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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Boso (von Vienne) und seine Gemahlin Irmingard (Ego Boso Dei gratia id quod sum, necnon et dilecta coniux mea Hirmingardis, proles imperialis) schenken dem Kloster Montier-en-Der (monasterio Dervo) ihren von Kaiser Karl (dem Kahlen) per preceptum (Dep.) erhaltenen Besitz in pago Laticense (Lassois), und zwar eine Herrenmanse (mansum indominicatum) in der Villa Lentinus (Lanty) mit allem Zubehör. – Stephanus archicanc. iubente inclyto et illustri viro domno Bosone sive coniuge eius domna Hirmingarde ... scripsi et subscripsi. – Ego in Dei nomine Boso ... subscripsi et firmare rogavi. Hirmingardis proles imperialis consensi. – post obitum Hludovici gloriosissimi regis (Ludwig der Stammler).

Originaldatierung:
.VIII. Kal. Aug. – a. inc. 878, a. 1
Zeugen:
die Grafen Richard, Teutbald und Bernhard.
Empfänger:
Kloster Montier-en-Der

Überlieferung/Literatur

Unvollständige Kopie: Paris, BnF, Coll. Baluze 39, fol. 237v, Abschrift André Duchesne 17. Jh., „ex cartulario Arremar. (Montiéramey) monasterii“ (E); Brüssel, Bibl. Bolland., Ms. 220, P.-F. Chifflet, Collectanea Burgundica, 17. Jh., fol. 210r (mit Kommentar), aus Vignier, a.a.O. (vgl. Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 821).

Drucke: Vignier, Bibliothèque historiale II, S. 492, aus gleicher Quelle (fälschlich als Urkunde für Montiéramey bezeichnet: ebd., S. 491); Duchesne, Vergy, Preuves, S. 12, wie vorher, mit weiteren Kürzungen = D'Arbois de Jubainville, Histoire Champagne, I, Nr. 15 S. 448 = Lalore, Cartulaire Montiéramey, Nr. 8 S. 11 – 12; Prou-Poupardin, Recueil, Nr. 16 S. 31. – Französische Übersetzung: Terrebasse, Boson, S. 81 – 82. – Regg.: Giry, Études carolingiennes, Nr. 15 S. 129; Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 821.

Kommentar

Das Inkarnationsjahr ist in 879 zu korrigieren, da Ludwig der Stammler erst in diesem Jahr starb (Reg. 2734). – Zum verlorenen Chartular des Klosters Montiéramey siehe Stein, Bibliographie, Nr. 2534ff. – D Prov. 16, die letzte von Boso vor seiner Königserhebung ausgestellte Urkunde, entzieht sich als in stark gekürzter Form überlieferte Charta jeder näheren diplomatischen Analyse. Indes besteht kein Anlaß, an der Echtheit des überlieferten Wortlauts, der, soweit in dieser gekürzten Fassung erkennbar, dem üblichen Aufbau einer Charta folgt (vgl. die beiden älteren Chartae Bosos, das undatierte D Prov. 15/Reg. 2642 sowie Reg. 2658), zu zweifeln. Beachtung verdient vor allem der formal in einen Demutstopos gekleidete anspruchsvolle Titel Bosos, der damals bereits seine eigenen Königspläne verfolgt hat (siehe das vorige Reg.); vgl. Airlie, Semper fideles, S. 140; Ders., Boso, S. 35; MacLean, Response, S. 24. Zu vergleichbaren Titeln, die sich an eine Paulus-Sentenz anlehnen, vgl. Goez, Matilda Dei gratia si quid est, bes. S. 387 – 389 (ohne Kenntnis des Titels Bosos). Auch Bosos Gemahlin Irmingard, die Tochter Kaiser Ludwigs II. von Italien, ist als Mitausstellerin mit dem nicht weniger auffälligen Titel einer proles imperialis genannt. Unter den drei als Zeugen begegnenden Grafen findet sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Richard Iustitiarius, der Bruder Bosos. Graf Teutbald ist ein Cousin Bosos (vgl. die Stammtafel bei Poupardin, Provence, nach S. 40). Beim Grafen Bernhard schließlich wird es sich um den alten Weggefährten Bosos, den Grafen von der Auvergne, handeln, einen Verwandten der Irmingard, der in der oben genannten Charta D Prov. 15 (Reg. 2642) zusammen mit Boso als Aussteller begegnet. Die Zusammenkunft der drei hochrangigen Grafen mit Boso und Irmingard am leider ungenannten Ort macht gemeinsame Beratungen über die Pläne Bosos wahrscheinlich; vgl. Levillain, Personnages II, S. 1f. – Der sich Stephanus archicancellarius nennende Schreiber der Urkunde Bosos wird gemeinhin mit dem gleichnamigen Notar und Kanzler aus der Königszeit Bosos identifiziert (Prou-Poupardin, Recueil, S. IX) , der die D Prov. 18 – 21 (Regg. 2757, 2756, 2779 u. 2791) rekognosziert hat. Diktatmerkmale, die für diese plausible Hypothese sprechen, lassen sich allerdings nicht benennen. – Das Deperditum Karls des Kahlen für Boso fehlt in der Ed. Tessier. Chevalier, a.a.O., denkt an ein Deperditum Karls III. für Boso, was aber schon daran scheitert, daß dieser erst 881 zum Kaiser gekrönt wurde (Böhmer-Zielinski I, Nr. 646). Zu einem Deperditum Karls III. für Montiéramey aus gleicher Überlieferung siehe D Ka.III. 141; vgl. auch D Kn. II.65, 66, 80 – 82 sowie oben Reg. 2677. – Allgemein zu Montier-en-Der vgl. den Sammelband: Les moines du Der. – Lanty-sur-Aube, Dép. Haute Marne, Arr. Chaumont, Ct. Châteauvillain (so Giry). – Vgl. noch Poupardin, Provence, S. 96.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2741, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/adeed549-596f-41d0-8759-844f51c52be5
(Abgerufen am 23.07.2017).