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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Boso überträgt (concedimus possidendum) dem im Comitat von Mâcon am Fluß Sornin gelegenen Kloster Charlieu und dessen Mönchen (monachis ex monasterio Cariloci quod est dicatum in honore s. Stephani, in comitatu Matiscensi super Sonnam [Sornin] fluvium) auf Bitten seines getreuen Grafen Siwald das Kloster (abbatiola) Saint-Martin (de Régny) mit allen Kirchen und Pertinentien zum Seelenheil des Kaisers Karl (des Kahlen), seines eigenen und dem seiner Gemahlin. – Stephanus notarius ad vicem Adalgarii. – M.

Originaldatierung:
.IIII. oder .III. Non. Dec., Cariloco monasterio – a. r. 1, Ind. 12.
Incipit:
Quantum in divinis
Empfänger:
Kloster Charlieu und dessen Mönchen

Überlieferung/Literatur

Kopien: Paris, BnF, Ms. lat. 11 898, fol. 29r-v, Abschrift 17. Jh., „ex archivio monasterii S. Stephani Chariloci“, nach dem verlorenen Or. oder nach einer Nachzeichnung, mit Wiedergabe der NT für die Apprecatio Amen (E); ebd., Coll. Baluze 14, fol. 204r-v, Abschrift 17. Jh., aus gleicher Quelle wie E (F); ebd., Coll. Baluze 38, fol. 248r, Abschrift 17. Jh., mit Wiedergabe der NT (wie E) und Hinweis auf das damals in Privatbesitz befindliches Or. (G); ebd., Ms. lat. 11 897, fol. 147r, Abschrift 17. Jh., angeblich „ex authentico quod extat Lugduni“ (H); ebd., Coll. de Bourgogne vol. 4, fol. 41r-v, Abschrift 17. Jh., „ex cartulario eiusdem ecclesie, exhibente Domino de Chaponay, Domino de l`Isle-Mean“ (I); ebd., Ms. lat. 10 949, G. M. A. de Fontanieu, Histoire de Dauphiné, Preuves I, 1. Hälfte 18. Jh., p. 61 – 63, aus Chartularüberlieferung („ex cartulario eiusdem ecclesiae“) (J).

Drucke: Guichenon, Bibliotheca Sebusiana, centuria II, Nr. 71 S. 375 – 376;2 Nr. 71 S. 353 – 354;3 Nr. 71 S. 295 – 296;4 Nr. 71 S. 115 – 116, wohl aus I oder aus dessen Vorlage; Baluze, Capitularia, II,1 1677, Nr. 113 Sp. 1506 – 1507 = 3 1780, Nr. 113 Sp. 1506 – 1507 (ND Mansi, Collectio nova,2 XVIII B), wohl aus F = Mansi, Collectio nova,1 XVIII, Nr. 113 Sp. 995 – 996 = Bouquet, Recueil 9, Nr. 3 S. 670 – 671; Bouche, Provence, I, S. 766, indirekt nach dem verlorenen Or.; Millé, Abrégé, III, Nr. 4 S. 328 – 330, ohne nähere Herkunftsangaben; Chevalier,Charte, S. 149 – 150 (Sonderdruck S. 27 – 29), aus J; Prou-Poupardin, Recueil, Nr. 18 S. 33 – 35.

Regg.: B 1445; Georgisch, Regesta, I, Sp. 153, a. 880 Nr. 18 (zu 879 oder 880); Bréquigny, Diplomata, I, S. 324; Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 826.

Vgl. Mermet, Histoire de Vienne, S. 238f.; Terrebasse, Boson, S. 97.

Kommentar

Mit den stimmigen Datierungsangaben zu 879 Dezember 2 (oder 3, so in einem Teil der Überlieferung, vgl. Poupardin, ed. cit., S. 35 Anm. g) zeugt das zu keinen Bedenken Anlaß gebende D 18 von den Bemühungen Bosos, schon bald nach seiner Königswahl seine Herrschaft auch auf den ihm vertrauten und von alten Herrschaftspositionen (vgl. Regg. 2736, 27412745) durchsetzten Raum nordwestlich von Lyon am rechten Ufer der Saône mit den Bistümern Autun, Mâcon und Chalon-sur-Saône, deren Bischöfe in Mantaille zugegen waren (Reg. 2752, auszudehnen; vgl. Poupardin, Provence, S. 110 m. Anm. 8, 113; Reg. 2759. – Der als Kanzleileiter genannte Adalgar, sicherlich Bischof Adalgar von Autun, für den Boso kurz zuvor noch geurkundet hatte (Reg. 2755), muß bald darauf von Boso abgefallen sein, hat doch Karlmann II. von Westfranken schon Ende November 880 für ihn geurkundet (D Kn. II.49, siehe Reg. 2778); vgl. Vorbemerkung zu D Kn. II.85; Bautier, Introduction, bes. S. XLVI. – Der rekognoszierende Notar Stephanus, der vielleicht schon für Boso vor dessen Königswahl tätig war (Reg. 2741), hat nach dem Abfall Adalgars die Urkunden Bosos in alleiniger Verantwortung als Cancellarius rekognosziert (DD 20 – 21/Regg. 2779 u. 2791); vgl. Prou-Poupardin, Recueil, S. IX; Font-Réaulx, Propos, S. 427f. – Formularrahmen und Kontextdiktat entsprechen dem üblichen Befund der spätkarolingischen Herrscherurkunde, wie er bereits für Bosos D 17 u., mit Einschränkungen, auch für D 19 charakteristisch war. Speziell mit dem letzteren, dem als angeblichen Original überlieferten, dabei aber augenscheinlich auf echter Grundlage basierenden D 19, das gleichfalls von Stephanus in Vertretung Adalgars rekognosziert wurde, stimmt unser D 18 auch in einigen formelhaften Teilen der Dispositio auffallend überein (so in der mit pro mercede Karoli eingeleiteten Gebetsformel, aber auch in der Pertinenzformel mit dem ungewöhnlichen cum exitibus et regressibus), was auf denselben Konzipienten, wohl Stephanus selbst, schließen läßt. – Dem Kloster Charlieu hat Boso, dabei dem Vorbild des Papstes Johannes’ VIII. vom Vorjahr folgend (siehe Boshof, Traditio, S. 31f.; Reg. 2713), wohl etwa zur selben Zeit auf Bitten seines Gründers, des zuvor gleichfalls in Mantaille anwesenden Bischofs Ratbert von Valence, auch die Immunität und Teile des Besitzes bestätigt (Dep. D Prov. 22/Reg. 2774). Bald darauf – vielleicht im Zusammenhang mit der Belagerung Viennes durch die Karolinger im Herbst 880 (Reg. 2775) – muß auch Ratbert von Boso abgefallen sein, jedenfalls hat er sich noch 880/Anfang 881 an Karlmann mit der Bitte um Bestätigung seiner Gründung gewandt (D Kn. II.85, Dep.); siehe Reg. 2784. Vgl. auch Gerner, Lyon, S. 277 – 279 (mit Nennung unseres Stücks); Font-Réaulx, Chroniques, S. 104,111; Frachette, Valentinois, S. 81; Poly, Petite Valence. Von dem hier in D 18 übertragenen Kloster Saint-Martin in Régny, ca. 20 km südlich von Charlieu (nicht in Mâcon, wie zuletzt noch Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 826; Ders., Charte de donation, S. 150 Anm. 3, annahm; vgl. bes. Desevelinges, Charlieu, S. 10), ist in der Bestätigung Karlmanns explizit zwar nicht die Rede, wohl aber von dem dortigen Territorium; vgl. Reg. 2784. – Die ältere Literatur (vgl. bes. Gingins-la-Sarraz, Archiv Geschichtskunde 7, S. 164) hat den intervenierenden Siwald (auch Sirald oder Cirald) für den Grafen gehalten, dem Boso die Grafschaft Mâcon damals anvertraut habe, doch ist diese Annahme ziemlich haltlos; vgl. Poupardin, Provence, S. 96 Anm. 1 u. bes. S. 122 Anm. 2 (zu Gingins-la-Sarraz ebd., S. 121 Anm. 4).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2757, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/f19dd5d1-29e4-40c8-9f89-5de9511104ce
(Abgerufen am 10.12.2016).