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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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(Graf) Boso (von Vienne) schenkt (ego Boso ... dono, trado atque transfundo) dem von Bercharius im Gau Perthois am Zusammenfluß von Voire und Haut-Manson erbauten Kloster Montier-en-Der (Domno [sic!] sacrosanctḝ basilicḝ s. Petri, id est monasterio in Dervo constructo, in pago Pertense, super fluvium Vigera et Alismantia, quod domnus Bercharius edificavit) zur Linderung seiner Sünden (aliquid de peccatis meis minuendis) testamentlich (hoc testamentum plenissima voluntate mea conscriptum) seinen Besitz in pago Pertense (Perthois) in sechs genannten Orten mit allen Pertinentien und Rechten und vier namentlich genannten mancipia zu freiem Eigen. – Pön sicut lex est.

Originaldatierung:
octavo Id. Oct., Pertense ad basilicam s. Desiderii ubi vocabulum est Olunna vico publico a. r. 36, Karolo rege sive imperatore.
Empfänger:
Kloster Montier-en-Der

Überlieferung/Literatur

Kopien: Chaumont, Arch. dép. de la Haute-Marne, 7 H 1, Cartulaire I von Montier-en-Der, 12. Jh. [Stein, Bibliographie, Nr. 2543], fol. 21r-v (C). Zahlreiche (nicht überprüfte) jüngere Abschriften aus C (Stein, Nr. 25442548, vgl. D KdK. 70 = Böhmer-Fees, Nr. 484).

Drucke: Lalore, Chartes de Montiérender, Nr. 12 S. 135, aus C (Auszüge); Prou,Un diplôme faux, S. 223 – 224 Anm. 1, zu 876; Prou-Poupardin, Recueil, S. 126 – 127 (ohne Nummer unter den Nachträgen), zu 876; Barbier, Rois et moines en Perthois, Nr. 6 S. 75 – 77, zu 875 oder 876.

Reg.: Roserot, Répertoire, Nr. 49 S. 109, zu 876.

Kommentar

Auf die widersprüchliche Datierung (a. r. 36 ergibt 875, damals war Karl der Kahle aber noch nicht imperator!) hat erstmals Barbier, a.a.O., S. 76, aufmerksam gemacht. Von den beiden alternativen Daten, 875 oder 876, scheidet aber 876 aus, da Boso noch im September in Oberitalien mit Papst Johannes VIII. in Kontakt stand (Regg. 26732675). Unter diesem Aspekt wird es sich bei dem in der Datierung nachgestellten sive imperatore sicherlich um eine jüngere Konjektur handeln, wie schon Barbier, a.a.O., vermutet hat. – Daß es sich bei Boso um den gleichnamigen Grafen und späteren König handeln soll, wie dies Prou,Un diplôme faux, bes. S. 226, gezeigt hat (gegen Barthélemy, Note, S. 201 – 203; vgl. Poupardin, Provence, S. 59), ist wegen des Zusammenhangs mit D KdK. 475 (vgl. ausführlich Prou, a.a.O., passim), nicht zu bestreiten (vgl. auch das Rubrum in C: De Bosone comite et Olonna). Doch weist das merkwürdige Stück zahlreiche Ungereimtheiten auf (vgl. schon Barbier, a.a.O., S. 76), die zumindest für eine grobe Verfälschung, wenn nicht gar für eine Ganzfälschung sprechen. Selbst die hier vorgenommene Einordnung zu 875 Oktober setzt ja voraus, daß Boso von Vienne damals Karl den Kahlen auf seinem Zug nach Italien (Reg. 2656) nicht begleitet hat, sondern erst später nachgekommen ist, was zwar nicht undenkbar, aber doch wenig wahrscheinlich ist – berücksichtigt man die Tatsache, daß Boso im Februar 876 zum Dux und Missus des Regnum Italiae bestellt wurde (Reg. 2664). – Zur Überlieferung siehe bes. Morelle Chartrier, ; Morelle Metamorphosis, S. 190 – 194. – Allgemein zu dem im 7. Jahrhundert von Childerich II. gegründeten Kloster Montier-en-Der (Dép. Haute-Marne, Arr. Saint-Dizier) vgl. den Sammelband: Les moines du Der, darin bes. Semmler, Montier-en-Der. Speziell zu Bercharius, der im Kloster als Gründerabt und Märtyrer verehrt wird, siehe Barbier, a.a.O., S. 51ff. – Die Reihe der älteren Herrscherurkunden verzeichnet Böhmer-Fees, Nr. 484. Zu einzelnen Örtlichkeiten Barbier, a.a.O., S. 76 Anm. 121 – 122. – Der Vicus Olunna ist in Saint-Dizier aufgegangen (faubourg „la Noue“).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. (F)2658, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/ce3d2542-f8dc-452d-a14b-3bfa7119ae75
(Abgerufen am 20.01.2017).