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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Lothar (II.) restituiert (restituendo conferimus atque confirmando concedimus) der Kirche Saint-Pierre vor den Mauern von Vienne (ecclesiam ... extra muros ... in honore b. Petri apostolorum principis reliquiorumque ... apostolorum), die dem (Erz-) Bistum Vienne unter Erzbischof Ado untersteht (quae pertinere dinoscitur ad episcopatum Viennensem ...) und unter der Leitung des Presbyters Mediolanus wiederhergestellt werden soll (quamque ad restaurationem pristinam Mediolanus excolendus presbyter regere videtur), für das Seelenheil seiner Eltern und seines Bruders (Karl von der Provence) und das Wohlergehen seines Reiches zum Unterhalt der in der Kirche den Gottesdienst versehenden Kleriker auf Bitten des [... und] des Grafen Gerhard (von Vienne) im Gau von Vienne in der Villa Vogoria (Vaugris) die Kirche Saint-Alban (-du-Rhône) , in der Villa Thosiaco (Toussieu) die Kirche Saint-Prim sowie in alio loco die Kirche Saint-Martin (des Côtes-d’Arey). – Signumzeile. – Ohne Rekognition.

Originaldatierung:
.II. Kal. Mai., Mantoleo villa publica – a. r. 8, Ind. 12. – [...].
Empfänger:
Kirche Saint-Pierre vor den Mauern von Vienne

Überlieferung/Literatur

Kopien: Brüssel, Bibl. Bolland., Ms. 220, P.-F. Chifflet, Collectanea Burgundica, 17. Jh., fol. 368r, unvollständig, „Ex vetustissimo chartulari S. Petri Viennensis. Charta II“, zu 864 (E); Paris, BnF, Ms. lat. 10 949, G. M. A. de Fontanieu, Histoire de Dauphiné, Preuves I, 1. Hälfte 18. Jh., pp. 29 – 33, unvollständig, wohl aus E.

Drucke: Chorier, Dauphiné, II, S. 355 – 359, zu 868, aus gleicher Vorlage wie E; Chevalier, Description Saint-Maurice, Appendice F, S. 56 – 57, aus E; Parisot, Lorraine, Pièces justificatives, Nr. 1 S. 763 – 764, aus E; D LdJ. 18. – Frz. Übersetzung: Cavard, Saint-Pierre, S. 45f.

Regg.: Bréquigny, Diplomata, I, S. 282, zu 868; Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 738; BM1 1264 = BM2, Nr. 1299, nach Parisot. – Auch erwähnt von Chorier, Hist. de Dauphiné I1, S. 514, 676; I2, S. 401, 521f. (mit dem Datum).

Kommentar

Die Indiktion ist wie in D LdJ. 17 und 19 um eine Einheit zu hoch berechnet. – Die von Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 738, angegebene Kopie unsres Stückes: Carpentras, Bibliothèque Inguimbertine (Municipale), Ms. 638 (jetzt 711, vgl. Catalogue général 34/I, S. 419), ist von Chorier abhängig. Zur Überlieferung vgl. Vérité, Répertoire [I], Nr. 532; Schilling, BM2, Nr. 570, S. 100 m. Anm. 185. – Zum traditionsreichen Mantaille auf halbem Wege zwischen Vienne und Valence, wo Karl mehrfach geurkundet hatte (Regg. 2510, 2530, 2531) und 879 Boso zum König gewählt werden sollte (Reg. 2749), siehe bes. Reg. 2510 (Kommentar). Daß Lothar II. damals auch Vienne selbst aufgesucht hat, nimmt Brühl, Palatium I, S. 225, an. – In dem unvollständig überlieferten D 18 (zur Brüsseler Handschrift vgl. noch Regg. 2741, 2878 u. 2909) fehlen neben der Rekognition auch das Eingangsprotokoll mit der Arenga und der Beginn der Dispositio. Auch ist zumindest ein Intervenient fortgefallen. Cavard, Saint-Pierre, S. 46, vermutet wohl zu Recht, daß es sich um den Erzbischof Remigius von Lyon handelt, der schon unter Karl von der Provence zusammen mit dem Grafen Gerhard von Vienne als Petent aufgetreten ist (D Prov. 5/Reg. 2525); vgl. auch Reg. 2598. Erwähnt wird D LdJ. 18 mit Nennung der Intervenienz des Remigius auch in der undatierten Urkunde des Erzbischofs Ragamfred von Vienne zugunsten der eigenen Kirche (Reg. 2930): quas etiam olim regali praecepto Hlotharii quondam regis per suggestionem sanctorum episcoporum Remigii Lugdunensis et Adonis Viennensis restitutas esse dignoscimus (ed. Achery, Spicilegium2 III, S. 365). Zum ansonsten kanzleigemäßen Diktat vgl. Schieffer, Vorbemerkung. – D LdJ. 18 illustriert die historische Situation nach dem Tod Karls von der Provence (25. Januar 863, Reg. 2548, als sowohl Kaiser Ludwig II. (Reg. 2551 als auch Lothar II. (Reg. 2553 ins Regnum Provinciae gezogen waren, um das Erbe ihres Bruders an sich zu ziehen. Durch Vermittlung der Großen wurde damals ein vorläufiges Übereinkommen erzielt (vgl. Reg. 2553. Die im Kontext des D 18 erwähnten Graf Gerhard von Vienne (vgl. zuletzt Reg. 2550) und Erzbischof Ado von Vienne, der 860 Agilmar gefolgt war (vgl. Reg. 2527, werden zu den Magnaten gehört haben, die damals die gütliche Übereinkunft gefördert haben. Das Präzept scheint zwischen vorläufiger und endgültiger Einigung, die nach einer Vermutung von Parisot, Lorraine, S. 224 Anm. 2 (vgl. ebd., S. 225), in Mantaille selbst bald darauf gelang, ausgestellt worden zu sein. Vgl. auch Poupardin, Provence, S. 35. – Allgemein zu Ado von Vienne, der vor allem durch seine Weltchronik bekannt ist, siehe Kremers, Ado; Schilling, Guido von Vienne, passim. Zu Kirche und Kloster Saint-Pierre vor Vienne vgl. Cavard, Saint-Pierre, passim; Schilling, Gallia pont. III/1, S. 203 – 207; Descombes, Hagiographie, S. 371. Um die (wohl schon von Erzbischof Agilmar) angestrebte Wiederherstellung des Klosters zu fördern, hatte das Domkapitel dort für eine längere Übergangsphase Kanoniker etabliert, die einem vom Kapitel ernannten Leiter (hier der Presbyter Mediolanus, der zugleich Dompropst war) unterstanden. Erst um 925 wurde das monastische Leben in Saint-Pierre wieder erneuert; vgl. Cavard, Saint-Pierre, bes. S. 44 – 50; Ders., Saint-Maurice, S. 10; Schilling, a.a.O., S. 205; Dies., BM2, Nr. 570, S. 76; siehe auch Regg. 2562 2930, 2965 u. passim. – Zur Identität der restituierten Kirchen vgl. Chevalier, a.a.O.; Parisot, a.a.O., S. 763; Cavard, Saint-Maurice, S. 10; Schieffer, D LdJ., Register; Descombes, a.a.O., S. 372. Speziell zu Saint-Alban siehe Schilling, BM2, Nr. 570, S. 73, 82 Anm. 94, 99.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2554, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/afa6d3f8-e450-40e3-b92d-290a0861092d
(Abgerufen am 30.05.2017).