Regestendatenbank - 176.571 Regesten im Volltext

RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

Sie sehen den Datensatz 121 von insgesamt 571.

Die Schwester des (Grafen) Boso, Richilde, wird nach dem Tod der Gemahlin Karls (des Kahlen), der Königin Irmintrud (6. Oktober), auf Betreiben Karls, der Boso mit der Gesandtschaft an beider Mutter sowie an deren Schwester Theutberga (die ehemalige Gemahlin Lothars II.) beauftragt hat (exsequente Bosone ... hoc missaticum apud matrem et materteram suam Teutbergam), an den Königshof geführt, wo sie die Konkubine des Königs wird (Richildem mox sibi adduci fecit et in concubinam accepit), während Boso im Gegenzug vom König unter anderem die Abtei Saint-Maurice (d’Agaune?) erhält (Qua de re eidem Bosoni abatiam Sancti Mauricii cum aliis honoribus dedit).

Überlieferung/Literatur

Ann. Bertin. a. 869, ed. Grat, Annales Bertiani, S. 167.

Kommentar

Am 9. Oktober hatte Karl der Kahle in Douzy die Nachricht vom Tod seiner Gemahlin erhalten (Ann. Bertin., a.a.O.). Daß der König in Douzy auch noch drei Tage später weilte, ist anzunehmen. Das Datum der Zusammenkunft mit Richilde ergibt sich aus D KdK. 355, bes. S. 290 Z. 28f.: in coniunctionis nostrae .IV. Idus Octobris. – Wie wir in den Ann. Bertin. an gleicher Stelle noch erfahren, war Boso, der spätere König, Sohn eines Grafen Buvinus und Neffe des damals bereits verstorbenen Grafen Hukbert (Reg. 2570 und der Königin Theutberga. – Vgl. Dümmler, Geschichte II2, S. 286; Parisot, Lorraine, S. 350f.; Poupardin, Provence, S. 54f.; Calmette, Diplomatie, S. 117f.; Parisse, Lotharingie, S. 39; Meyer-Gebel, Arbeitsweise, S. 106; Esmyol, Geliebte, S. 154f. – Es ist unklar, auf welcher Basis Karl der Kahle überhaupt über Saint-Maurice d’Agaune, wo formal Kaiser Ludwig II. herrschte (Böhmer-Zielinski I, Nr. 228), verfügen konnte. In der Folgezeit ist auch nicht zu erkennen, daß Boso jemals Herrschaftsrechte über die Abtei ausgeübt hätte. Dort herrschten nach dem 864 gefallenen Grafen Hukbert (vgl. Reg. 2570 die Welfen, zunächst Graf Konrad II., dann dessen Sohn Graf Rudolf I., der spätere König von Hochburgund; vgl. Regg. 2656 u. 2570 Es kann sich daher hier allenfalls um einen von Boso noch zu realisierenden Rechtstitel gehandelt haben, der die vielleicht schon damals anvisierte Nachfolge Karls des Kahlen im Kaisertum zur Voraussetzung hatte. – Zur Familie und zum Aufstieg Bosos vgl. Poupardin, Provence, S. 41 – 55; Bouchard, Bosonids, bes. S. 409f.; Dies., Blood, S. 89f. (jeweils mit einer Stammtafel); Mazel, Horizons, passim. – Siehe auch Schneider, Auf der Suche, S. 378f.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2610, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/d7901501-78aa-462b-9d25-0ab494c84a72
(Abgerufen am 29.07.2017).