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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Große (fränkische) Reichssynode (universale concilium). Der zahlreich vertretene Episkopat aus den Reichen Karls (des Kahlen), Lothars (II.) und Karls (von der Provence) verabschiedet in Anwesenheit der drei Könige (vgl. das vorige Reg.) mehrere Dokumente, in denen Könige und Episkopat zur Wahrung des Friedens und zur Reform von Kirche und Gesellschaft aufgefordert und aktuelle Streitfragen behandelt werden.

Überlieferung/Literatur

ed. Hartmann, MGH Conc. 3, Nr. 47 S. 447 – 489. Vgl. noch D LdJ. 12, bes. S. 401 Z. 22 – 24: Karolus rex gloriosus dilectusque patruus noster (Karl der Kahle) nec non et venerabilis episcoporum conventus, qui ob stabiliendam pacem opido Leucorum convenerant.

Regg.: BM2, Nr. 1288c; Martin, Conciles Lyon, Nr. 141; Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 719.

Kommentar

Zu Datierung und Ort des universale concilium (S. 462 Z. 4f.) vgl. das vorige Reg. – Unter den 40 in der Unterschriftsliste genannten Bischöfen stammen aus dem Reich Karls von der Provence die Erzbischöfe Teutramnus von Tarentaise (858 – 885) und Remigius von Lyon, ferner die Bischöfe Ebo von Grenoble, Ratbert von Valence und Abbo von Saint-Jean-de-Maurienne (vgl. bes. Reg. 2505). Die vier zuletzt genannten sind schon auf den vorbereitenden Treffen in Saints-Geosmes bei Langres (Reg. 2512 bzw. in Langres (Reg. 2513) bezeugt, genauso wie die aus dem Reich Karls des Kahlen stammenden Bischöfe Godelsad von Chalon-sur-Saône und Braidingus von Mâcon. Zugegen war auch Erzbischof Hartwig von Besançon, dessen Nachfolger Theoderich 879 zu den Königswählern Bosos zählte (Reg. 2752. Es fällt auf, daß Agilmar von Vienne, der in Langres am 1. Juni noch zugegen war (Reg. 2513), in Savonnières fehlt. Wenn er tatsächlich schon am 6. Juli 859 gestorben sein sollte (Reg. 2527 Kommentar), mußte er in Langres die Reise nach Norden aus gesundheitlichen Gründen vielleicht abbrechen. – Die 14 von der Synode verabschiedeten Kanones (Haec ventilata, definita atque obtenta sunt) betreffen neben Einzelfragen des westfränkischen Reiches (cc. 4 – 10, 12 – 13) auch die Wahrung des Friedens zwischen den königlichen Brüdern und die Reform von Kirche und Gesellschaft (cc. 1 – 3). In c. 1 werden Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle aufgefordert, zu caritas fraterna und concordia pacis zurückzukehren. In c. 2 werden Bischöfe und Könige ermahnt, gemeinsam für das ihnen anvertraute Volk zu sorgen. In c. 3 bekräftigen die Bischöfe die erreichte Eintracht zwischen den drei anwesenden Königen (Reges ... ac principes nostri ... uniti et in eadem salutari unitate firmati sunt). In c. 11 wird auf die (nicht namentlich genannte) Synode von Langres (Reg. 2513) angespielt, deren Kanones verlesen und unter die Akten aufgenommen werden. In c. 14 beschließen die Bischöfe Einzelheiten einer von ihnen verabredeten Gebetsverbrüderung. – Allgemein zur Sache vgl. unter der von Hartmann, a.a.O., S. 448, verzeichneten Literatur bes. McKeon, Councils, S. 75ff.; siehe auch Anton, Teilreichsepiskopat, S. 91, 96 – 98 (S. 430, 435 – 438).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2515, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/aa9ae3ff-aef4-471a-bff5-7a2a510a7710
(Abgerufen am 29.03.2017).