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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Gerichtsaufzeichnung (scriptura, notitia). – In Gegenwart seines Gefolges (in presentia procerum) investiert Ludwig, der in der Pfalz von Saint-André (-le-Bas) in Vienne zu Gericht sitzt (siehe das vorige Reg.), Bischof Remegarius von Valence, der darüber Klage geführt hat, daß der Dux und Marchio Hugo (von Vienne) die der Kirche von Valence von den Königen und Kaisern seit den Tagen Karls d. Gr. übertragene Villa Nova (Villeneuve), die erst jüngst von Ludwigs Vater, König Boso (Dep., siehe Reg. 2824), sowie von seiner Mutter Irmingard zusammen mit ihm selbst per preceptum regale (Dep., siehe Reg. 2897) der Kirche von Valence (wieder) übertragen worden war, malo ordine entfremdet habe – mit der genannten Villa mittels Szepter (per fustem), nachdem der genannte Hugo, tactus pietate, auf Befehl des Kaisers und nach dem Rat der Bischöfe sowie dem Urteil der Grafen und des übrigen Umstands (per iussionem domni nostri imperatoris ac per consilium episcoporum et per iuditium comitum, nobilium ac cḝterorum fidelium suorum) die Villa per vuadiam zurückgegeben hat, promittens numquam se intermissurum de ea. – Beurkundungsbefehl Ludwigs (hanc scripturam gloriosissimus imperator fieri iussit) mit Ankündigung von Monogramm, Siegel und Unterschriften der Getreuen. – Signum Ludovici serenissimi imperatoris augusti. – - Teudo notarius hanc scripturam fecit, iubente Alexandro Viennensi archiepiscopo.

Originaldatierung:
– a. inc. 912, Ind. 15, a. imp. 11.
Incipit:
Dum resideret
Unterschriften:
Unterschriften der Erzbischöfe Alexander von Vienne und Theodulf von Embrun sowie des Bischofs Isaak von Grenoble, ferner des Dux und Marchio Hugo, der Grafen Boso und Adalelm, dessen Sohn Boso und eines gewissen Gauzelm.

Überlieferung/Literatur

Kopien: Paris, BnF, Ms. lat. 13 879, Chartular A von Grenoble, Anfang 12. Jh. (Vérité, Répertoire [I], Nr. 314), fol. 68r – 69r n. 24 (C), danach München, MGH-Archiv A 116, Abschrift 19. Jh. (mit Angabe der von Poupardin nicht notierten Rasuren in C); Grenoble, Arch. dép. de l’Isère, 4 G 36 (vormals G 209), Chartular C von Grenoble, 12. Jh. (Vérité, Répertoire [I], Nr. 316), fol. 2r n. 3 (C’). Mehrere Kopien 17. Jh. von C (darunter auch Ms. lat. 17 197, fol. 85r-v; Ms. lat. 17 191, fol. 96r-v, Abschrift Martène 17. Jh., und Ms. lat. 10 949, pp. 109 – 114) verzeichnet Prou-Poupardin, Recueil, S. 96.

Drucke: Petit, Theodori Poenitentiale, II, Nr. 2 S. 576 – 577, aus C; Chorier, Dauphiné, II, S. 142 – 147, aus C; Marion, Cartulaire de Grenoble, Nr. A 24 S. 58 – 59, aus C; Gallia christiana, XVI, Instrumenta, Sp. 101 Nr. 1, aus C; Prou-Poupardin, Recueil, Nr. 52 S. 96 – 97.

Regg.: Bréquigny, Diplomata, I, S. 374; Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 1018; Böhmer-Zielinski III, Nr. 1451.

Vgl. auch Archiv Geschichtskunde 11, S. 484.

Kommentar

Unter der Voraussetzung, daß das Regierungsjahr korrekt angegeben ist, muß die Notitia zwischen dem 25. Dezember 911 und Mitte Februar 912 entstanden sein, doch sind wegen der zahlreichen Datierungsfehler in den Urkunden Ludwigs des Blinden Zweifel angebracht. – Zum Tagungsort des Gerichts, zur Sache selbst und zu den Hauptbeteiligten vgl. schon Böhmer-Zielinski III, Nr. 1451, sowie das vorige Reg.; siehe noch Grimaldi, Justice, S. 67; Ripart, Sermorens, S. 273 Nr. 24; Deutinger, Der König als Richter, S. 37; Schilling, BM2, Nr. 570, S. 91 Anm. 139. Zur Überlieferung und zu Bischof Isaak von Grenoble siehe bes. D Prov. 30 (Reg. 2889). Der Notar Teudo wird mit dem gleichnamigen Kanzlisten Ludwigs des Blinden in DD 40 u. 46 identisch sein (Regg. 2918 u. 2924). – Das abgegangene Villa Nova (Villeneuve) lag im heutigen Stadtgebiet von Valence; siehe Reg. 2824 (Kommentar). – Das Diktat dieser Notitia, in der von Ludwig durchweg in der dritten Person berichtet wird, ist eigenständig, wie der Vergleich mit D 28 (Reg. 2857) belegt. Einzelheiten der der Investitur voraufgegangenen Urteilsfindung sind nicht festgehalten. – Zu Graf Adalelm siehe bes. D 42 (Reg. 2919). Zu Hugo, der hier erstmals als Dux und Marchio bezeichnet wird (vgl. aber Reg. 2936), siehe zuletzt bes. D 50 (Reg. 2933). Die Mirac. s. Apollinaris ep. Valent. bescheinigen ihm zum Jahre 912 ausdrücklich, daß er tunc rem publicam sub Ludovico imperatore regebat (c. 3, ed. Hofmeister, S. 1345, der ebd., Anm. 5, einen Zusammenhang mit unserem D 52 vermutet); vgl. Mazel, Horizons, S. 472; siehe auch Böhmer-Zielinski III, Nr. 1451. Zu Hugos Bruder Boso siehe zuletzt D 51 (Reg. 2938). Der gleichnamige Sohn des Grafen Adalelm ist anscheinend schon in Reg. 2935 begegnet. – Zu Bischof Remegarius von Valence siehe neben Böhmer-Zielinski III, Nr. 1451, auch Chevalier, Mémoires, S. 7f.; Font-Réaulx, Chroniques, bes. S. 104, 111; Poly, Petite Valence, passim; Frachette, Valentinois, S. 181. – Die beiden erwähnten Deperdita sind von Poupardin nicht berücksichtigt worden; vgl. Regg. 2824 u. 2897.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2941, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/b8bef520-d62e-420e-bfae-aa44d0f9cb8a
(Abgerufen am 29.03.2017).