer der Rhône (Dép. Loire, Ct. Pélussin). – Vgl. noch Gingins-la-Sarraz, Archiv Geschichtskunde 8, S. 39; Ders., Archiv Geschichtskunde 9, S. 102f., 110f.; Manteyer, Provence, S. 102f., 462 – 465.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2918, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/f6bef643-4227-4fc9-8ed2-b733aed411fb
(Abgerufen am 20.01.2017).