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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Ludwig bestätigt der (erzbischöflichen) Kirche von Arles (sanctae Arelatensis aecclesiae ... ecclesie s. Stephani) auf Bitten des dortigen Erzbischofs Manasses, noster karissimus propinquus, in Anerkennung seiner Treue (ob inrevocabilem circa nos sue dilectionis fidelitatem) den ganzen Besitz (omnes res), den Manasses’ Vorgänger Rostagnus von Ludwigs Vater, König Boso (a genitore meo Bosone rege), wie auch von ihm selbst per preceptum erhalten hat, im einzelnen die Abteien Aniane (Dep.), Goudargues (Dep.) und Cruas (D Prov. 21 = Reg. 2791), ferner die Hafeneinnahmen von den Griechen und allen übrigen ankommenden (Schiffen) (portum tam de Grecis quam ex aliis advenientibus), den Zoll und die Münze (tolneum simul cum moneta) (Dep.), sowie überhaupt allen Besitz, den der Vorgänger des Manasses von Ludwigs Vorgänger (Boso) erhalten hat, darunter die (Rechte an den) Juden (omnes res quas antecessor suus ab antecessore meo obtinuit, scilicet Judaeos) (Dep.). – Uboldus notharius ad vicem Alexandri archicanc. – M. SR. SI D.

Originaldatierung:
.Kal. Feb., Vienne, publice – a. imp. 20.
Incipit:
Decet imperiali
Empfänger:
(erzbischöflichen) Kirche von Arles

Überlieferung/Literatur

Or.: Marseille, Arch. dép. des Bouches-du-Rhône, Livre d’or des Bistums Arles, 3 G 1 n. 70 (A), danach Kopie W. Arndt von September 1868, München, MGH-Archiv A 116 (mit kurzem Kommentar).

Kopien: Arles, Bibl. Municipale, Ms. 1242: Authentique du chapitre d’Arles, Chartular Ende 11. u. 13. Jh. (Vérité, Répertoire [I], Nr. 99), Teil I (Ende 11. Jh.), fol. 1r-v (B); Marseille, Arch. dép. des Bouches-du-Rhône, 3 G 16, Cartulaire de l’archevêché d’Arles, Livre noir ou Authentique, Chartular Ende 12./13. Jh. (Vérité, Répertoire [I], Nr. 35), fol. 2r – 3r (ohne Nennung Bosos), Ende 12. Jh., u. fol. 123v (mit Nennung Bosos), 13. Jh. (C); ebd., Livre d’Or des Bistums Arles, 3 G 1 n. 100, Vidimus von 1293 März 17 (F). – Zahlreiche weitere Kopien 12./13. und 17. Jh. verzeichnet Prou-Poupardin, Recueil, S. 106f.; weitere Hinweise auch im Material der Gallia Pontificia in Paris, Deutsches Historisches Institut; vgl. auch München, MGH-Archiv A 116, Kopie um 1837 (von G. Waitz, vgl. D Prov. †27/Reg. †2823), ex Bibl. Reg. 5537, fol. 94v.

Faksimile: Lot/Lauer, Diplomata Karolinorum, Taf. 10 (Rois de Provence Nr. 10), mit Regest.

Drucke: Saxius, Pontificium arelatense, S. 187, aus C (Auszüge) = Bouche, Provence, I, S. 782; Sainte-Marthe, Gallia christiana, I, S. 45 – 46, aus kopialer Überlieferung; Gallia christiana, I, Instrumenta, S. 94 – 95 Nr. 5, aus C = Bouquet, Recueil 9, Nr. 18 S. 686, zu 920; Millé, Abrégé, III, Nr. 8 S. 334 – 336; Gallia christiana novissima, III, Nr. 243 Sp. 98 – 99, aus C; Prou-Poupardin, Recueil, Nr. 59 S. 106 – 108; ARTEM 4075.

Regg.: B 1481; Bréquigny, Diplomata, I, S. 381; Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 1043.

Kommentar

Das Regierungsjahr führt bei einem anzunehmenden Wechsel Mitte Februar auf 921 Februar 1. – Das von Ubold (vgl. zuletzt D 57/Reg. 2957) rekognoszierte D 59 stimmt in seinen äußeren Merkmalen völlig mit den übrigen drei von ihm rekognoszierten Originalen überein (DD 55, 56 u. 69) und wurde wohl wieder von ihm selbst verfaßt und mundiert; zu Einzelheiten vgl. D 56 (Reg. 2954). Das charakteristische Diktat, im zweiten, selbständigen Teil der Dispositio etwas unbeholfen, weist Übereinstimmungen in den formelhaften Teilen insbesondere mit dem zuletzt ausgestellten D 57/Reg. 2957 (Arenga, Corroboratio), aber auch mit Ubolds D 56/Reg. 2954 (Beginn der Dispositio, Eschatokoll) und seinem D 55/Reg. 2951 (Invocatio, Promulgatio) auf. Wie fast in jeder der von ihm rekognoszierten Stücke wurde die Intitulatio Ludwigs in ihrer Legitimationsformel (superna favente gratia) abermals abgewandelt (ipsius favente gratia heißt es in seinen DD 68 u. 70/Regg. 2995 u. 2998). – F bietet eine unvollständige Beschreibung des heute verlorenen Siegels: in medio autem imperialis erat capitis imago (Prou-Poupardin, Recueil, S. 108 Anm. b). Zu B vgl. schon D 21 (Reg. 2791). – Unser Stück stellt gewissermaßen die Magna Charta des weltlichen Besitzes der Kirche von Arles dar; vgl. bes. Mazel, Arles, S. 107f.; Ders., Horizons, S. 472f. Erzbischof Manasses von Arles (siehe schon das vorige Reg.) war ein Neffe Hugos von Vienne, dem er 935/36 auch nach Italien folgen sollte; vgl. Böhmer-Zielinski III, Nr. 1467, 1762 u. passim. Einzig überlieferte VU ist D 21 mit der Bestätigung der Abtei Cruas durch König Boso (vgl. dort auch zu Erzbischof Rostagnus). Daneben sind mindestens zwei weitere Deperdita anzunehmen, je eines von Boso und von Ludwig selbst; vgl. Regg. 2793 u. 2944. – Zur Nennung des Hafens von Arles vgl. Ganshof, Ports, S. 36. Erwähnt wird die Urkunde Ludwigs in einer Gerichtsurkunde des Papstes Calixt II. von 1119 Juli 15 (J-L 6714). – Vgl. noch Laffont, Vivarais, S. 159 Anm. 14, 159.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2960, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/ed6db201-847d-46ae-a727-b99025146485
(Abgerufen am 28.05.2017).