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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Ludwig restituiert (redderemus ac ... confirmaremus) der (erzbischöflichen) Kirche von Vienne (matri ecclesiae s. Mauricii Viennae urbis) unter (Erz-) Bischof Sobon auf Bitten seines geliebten Sohnes, des Grafen Karl (dilectus filius noster Karolus comes), aus Liebe zu seinen Eltern (ob amorem ... genitoris nostri vel genitricis nostrae), die in der Kathedrale beigesetzt wurden (quorum corpora celeberrimo cultu in eadem matre ecclesia pernoscuntur humata [vgl. Reg. 2970]), und für deren Memoria (ad memoriam praelibatorum genitorum nostrorum) die im Comitat von Vienne gelegene Villa Cisiriacus (Sérézin-du-Rhône) mit der Pfarrkirche Saint-Alban und allen Pertinentien, die der Kirche von Vienne vor langer Zeit von frommen Christen (temporibus priscis a religiosis christianis) übertragen, ihr dann aber zusammen mit anderen Besitzungen (inter reliquarum subtrationem rerum) unrechtmäßig entzogen und als Comitatsland genutzt worden war (iniuste fuisse sublatam et in comitali usus actenus fore redactam). – Pön 40 Pfund Gold. – Ubboldus notarius. – M. (SI D.).

Originaldatierung:
.VIII. Kal. Ian., Viennae, publice – a. imp. 27.
Incipit:
Si sacris locis
Empfänger:
Kirche von Vienne (matri ecclesiae s. Mauricii Viennae urbis) unter (Erz-) Bischof Sobon

Überlieferung/Literatur

Kopien: Paris, BnF, Coll. Baluze 75, fol. 364v – 366r, Abschrift 17. Jh. (mit Korrekturen von Baluze), aus dem verlorenen Chartular (Ende 12. Jh.) des Domkapitels von Vienne fol. 76v n. 191 (E); ebd., Ms. lat. 5214, p. 93 – 95, 17. Jh., gleichfalls aus dem verlorenen Chartular (F) (daraus Kopie Ende 19. Jh. von A. Dopsch, München, MGH-Archiv A 116, vgl. Archiv Geschichtskunde 7, S. 838); Paris, BnF, Ms. lat. 17 191, fol. 107r-v, Abschrift Martène 17. Jh., wie F (H); ebd., Ms. lat. 11 743, fol. 151v – 152v, 17. Jh., wie F (I); Sion/Sitten, Kantonsarchiv, Pierre de De Rivaz, Diplomatique de Bourgogne, vol. I, n. 44 p. 212 – 213, Kopie Ende 18. Jh., wie F; Grenoble, Bibl. Municipale, Ms. R 8907 (Secousse 904), fol. 9v – 10r, Abschrift 17. Jh., aus gleicher Quelle.

Drucke: Gallia christiana, XVI, Instrumenta, Sp. 15 – 16 Nr. 20, aus E; Dümmler, Urkunden der italienischen Könige, Nr. 26 S. 321 – 322, aus F; Prou-Poupardin, Recueil, Nr. 68 S. 120 – 122.

Regg.: Pierre de De Rivaz, Diplomatique de Bourgogne, vol. I n. 44, ed. Chevalier, S. 9; Jean-Baptiste Moulinet, Vérification et description du Cartulaire du chapitre de Saint-Maurice de Vienne, 1771, mit Hinweis auf das Siegel Ludwigs: „le seing figuré dud. empereur“, ed. Chevalier, Description Saint-Maurice, S. 43 Nr. 191; Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 1082.

Vgl. auch Charvet, Histoire Vienne, S. 251.

Kommentar

Das Regierungsjahr führt auf Dezember 927. D 68 stellt damit das letzte datierte D Luwigs des Blinden dar, der wahrscheinlich in der ersten Hälfte des Jahres 928 verstarb (Reg. 2999). – Zum hier erstmals bezeugten Erzbischof Sobon von Vienne, einem Sohn des Vizegrafen Berilo – das voraufgehende D 66/Reg. 2993 von Ende November 927 ging an die Domkanoniker ohne Erwähnung eines Erzbischofs, möglicherweise war der Sitz damals vakant – vgl. zuletzt Reg. 2978. Warum er nicht wie seine Vorgänger als Erzkanzler in der Rekognition angeführt wird, bleibt unklar. Allerdings hat der Notar Ubold (zu diesem siehe zuletzt das schon genannte, nur einen Monat ältere D 66/Reg. 2993) auch sonst gelegentlich auf direkten Befehl ohne formelle Mitwirkung eines Erzkanzlers rekognosziert (DD 66 u. 69/Regg. 2993 u. 2997; vgl. auch D 70/Reg. 2998). – Das Diktat des Ubold ist in Protokoll und Eschatokoll unübersehbar (vgl. bes. D 66/Reg. 2993). Auch Arenga (Hausmann/Gawlik, Arengenverzeichnis, Nr. 3567) und Promulgatio stimmen mit dessem D 66 überein. Im Aufbau und den formelhaften Teilen des übrigen Kontexts lehnt sich unser D 68 stark an D 47 (Reg. 2923) an, einem in der Sache vergleichbaren älteren (905) Restitutionsprivileg für das Erzbistum Vienne (vgl. auch Schilling, BM2, Nr. 570, S. 81), in dem wie hier in D 68 auch das Grab Bosos und Irmingards (vgl. auch D 66 = Reg. 2993) genannt wird. Es ist zu vermuten, daß das vom Notar Arnulf rekognoszierte D 47 bei der Abfassung unseres D 68 vorlag und als Diktathilfe herangezogen wurde. Hinzugekommen ist eine Pönformel, wie sie ähnlich stilisiert schon in Ubolds D 56/Reg. 2954 begegnet ist. – Der Sohn Ludwigs, Karl (Konstantin), ist schon in D 62 (Reg. 2975) begegnet, dort noch ohne Grafentitel. Wenn er unterdessen mit dem Grafenamt in Vienne betraut wurde, wird dies vielleicht mit Zustimmung König Hugos von Italien erfolgt sein, der eine solche Regelung vielleicht noch vor seinem Weggang nach Italien (Reg. 2987) getroffen hat; vgl. Poupardin, Provence, S. 225 m. Anm. 3, sowie D Prov. 70 (Reg. 2998). – Vgl. noch Gingins-la-Sarraz, Archiv Geschichtskunde 8, S. 79.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2995, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/c0338198-8c7a-416f-9ba4-396833c29558
(Abgerufen am 28.05.2017).