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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Datierung einer Schenkungsurkunde nach Karlmann (II. von Westfranken): Der Presbyter Ermengaud überträgt den Kanonikern (der Kathedrale) von Saint-Maurice in Vienne unter Erzbischof Otramnus (quam [die ecclesia Beati Mauricii, vgl. das folgende Reg.] dominus ac venerabilis Octrannus archiepiscopus ad regendum habet) aus seinem Besitz [...]. – Airoardus presbiter ... scripsi, datavi .VIII. Id. Iun., anno primo regni domno nostro Harlamanno videlicet in Burgundia.

Überlieferung/Literatur

Charta cessionis, ed. Chevalier, Description Saint-Maurice, S. 54 Nr. A (aus Ms. Nicolas Chorier [† 1692], Miscellanea t. XII, S. 27, damals in Privatbesitz).

Regg.: Jean-Baptiste Moulinet, Vérification et description du Cartulaire du chapitre de Saint-Maurice de Vienne, 1771, ed. Chevalier, Description Saint-Maurice, S. 28 Nr. 89 (zu 880); Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 838 (zu 881).

Vgl. Schilling, Guido von Vienne, S. 48 in Anm. 31.

Kommentar

Zu Chorier s Handschrift, die im hier zitierten Teil auf dem verlorenen Chartular des Domkapitels von Vienne beruht, vgl. Chevalier, Description Saint-Maurice, S. 8 (mit Anm. 3), 54 – 56. – Ungeachtet der gebotenen Vorsicht bei der Auswertung von Privaturkunden kann man den dort vorkommenden Herrscherdatierungen nicht einen gewissen Quellenwert unter politischen und rechtlichen Aspekten absprechen; vgl. Bitsch, Lyon, S. 21f. Insofern werden im folgenden auch mehrere Chartae regestiert, die Rückschlüsse auf die Lage im einstigen Herrschaftszentrum Bosos nach dem Fall Viennes zulassen. Ob die hier als erstes regestierte, von Chevalier auf 880 oder 881 datierte Charta erst nach dem Fall Viennes im Juni 883 ausgestellt wurde, wie zuletzt von Bautier, Origines, S. 61 mit Anm. 76, 63 mit Anm. 87, betont (vgl. auch Hlawitschka, Lotharingien, S. 92 in Anm.), steht nicht zweifelsfrei fest; vgl. schon Poupardin, Provence, S. 135 mit Anm. 2. Zwar ist der Schreiber Airoardus, auf dessen Konto auch die nachfolgende Charta ging, seit 870 im Raum Vienne nachzuweisen (Regg. 2637 u. 2649), doch werden im vorliegenden Fall weder ein Ausstellort noch die Lage der Güter genannt. Möglicherweise wurde das Stück im Juni 882 in der Umgebung von Vienne ausgestellt, zu einem Zeitpunkt, als Karlmann II. vor der Stadt lag und die Belagerung wieder aufgenommen hatte (am 14. Juni 882 ist er unweit von Vienne bezeugt: Reg. 2801). Erst recht muß dem von Bautier erweckten Eindruck widersprochen werden, daß Erzbischof Otramnus selbst der Aussteller dieser Charta ist: „À Vienne même, l’archevêque, son plus fidèle appui, date un acte, le 6 juin 883, de l’an premier du règne de Carloman en Bourgogne“ (a.a.O., S. 61). Über die Haltung des Otramnus nach dem Fall von Vienne wissen wir nichts. Man könnte wegen der Datierung in dieser und der nachfolgenden Charta sogar vermuten, daß es damals zu Differenzen zwischen den Kathedralkanonikern und dem Erzbischof gekommen ist. Falls die Kanoniker aber Karlmann II. zuneigten, werden sie es auch gewesen sein, die in den für sie bestimmten Urkunden dafür gesorgt haben, daß nicht mehr nach Boso datiert wurde. – Der Schreiber Airoardus hat die nachfolgend regestierte Charta mit abweichender Datierungsform geschrieben, auch dies ein Hinweis darauf, daß die hier regestierte Charta vor dem Fall Viennes ausgestellt wurde. – Zum Schreiber Airoardus vgl. im übrigen noch Regg. 2812, 2867 u. 2891.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2811, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/b607ce78-75c8-4741-b1d9-99d17339d86f
(Abgerufen am 23.01.2017).