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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Ludwig überträgt (concederemus) per preceptum nostre largicionis einem gewissen Stercherius, seinem Getreuen, auf Bitten des Grafen Boso, nosterque fidelis et propinquus, aus im Comitat von Avignon gelegenen Königsgut (ex rebus nostris que sunt in comitatu Avinionense) den Fiskus Cadellianum (Cadillon) mit der zerstörten Kirche s. Marie (que modo destructa fore videtur) und allen Pertinentien zu freiem Eigen (ad proprietatem). – Pön 12 Pfund Gold. – Uboldus notharius ad vicem Alexandri archicanc. – MF. SR. SI D.

Originaldatierung:
.II. Id. Mai., Vienne, publice – a. imp. 19.
Incipit:
Dignum est
Empfänger:
Stercherius

Überlieferung/Literatur

Or. Avignon, Arch. dép. du Vaucluse, 1 G 6 pièce n. 9 (A), danach Kopie W. Arndt vom 14. u. 16. 11. 1868, München, MGH-Archiv A 116 (mit Kommentar). – Mehrere Kopien 17./18. Jh. verzeichnen Manteyer, Chartes Avignon, S. 33, und Prou-Poupardin, Recueil, S. 103 (darunter auch Avignon, Arch. dép. du Vaucluse, 1 G 127: „Diversorum Avenionis“, 1. Hälfte 17. Jh., fol. 54v – 55v [vormals 48v – 49v]).

Faksimile: Lot/Lauer, Diplomata Karolinorum, Taf. 9 (Rois de Provence Nr. 9), mit Regest, zu 920.

Drucke: Manteyer, a.a.O., Nr. 41 S. 33 – 34, zu „[919?]“, mit Beschreibung der äußeren Merkmale; Prou-Poupardin, Recueil, Nr. 56 S. 103 – 104, zu 920; ARTEM 912.

Reg.: Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 1036, zu 919.

Kommentar

Das 19. Kaiserjahr führt, wenn korrekt berechnet, auf 919 Mai. Poupardin geht in seiner Datierung zu 920 von einem um eine Einheit zu niedrig angegebenem Regierungsjahr in den nach 912 ausgestellten Urkunden Ludwigs aus; vgl. Ders., Introduction, S. LIII – LIV. – Zu Überlieferung, Kanzlisten und Graf Boso vgl. zuletzt Reg. 2951. Von den vom Notar Ubold rekognoszierten Stücken (vgl. erstmals D 54/Reg. 2948) sind vier im Original überliefert, neben unserem D 56 noch DD 55 (Reg. 2951), 59 (Reg. 2960) u. 69 (Reg. 2997). Alle vier Urkunden stammen von ein und derselben Hand und sind auch in Layout und graphischer Gestaltung (Charta transversa – hier in D 56 besonders ausgeprägt – , Elongata in 1. Zeile, Signum- und Rekognitionszeile, M und SR) weitgehend identisch – hervorzuheben ist ein aus dem einleitenden IN der Invocatio gebildetes kreuzförmiges Zeichen, das die Funktion eines Chrismon ausfüllt und in seiner markant-individuellen Form in allen vier Originalen identisch ist – , so daß die Vermutung naheliegt, daß Ubald selbst auch der Schreiber ist; vgl. Prou-Poupardin, Recueil, S. XVII; Zielinski, Urkundenwesen, S. 179f. Bei der Herstellung unseres Stücks hat sich Ubold in den Kontextformeln (Promulgatio, Corroboratio) einer Vorlage bedient, die sich erstmals in D 40/Reg. 2918(mit identischer Arenga) nachweisen läßt und noch für weitere einfache Privilegien Ludwigs des Blinden typisch ist. Im Eschatokoll berührt sich D 56 wieder in charakteristischer Weise mit anderen von Ubold rekognoszierten Stücken. Die verkürzte Invocatio kommt schon in seinem D 54/Reg. 2948 für den Fidelis Gerard vor (das in der Sache vergleichbar, im Diktat aber weitgehend selbständig konzipiert wurde). Erneut hat Ubold die Intitulatio eigenwillig stilisiert: Luduwicus ipsius favente nutu imperator augustus (ed. Poupardin, S. 103 Z. 14) , mit dem auf die Invocatio zurückweisenden ipsius wie zuvor in D 55. Neu ist eine hier erstmals in Ubolds Urkunden begegnende Pönformel, die, in jeweils selbständiger Stiliserung, auch in DD 66 u. 68 (Regg. 2993 u. 2995) vorkommt (vgl. schon das ohne Rekognition überlieferte D 51/Reg. 2938 sowie D 62/Reg. 2975 des Elias). – Cadillon (Dép. Bouches-du-Rhône, Ct. Châteaurenard, Com. Graveson) ca. 10 km südlich Avignon. – Der Empfänger Stercherius ist nicht weiter nachweisbar. – Vgl. noch Manteyer, Provence, S. 118, 499; Mazel, Horizons, S. 471.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2954, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/d19b40d5-37eb-4bcf-bdbc-d01d97db8c2f
(Abgerufen am 28.07.2017).