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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Visio Karoli: In einer nächtlichen Vision, in der Karl (III.) Lothar (I.) und dessen Sohn Ludwig (II.) im Paradies erblickt, verkündet ihm letzterer, daß das Römische Reich, das Karl bis jetzt innehabe, Kraft Erbrecht an Ludwig (den Blinden), den Sohn der Tochter Ludwigs (II.), (Irmingard), fallen müsse (imperium Romanorum, quod hactenus tenuisti, iure hereditario debet recipere Hludogvicus filius filiae meae); anschließend fordert Lothar (I.) Karl (III.) auf, dem anwesenden Ludwig (dem Blinden) die kaiserliche Gewalt zu übergeben (tu vero redde illi potestatem imperii), was Karl mittels einer Lichterscheinung tut (per illum glomeris quem manu tenes … donabam illi totam … monarchiam imperii), um dann zu verkünden, daß das Römische Reich gemäß göttlicher Vorsehung in die Hände Ludwigs gelangen wird (Denique sciant omnes, ... quoniam secundum destinationem Dei in manum illius revertetur totum imperium Romanorum). – Abschließende Fürbitte Karls für das Gelingen des Vorhabens (Deus ... illud perficiet et confirmabit).

Überlieferung/Literatur

Visio Karoli, ed. Deschamps, Notice, S. 185 – 190 (vgl. Levison, Vision, S. 405 Anm. 4); ed. Lot, Hariulf, Chronique de l’abbaye de Saint-Riquier, III, c. 21, S. 144 – 148. Ausführliche Paraphrasen Levison, Vision, S. 401 – 403; Hlawitschka, Lotharingien, S. 100 – 102; Dutton, Dreaming, S. 233 – 237.

Reg.: Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 867 (zu 887 Dezember 25), aus Alberich v. Troisfontaines, Chronicon a. 889, ed. Scheffer-Boichorst, MGH SS 23, S. 746.

Kommentar

Zur Datierung um 890/891 im Gegensatz zu älteren Ansätzen siehe Hlawitschka, Lotharingien, S. 103 – 106; zustimmend Offergeld, Reges pueri, S. 502 – 505; MacLean, Kingship, S. 166; Bougard, Action politique, S. 71. – Die im Umfeld des Reimser Erzbischofs Fulko entstandene Visio ist ganz im Sinne von dessen Politik von einer starken, gegen König Odo gerichteten legitimistischen Tendenz geprägt. Während Hlawitschka, Lotharingien, S. 35f., 100ff., den Zusammenhang mit der angeblichen Adoption Ludwigs des Blinden durch Karl III. (Reg. 2833) herausstellt, wird dies von MacLean, Kingship, S. 166, in Abrede gestellt. Offergeld, Reges pueri, S. 500 – 505, hebt stark auf die in der Visio herausgestellte Kindheit Ludwigs des Blinden ab, so daß dessen Wahl einer besonderen Legitimierung durch die genealogische Argumentation des Textes bedurft hätte. Mit Betonung des literarischen Umfelds Dutton, Dreaming, S. 233 – 251. – Unter der älteren Literatur siehe Levison, Vision; Ders., Textgeschichte; Levillain, Rezension, S. 712 – 714; Poupardin, Provence, S. 165; Ders., Date.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2872, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/edb31d61-15e3-4083-8d24-ccf27041dfa7
(Abgerufen am 26.05.2017).