Regestendatenbank - 182.315 Regesten im Volltext

RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

Sie sehen den Datensatz 412 von insgesamt 571.

Ludwig bestätigt (corroboraremus ... statuimus et decernimus) auf Bitten des Erzbischofs Bernuin von Vienne und auf Ersuchen seiner Mutter (Irmingard) (monente domina genitrice nostra) die dem Kloster Saint-Chef (Saint-Theudère) bei Vienne (in eiusdem ecclesiae parochia situm), das der Kirche von Vienne gehört (monasterium praefatae ecclesiae Viennensis, in honore s. Dei genitricis Mariae sanctique Teuderii confessoris Deo dicatum), durch päpstliche und erzbischöfliche Verleihung gewährte Rechtsstellung (secundum apostolicum decretum [Formosus, J-L 3474] et praenominati archiepiscopi statuta [vgl. unten]), nimmt das Kloster, in dem Ludwigs Mutter im Zusammenwirken mit dem genannten Erzbischof die Mönche von Montier-en-Der unter Abt Adalrich angesiedelt hat (Adalrico abbati monachisque quondam Dervensis coenobii ad regendum et Deo serviendum commissum), in seinen Schutz (sub nostri regiminis apice atque tuitionis defensione constitutos) und bestätigt den Mönchen nach dem Beispiel des Papstes (sicut apostolicum sancit decretum) die freie Wahl des Abtes (non aliter nisis cum electione et voluntate eiusdem coenobioli monachorum ibi imponatur abbas). – Arnulfus notarius ad vicem Barnoini archiep.

Originaldatierung:
– a. inc. 896, a. r. 6, Ind. 15.
Incipit:
Si Christi sacerdotum
Empfänger:
Kloster Saint-Chef (Saint-Theudère) bei Vienne

Überlieferung/Literatur

Keine handschriftliche Überlieferung.

Drucke: Achery, Spicilegium1 XII, S. 152 – 153, mit dem Hinweis: „Eruit D. Louvet“;2 III, S. 367 = Bouquet, Recueil 9, Nr. 6 S. 679 = Monfalcon, Lugdunensis historiae monumenta, ed. Ia, S. 372 = ed. IIa, S. 98 – 99; Menestrier,Lyon,S. XXXVII; Prou-Poupardin, Recueil, S. 64 – 66 Nr. 35.

Regg.: B 1453; Bréquigny, Diplomata, I, S. 353; Chevalier, Regeste Dauphinois, Nr. 923.

Vgl. Collombet, Histoire Vienne, I, S. 331; Mermet, Histoire de Vienne, S. 267.

Kommentar

Inkarnationsjahr und Herrscherjahr führen auf 896. Die 15. Indiktion läßt auf eine Ausstellung frühestens im September schließen, es liegt hier also wohl Septemberindiktion vor. Allgemein zu der Unsicherheit in der Berechnung der Indiktion vgl. Prou-Poupardin, Recueil, S. LIf. – Lyon als Ausstellort ist bis zum Jahr 903 mehrfach bezeugt (D Prov. 29, 39 u. 43 = Regg. 2878, 2909, 2920), nach Ludwigs Blendung im August 905 (Böhmer-Zielinski II, Nr.1204A) nicht mehr. – Menestrier nennt keine Vorlage, ist aber, ungeachtet kleinerer Varianten (vgl. Poupardin, ed. cit.) wohl gleichfalls von Achery abhängig. Zu dessen mutmaßlicher Vorlage vgl. Schilling, BM2, Nr. 570, bes. S. 97 m. Anm. 170; siehe schon Reg. 2623. – Auch D 35 wurde wie zuletzt D 33 (das vorige Reg.) von dem erstmals in D 32 (Reg. 2893) begegnendem Notar Arnulf rekognosziert, der wie stets ad vicem des formellen Kanzleileiters Bernuin von Vienne tätig wird. Sein typisches Formular in Protokoll (mit im Vergleich zu DD 32/33 abgewandelter Intitulatio, siehe aber DD 31 u. 34/Regg. 2900 u. 2896), Corroboratio und Eschatokoll (vgl. bes. D 32/Reg. 2893) zeigt sich auch in den Scharnierstellen des Kontextes (Promulgatio, Petitio), der im übrigen in gehobenerem Stil weitgehend frei (oder nach unbekannter Vorlage) konzipiert zu sein scheint. Jedenfalls haben die im Kontext erwähnten Urkunden des Papstes Formosus (a. 891 November 25, J-L 3474) und des Erzbischofs (893 Dezember 2), die gleichfalls nur im Druck Achery s überliefert sind (Spicilegium2 III, S. 360 – 362 u. 366 – vgl. Schilling, a.a.O., S. 238 sowie S. 240f. Nr. 2), nur in wenigen Wendungen Pate gestanden. – Zu dem ca. 50 km östlich von Vienne gelegenen Kloster Saint-Chef/Saint-Theudère, einer Gründung des 6. Jahrhunderts, siehe Schilling, Gallia pont. III/1, S. 237 – 240; vgl. schon Reg. 2885. Bernuin hatte sich 891 zusammen mit Adalrich nach Rom begeben, wo sie das genannte Privileg des Papstes erwirkten (Regg. 2873 u. 2875). – Die Königin Irmingard begegnet hier zum letzten Mal als Intervenientin; bald darauf muß sie gestorben sein; vgl. Reg. 2900. – Der Aufenthalt der vor den Normannen oder Ungarn aus Montier-en-Der (Diözese Troyes) geflohenen Mönche in Saint-Chef scheint nur von kurzer Dauer gewesen zu sein; vgl. Schilling, a.a.O., S. 239. – 928 November 12 hat König Hugo von Italien während seines kurzen Burgundaufenthalts in Vienne für Saint-Chef geurkundet (Reg. 3003, vgl. Böhmer-Zielinski III, Nr. 1554).

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2895, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/a79cdbba-1d56-417d-b33a-42ab339b9758
(Abgerufen am 20.10.2017).