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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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(Teilreichs-)Synode (burgundischer) Bischöfe (sacer episcoporum conventus), die dem Frieden der Kirche dienen und Beschlüsse in kirchlichen Angelegenheiten fassen soll (ob pacem et tranquillitatem s. Dei ecclesiae statuendam et ecclesiastica negotia decernenda ... coadunatus est). Als Teilnehmer sind bezeugt die Erzbischöfe Aurelian von Lyon und Bernuin von Vienne (auch Teutramnus von Tarentaise?) sowie die Bischöfe Adalgar von Autun, Geilo von Langres, Stephan von Chalon (-sur-Saône), Gerald von Mâcon, Adalbold von Belley, Isaak von Valence und der Chorbischof Leoboin (von Lyon).

Originaldatierung:
a. inc. 887, a. Ka.III. in Gallia 2, Ind. 5.

Überlieferung/Literatur

Synode, ed. Hartmann, MGH Conc. 5, Nr. 21 S. 216 – 224. Erwähnt in vier Synodalurkunden: 1) Bischofsurkunde (privilegium) Geilos von Langres (Or.?) zugunsten seiner Kirche, ed. Roserot, Chartes inédites, Append. I, Nr. 19 S. 192 – 194; ed. Hartmann, a.a.O., S. 221 – 223 (daraus die Zitate). – 2) unvollständige Synodalurkunde (ohne Unterschriften) der anwesenden Bischöfe zugunsten Bischof Geilos von Langres im sogen. Chron. Besuense, ed. Bougaud, Chronique de Saint-Bénigne de Dijon, S. 270 – 272; ed. Hartmann, a.a.O., S. 218f. – 3) verfälschte Bischofsurkunde (privilegium) Geilos von Langres zugunsten der Kanoniker der Kirche Saint-Étienne in Dijon, überliefert in jüngerer Kopie des verlorenen Chartulars von Saint-Étienne, ed. Courtois, Chartes de Saint-Étienne de Dijon, Nr. 10 S. 21 – 24; ed. Hartmann, a.a.O., S. 219 – 221. – 4) Synodalurkunde für das Kloster Charlieu, ed. Hartmann, a.a.O., S. 223f.

Regg.: Martin, Conciles Lyon, Nr. 178 – 180; Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 862 u. 863.

Kommentar

Die in der Literatur vorkommende Datierung der Synodalurkunde im Chron. Besuense zu angeblich 886 hat zu erheblicher chronologischer Verwirrung mit nicht haltbaren historischen Schlußfolgerungen geführt; vgl. Poupardin, Provence, S. 136f.; Bautier, Origines, S. 66; Frachette, Valentinois, S. 189; siehe Reg. 2822. – Bewertung und Analyse der bedeutenden Synode von Saint-Marcel-lès-Chalon, die wenige Monate nach dem Tod Bosos (Reg. 2827) und wenige Wochen vor dem Treffen von Kirchen (Reg. 2833) zahlreiche Bischöfe des ehemaligen Regnum Provinciae (die bis auf den Bischof von Belley auch in Mantaille bei der Königswahl Bosos mitgewirkt hatten: Reg. 2752 und mehrere benachbarte westfränkisch-burgundische Bischöfe, darunter den am Hof Karls III. führenden Bischof Geilo von Langres (vgl. MacLean, Kingship, bes. S. 110; Cartron, Pérégrinations, bes. S. 293), zusammenführte, durch die Forschung ist widersprüchlich. Während Bautier, Langres, bes. S. 157f. (S. 221f.), in Geilo von Langres (vgl. zuletzt Reg. 2772, Kommentar) die treibende Kraft sieht, die Karl III. wenig später in Kirchen zur Adoption Ludwigs des Blinden bewogen habe (vgl. Cartron, a.a.O., S. 237), geht MacLean, Kingship, S. 111 – 113, der die Adoption von Kirchen (Reg. 2833) nur als rechtlich unverbindliche Versöhnung zwischen Karl III. und der Familie Bosos interpretiert, davon aus, daß Geilo in Chalon – angesichts der schon in die Wege geleiteten Annäherung zwischen Karl III. und der Familie Bosos (vgl. das vorige Reg.) – in Abstimmung mit dem Kaiser die geplante Versöhnung von Kirchen seinen Amtsbrüdern zu vermitteln hatte. – Erzbischof Teutramnus von Tarentaise, der schon 885 verstorben sein soll (Duchesne, Fastes I, S. 245), ist nur in den älteren Drucken der von Roserot nach dem Or. edierten Synodalurkunde (1) belegt (siehe bes. Martène/Durand, Thesaurus IV, Sp. 67), vgl. Roserot, ed. cit., S. 194 Anm. 5. Erzbischof Bernuin von Vienne, einer der maßgeblichen Königswähler Ludwigs des Blinden (Reg. 2862) und dessen erster Erzkanzler (Reg. 2878 u. passim), ist hier erstmals bezeugt (seine Charta [Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 859] ist undatiert). Nach sonst nicht bestätigter Nachricht Hugos von Flavigny, Chronicon, ed. Pertz, MGH SS 8, S. 356, soll er ein Bruder König Bosos (frater Bosonis regis) gewesen sein; skeptisch Poupardin, Provence, S. 45f. Anm. 3 (allgemein zu den in Frage kommenden Quellen Hugos von Flavigny siehe Lawo, Studien, bes. S. 250ff.). – Zu zwei der drei Synodalurkunden (1 u. 3) vgl. Bautier, Langres, S. 163 – 165 (S. 227 – 229). – Zum Kloster Bèze und dem Chron. Besuense siehe Kölzer, Merowingerstudien II, S. 1 – 17.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2831, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/c753ac32-8fe0-4063-a0dd-c4e055dc177e
(Abgerufen am 19.10.2017).