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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Nachdem Karl (von der Provence) den Friedensschluß und die Reichsteilung des väterlichen Reiches mit seinen Brüdern Ludwig (II.) und Lothar (II.) gefeiert hat (post pacem atque paterni regni divisionem cum fratribus nostris Hludovico videlicet at Hlotario miserante Domino celebratam), beruft er eine allgemeine Reichsversammlung (conventus populorum qui sub eius regno erant: Synodalurkunde) von Populus, Bischöfen und Principes in den im Gau von Sisteron gelegenen Ort Sault ein (congregari iussimus populum, qui in nostram partem venerat, in pago Sisterico in loco qui dicitur Saltus, cum sacris pontificibus et regni nostri principibus: D 4).

Überlieferung/Literatur

Erwähnt in D 4 (Reg. 2519), ed. Poupardin, bes. S. 8 Z. 7 – 10 (siehe oben), und in der Synodalurkunde der auf der Versammlung anwesenden Bischöfe (das folgende Reg.), ed. Hartmann, MGH Conc. 3, bes. S. 491 Z. 32 – 36: pace iam et divisione regni cum fratribus suis Hludowico videlicet et Lothario regibus miserante Domino celebrata, factus erat conventus populorum, qui sub eius (scil. Karl von der Provence) regno erant, per regiam evocationem, ubi etiam nos ... episcopi ... convenimus (vgl. Archiv Geschichtskunde 7, S. 211, aus Lyon, Bibl. Municipale, Ms. 193 [früher 121]).

Kommentar

Die von Karl formal einberufene Reichsversammlung (per regiam evocationem, siehe oben), die nach der Datierung der dort ausgestellten Synodalurkunde (das folgende Regest) im Jahre 859, und zwar, falls die Indiktionsangabe korrekt ist und Septemberindiktion vorliegt, vor dem 1. September diesen Jahres stattfand, wird kaum der großen fränkischen Reichssynode von Savonnières (das vorige Reg.) voraufgegangen, sondern ihr gefolgt sein, woraus sich der oben vorgeschlagene Termin für die Einberufung ergibt. Zwar folgen alle drei im Zusammenhang mit dem Treffen überlieferten Schriftstücke in den oben zitierten Passagen einem im Synodaldekret von Germigny 843 erstmals bezeugten Formular (vgl. Reg. 2518, doch ist an der Faktizität der Ereignisse (Einladung Karls an Populus, Bischöfe und Principes, sich in Sault zu versammeln sowie das anschließende Treffen dort) kaum zu zweifeln; vgl. bes. D 4 (Reg. 2519). Man wird allerdings kaum mit Schneider, Brüdergemeine, S. 181, und Voss, Herrschertreffen, S. 45, 210, wegen der oben zit. Passage, in der von einer Feier Karls mit seinen Brüdern nach Friedensschluß und Reichsteilung die Rede ist, eine Zusammenkunft der drei Könige in Sault annehmen wollen – von der Schwierigkeit, ein solches Treffen im Itinerar Lothars II. und Ludwigs II. überhaupt unterzubringen, einmal ganz abgesehen. Eine solche Annahme kann sich auch nicht auf Mühlbacher (BM2, Nr. 1329b) stützen, da dieser einen parallelen Hinweis in den Regesten Lothars II. (nach BM2, Nr. 1288c) unterlassen hat, insofern also gerade kein Treffen angenommen hat (vgl. auch Schieffer, Die Urkunden Lothars II., S. 370; Hartmann, a.a.O., S. 490). Schon eher ist zu erwägen, daß in der zitierten Passage noch einmal auf die Einigung von Orbe im Spätsommer 856 angespielt wird (Reg. 2495 so im übrigen schon Poupardin, Provence, S. 19 Anm. 1), oder, wenn auch weniger wahrscheinlich, die zurückliegende Versammlung von Savonnières gemeint sein sollte. In den von dort überlieferten Kanones heißt es ausdrücklich, daß die anwesenden Könige Karl der Kahle, Lothar II. und Karl von der Provence uniti et in eadem salutari unitate firmati sunt (c. 3, vgl. das vorige Reg.), was auf eine neuerliche Bekräftigung der Einigung von Orbe hindeutet. – Vgl. auch Anton, Teilreichsepiskopat, S. 91f. (S. 430), sowie die folgenden Regg.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2516, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/bec694fe-00ba-421e-bca2-718715fc6347
(Abgerufen am 24.10.2017).