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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Der junge Karl (Karlus puer) trifft sich mit seinen Brüdern Ludwig (II.), imperator Italiae, und Lothar (II.) apud Urbam, wo es über ihren Anteil am väterlichen Reich (pro regni paterni portionibus) zum heftigen Streit kommt, der beinahe mit Waffengewalt ausgetragen worden wäre (dissident ut pene armis inter sese decernant). Ihm wird schließlich gemäß der väterlichen Verfügung (Reg. 2492 die Provence und der Dukat Lyon zugewiesen, nachdem die anwesenden Großen ihn aus der Gewalt Lothars (II.), der ihn zum Kleriker scheren lassen will, befreit haben (Karlo tamen ... Provinciam et ducatum Lugdunensem iuxta paternam dispositionem distribuunt, eripientibus eum a fratre Lothario optimatibus, qui illum moliebatur in clericum tonsurare).

Überlieferung/Literatur

Ann. Bertin. a. 856, ed. Grat, Annales Bertiani, S. 73.

Reg.: BM2, Nr. 1325f; Böhmer-Zielinski I, Nr. 154.

Vgl. Forel, Régeste, Nr. 60; Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 702; BM2, Nr. 1208a.

Kommentar

Orbe, eine Pfalz nordwestlich von Lausanne an einer wichtigen Verbindungsstraße zwischen den Reichen Lothars II. und Ludwigs II. im Herrschaftsbereich des Grafen Hukbert, des Bruders der Gemahlin Lothars II., Theutberga, gelegen, war in spätkarolingischer Zeit mehrfach Ort von Herrschertreffen; vgl. Schieffer, Die Urkunden Lothars II., S. 369; Brühl, Fodrum I, S. 24 Anm. 74 (mit Itinerarkarte II); Voss, Herrschertreffen, S. 45; siehe schon Böhmer-Zielinski I, Nr. 154 sowie unten Regg. 2566, 2578 u. 2753. – Das Treffen des Jahres 856 muß, wie das Itinerar der beteiligten Könige ergibt, zwischen Juli und Anfang Oktober 856 stattgefunden haben; vgl. Böhmer-Zielinski I, Nr. 154 (Kommentar). Wegen der Datierung zweier Urkunden des jungen Karls (D Prov. 6 u. 8 = Regg. 2541 u. 2531), nach denen die Kanzlei der Berechnung seiner Herrscherjahre einen Regierungsanfang zwischen dem 22. und dem 25. August 856 zugrundegelegt haben könnte, nimmt Poupardin, Provence, S. 17f. Anm. 3 (vgl. Ders., Introduction, S. XLVII), den 23./24. August als wahrscheinlichsten Zeitpunkt des Treffens an. Allerdings stehen nur sechs Urkunden Karls für eine Berechnung des Regierungsanfangs überhaupt zur Verfügung, von denen zwei zudem den Tod Lothars I. als Epochentag anzunehmen scheinen (DD 1 u. 3 = Regg. 2501 u. 2510); vgl. Reg. 2501 Kommentar. – Neben Lothar II., der seine Unzufriedenheit mit der Erbregelung auch urkundlich ausgedrückt hat (Reg. 2507), war auch Ludwig II. ein offener Gegner der Reichsteilung (das vorige Reg.). Unter diesem Aspekt werden es vor allem die nicht namentlich genannten optimates in dem Karl zugewiesenen Reichsteil gewesen sein, darunter dessen nutritor Graf Gerhard (von Vienne, vgl. das folgende Reg.), die sich in Orbe durchgesetzt haben. Möglicherweise hat im Vorfeld des Treffens Papst Benedikt III. eine vermittelnde Rolle gespielt (Reg. 2497). – Welche Bedeutung die Zeitgenossen der Vereinbarung als Existenzgrundlage für das Regnum Provinciae beigemessen haben, zeigen entsprechende Passagen in einer Synodalurkunde provenzalischer Bischöfe (vgl. Reg. 2516) und in einem darauf basierenden Privileg Karls von der Provence (D 4 = Reg. 2519) von 859, in denen die Reichsteilung und der brüderliche Friedensschluß erwähnt wird. Zumindest in den späteren Urkunden Karls scheint das Treffen als Epochentag für die Berechnung der Herrscherjahre gedient zu haben (DD 7 – 9 [Regg. 2530, 2531 u. 2542, vielleicht schon D 2 [Reg. 2506]). – Vgl. neben der Böhmer-Zielinski I, Nr. 154, genannten Literatur noch Kasten, Königssöhne, S. 391f.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2495, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/a98b7be9-7f80-42f1-97fe-addca740768a
(Abgerufen am 25.03.2017).