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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Ludwig bestätigt (concederemus et confirmaremus) dem Priester Rigmund, seinem treuen Fürbitter (cuidam nostro fideli oratori Rigemundo sacerdoti), auf Bitten des Kanzlers Arnulf, seines Getreuen, was er dem Rigmund schon vor längerer Zeit zu freiem Eigen übertragen hatte (D Prov. 36 = Reg. 2901), nämlich Besitz des Comitats von Vaison (-la-Romaine) im Comitat von Avignon (quicquid de comitatu Vasensi in comitatu Avinionensi) in den Orten (villulis) Fontanas, Villanova, Tresmales, Pargo und Bisturrita (Bédarrides), mit allen Pertinentien zu erblichem Eigen (tam ipse quam sui heredes). – Freie Verfügungsgewalt. – Arnolfus cancellarius iussu imperiali. – M. SI (Fragm.).

Originaldatierung:
– a. inc. 904, Ind. 6, a. imp. 3.
Incipit:
Omnium fidelium
Empfänger:
Priester Rigmund

Überlieferung/Literatur

Or. Avignon, Arch. dép. du Vaucluse, 1 G 6 pièce n. 10 (A).

Kopien: Ebd., 1 G 127: „Diversorum Avenionis“, 1. Hälfte 17. Jh., fol. 55v (vormals 49v), aus A (E); München, MGH-Archiv A 116, Kopie W. Arndt vom 14. – 16. 11. 1868 (mit Kommentar).

Faksimile: Lot/Lauer, Diplomata Karolinorum, Taf. 5 (Rois de Provence Nr. 5), mit Regest.

Drucke: Gallia christiana, I, Instrumenta, S. 93 Nr. 2, aus A, zu 904 = Bouquet, Recueil 9, Nr. 10 S. 681 – 682; Gallia christiana novissima, III, Nr. 2496Sp. 1039, aus A; Manteyer, Chartes Avignon, Nr. 34 S. 17 – 18; Prou-Poupardin, Recueil, Nr. 44 S. 81 – 83; ARTEM 913.

Regg.: B 1471; Georgisch, Regesta, I, Sp. 185, a. 904 Nr. 13; Bréquigny, Diplomata, I, S. 365; Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 972. – Auch erwähnt von Mermet, Histoire de Vienne, S. 270f.

Kommentar

Das Inkarnationsjahr 904 ist aus 903 korrigiert worden, möglicherweise von erster Hand. Allerdings passen Indiktion und Kaiserjahr zu 903. Da nicht sicher ist, daß Septemberindiktion vorliegt (vgl. das vorige Reg.; Prou-Poupardin, Recueil, S. LII), kann das ohne Tagesdatum gebliebene D 44 (vgl. die von Prou-Poupardin, Recueil, S. LI, aufgeführten Parallelen) zeitlich nicht weiter eingegrenzt werden. Vgl. auch Calmette, Rezension, S. 194. – Die kümmerlichen, von Manteyer, ed. cit., detailliert beschriebenen (und zeichnerisch reproduzierten) Siegelreste, die von der Legende nur noch GR(ati)A D(e)I erkennen lassen, entsprechen jenem Typus, der in D 53 (Reg. 2943) zur Gänze erhalten ist; siehe dort. – Wie D 43 (das vorige Reg.) hat der abermals als Kanzler titulierte langjährige Notar Arnulf D 44 auf direkten kaiserlichen Befehl rekognosziert. Gründe für die fehlende Nennung des Erzkanzlers Ragamfred sind hier wie dort nicht erkennbar. Unser Stück ist im übrigen das letzte der vier im Original überlieferten Urkunden, die von Arnulf rekognosziert wurden; vgl. DD 36, 38 u. 41 (Regg. 2901, 2907 u. 2917). Schon D 36 ging an Rigmund (VU), der Dompropst von Avignon war, doch sind in der Ortsliste Fontanas und Pargo, beide bei Bédarrides zu suchen, hinzugekommen; vgl. den Petitdruck durch Poupardin. – Mit markanter Elongata in der ersten Zeile, eingerückter Signumzeile und ganz nach rechts auf neuer Zeile gesetzter Rekognitionszeile (beide Zeilen wieder in schöner Elongata ausgeführt, aber ohne SR) entspricht D 44 ganz dem traditionellen Bild der karolingischen Herrscherurkunde. Die spezielle Form des Eingangschrismons (vgl. die Wiedergabe bei Manteyer) und das fehlende SR verbindet D 44 mit DD 38 u. 41, gleichfalls von Arnulf. Die Hand, die D 44 in normaler Urkundenminuskel zur Gänze anscheinend in einem Zug mundiert hat, findet sich schon in D 41. Da sich Arnulf in der Regel anonymer Gehilfen bei der Reinschrift bedient hat, kann man nicht entscheiden, ob wir hier vielleicht seine eigene Hand antreffen, wie dies Schiaparelli vermutet hat (vgl. Ders., I diplomi italiani di Lodovico III, Prefazione, S. IX; Ders., Ricerche III, S. 109). – Das von Manteyer, ed. cit., abgebildete Monogramm entspricht dem üblichen Typus (vgl. Prou-Poupardin, Recueil, Tafel I, Nr. 5, 6, 9, 13). Kleinere Eigenheiten im M sind für alle vier Originale des Arnulf kennzeichnend. Beachtung verdient eine Art Notarszeichen zu Beginn der Rekognitionszeile, das sich in den Urkunden Arnulfs nur hier findet (vgl. die zeichnerische Wiedergabe durch Manteyer, ed. cit.). Zu weiteren Einzelheiten der äußeren Merkmale siehe auch dessen Vorbemerkung. – Das Formular entspricht im Wesentlichen wieder der Diktatgruppe der DD 41 – 44 (siehe Reg. 2917); die VU (D 36), auch sie von Arnulf rekognosziert, wurde nur für die Ortsliste herangezogen. Mehrere Flüchtigkeitsfehler (Auslassungen, Verschreibungen), darunter auch solche, die schon in dem gleichfalls von Arnulf rekognoszierten und im Original überlieferten D 41 vorkamen, geben unserem D 44 ein besonderes Gepräge. – Vgl. noch Manteyer, Provence, S. 465 – 467.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2921, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/d391028b-7c38-400c-a1ac-7eba03188fe9
(Abgerufen am 22.06.2017).