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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Ludwig überträgt (concedimus et tradimus) seinen Getreuen Teutbert und Bernard auf Bitten des Dux und Marchio Wilhelm (des Frommen von Aquitanien), was rechtens erscheint (quod iuste et legaliter esse videtur), die Abtei Saint-Martin d’Ambierle (abbatiam in honore s. Martini dicatam qui nominatur ad Amberta), die zum Comitat von Lyon gehört und im Gau von Roanne liegt (pertinentem de comitatu Lucdunensi, congacentem in pago Rodanensi), mit zusammen 30 Mansen und allen Pertinentien. – Freie Verfügungsgewalt. – Arnulfus notarius a vicem Ragimfridi harhipresuli et arhicanc. (sic!). – M. SR. SI D.

Originaldatierung:
.III. Id. Nov., Vienne, publice – a. inc. 902, Ind. 5, a. imp. 2.
Incipit:
Omnium fidelium
Empfänger:
Teutbert und Bernard

Überlieferung/Literatur

Or.: Paris, BnF, Ms. lat. nouv. acq. 2281: „Diplomata Cluniacensia X – XIII s.“, Nr. 1 (A).

Kopie: Lyon, Bibl. Municipale, Ms. 193 (früher 121), fol. 8v, Abschrift Jean Columbi von 1671 nach Kopie de La Mure, vgl. Archiv Geschichtskunde 7, S. 211.

Faksimile: Lot/Lauer, Diplomata Karolinorum, Taf. 4 (Rois de Provence Nr. 4), mit Regest.

Drucke: La Mure, Histoire Lyon, S. 294, nach dem verlorenen Chartular von Ambierle; Bouquet, Recueil 9, Nr. 9 S. 681, aus unbekanntem Chartular von Cluny = Monfalcon, Lugdunensis historiae monumenta, ed. Ia, S. 372 – 373 = ed. IIa, S. 99 – 100; Bruel, Recueil des chartes de l'abbaye de Cluny, I, Nr. 78 S. 87 – 88, aus Kopie von A; Prou-Poupardin, Recueil, Nr. 41 S. 77 – 78; ARTEM 2485.

Regg.: B 1470; Bréquigny, Diplomata, I, S. 363; Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 970. – Auch erwähnt von Mabillon, Ann. Ord. s. Bened. III1, S. 294 (nach de la Mure); Mermet, Hist. de Vienne, S. 269.

Kommentar

Das 5. Indiktionsjahr paßt nur dann zu Inkarnations- und Regierungsjahr, wenn man annimmt, daß es erst zum Jahresende wechselte. – D 41 stellt das erste urkundliche Zeugnis für die Rückkehr Ludwigs des Blinden in sein angestammtes Reich nach dem vorläufigen Scheitern seiner italischen Ambitionen dar (vgl. das vorige Reg.), da das von Poupardin in seiner Edition als Nr. 40 zu 902 eingereihte Stück erst 903 ausgestellt worden sein kann (das folgende Reg.). – Das dritte überlieferte Original Ludwigs, heute in einem schmalen Folioband, der unter anderem auch ein Diplom Rudolfs III. für Cluny (D Burg. 83) enthält, auf einem mittig verklebten Papierstreifen befestigt, wurde wie die beiden älteren (D Prov. 36 u. 38, Regg. 2901 u. 2907) vom Notar Arnulf rekognosziert, der seinen König zuvor auch nach Italien begleitet hatte (vgl. Reg. 2907, siehe zuletzt Böhmer-Zielinski II, Nr. 1153). Signum- und Rekognitionszeile stehen auf stark eingerückten Zeilen untereinander; das jetzt verlorene eingedrückte Siegel folgte mit ungewöhnlich großem Abstand. Ein eher primitives Rekognitionszeichen ist heute stark verblasst, aber am Original deutlich erkennbar. Das bis auf Rekognitionszeile und Datierung von einer Hand stammende Stück mit seinen vielen orthographischen Besonderheiten und stilistisch-grammatikalischen Fehlern wurde in ansprechender Urkundenminuskel jüngeren Typs mundiert. Dieselbe Hand hat auch das gleichfalls von Arnulf rekognoszierte D 44/Reg. 2921 geschrieben. Das markante Eingangschrismon verbindet unser D 41 sowohl mit D 44 (Reg. 2921) als auch schon mit D 38 (Reg. 2907); vgl. auch Schiaparelli, Ricerche III, S. 107, 109; Ders., I diplomi italiani di Lodovico III, S. 3 u. passim; Ders., Archivio paleografico IX, Tav. 3, Regest; Ders., Descrizioni e trascrizioni, S. 103f. – Bruel, Recueil des chartes de l'abbaye de Cluny, I, S. 87 Anm. 1, spricht im Zusammenhang mit unserem Stück versehentlich von einem Papyrusoriginal (aufgegriffen von Manteyer, Provence, S. 461). Als Erzkanzler ist wie zuletzt in D 37 Erzbischof Ragamfred von Vienne aufgeführt, hier mit doppelter Titulierung wie in D 42. – Das Formular unseres D 41 ist typisch für mehrere Präzepte (DD 41 – 45), die von Arnulf in den Jahren 902 bis 904 rekognosziert wurden (fehlende Arenga, knappe Corroboratio, Übereinstimmungen im Eschatokoll). Besonders groß gerade auch in den Kontextformeln ist die Formularverwandtschaft mit D 43. Die oben im Kopfregest zitierte Vorbehaltsklausel: quod iuste et legaliter esse videtur, taucht mit Varianten insgesamt fünfmal im Kontext des D 41 auf (wobei das einleitende quod, das viermal vorkommt, jedes Mal mit dunklerer Tinte aus si korrigiert wurde). – Zu Herzog Wilhelm dem Frommen von Aquitanien, dem Schwager Ludwigs (er hatte die Schwester Ludwigs, die nach ihrer Großmutter Angilberga (Engelberga) hieß, geheiratet, siehe Reg. 2903), der 909 das Kloster Cluny gründen sollte, vgl. schon Regg. 2857 u. 2884. Zum Zusammenspiel zwischen den Bosoniden und den Herzögen von Aquitanien bei der Gründung Clunys, in dessen Urkundenfonds D 41 überliefert ist, vgl. Reg. 2857 (Kommentar). Das Kloster Saint-Martin d’Ambierle (Dép. Loire, Arr. Roanne, Ct. Saint-Haon-le-Chatel) lag unweit von Roanne im Forez und damit in einem Gebiet, wo sich die Herrschaftsansprüche Wilhelms von Aquitanien und Ludwigs des Blinden überschnitten; vgl. Gavinet, Pagus, bes. I, S. 257f.; siehe auch Rubellin, Église, S. 248, 254; Rosé, Construire, S. 199 – 202. – Die Empfänger unseres D 41, die Fideles Teutbert (der „Großgraf“?) und Bernard, könnten schon im Placitum von Varennes zusammen begegnet sein, letzterer dort als Gegenspieler des Klosters Gigny (Reg. 2857); vgl. auch Rosenwein, Immunité, S. 4f. Erwähnt wird unser Stück 939 in einer Urkunde Ludwigs IV. des Überseeischen zugunsten Clunys (D Lu.IV. 10, Lauer, bes. S. 32 Z. 4 – 5). – Vgl. noch Gingins-la-Sarraz, Archiv Geschichtskunde 8, S. 56; Poupardin, Provence, S. 142, 180 Anm. 10, 194f.; Manteyer, Provence, S. 461 (mit Zitat der Datierung).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2917, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/dac92419-0c08-4f7c-8672-1db2eaaadee5
(Abgerufen am 28.05.2017).