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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,4

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Ludwig überträgt (concessimus) der (erzbischöflichen) Kirche von Lyon (ecclesie b. prothomartiris Stephani Lugdunensis) unter Erzbischof Alwalo auf Bitten und Rat (deprecatione et ortatu sive consilio) seiner Mutter Irmingard für den treuen Dienst des genannten Alwalo, seines Lehrers (pro sincerissimo Alwalonis didascali nostri obsequio), den gesamten Besitz im Gau von Lyon, darunter die Kirche Saint-Laurent vor den Mauern der Stadt, die Abtei Saint-Martin quḝ Athanacus vocatur (Ainay), die Abtei Saint-Oyand (-de-Joux) (abbatiam s. Eugendi) sowie die (Villa) Genoliacum (Genouilleux) mit Hafen und Markt, schenkt der Kirche Saint-Irénée für den Unterhalt der dortigen Kanoniker genannte Mansen, und bestätigt nach dem Willen seiner Mutter (ad gloriosissime genitricis nostre votum) die (der Kirche von Lyon) von seinen kaiserlichen und königlichen Vorfahren, nämlich von Lothar (I., vgl. Schieffer, Lyon, S. 3), Ludwig (dem Frommen) (Dep.), Karl (dem Kahlen, vgl. Reg. 2638) und Ludwig (dem Stammler, D LuSt.20/Reg. 2716), seinem consobrinus, urkundlich verliehenen, im einzelnen aufgeführten Besitzungen, wie sie (Erzbischof) Remigius (von Lyon) und dessen Nachfolger besessen haben, darunter die Klöster Nantua und Savigny sowie die Villa Urbana (Villeurbanne), und gewährt ihr die Immunität. – Zweifacher Gebetswunsch, darunter für König Boso und die Königin Irmingard: ut ipse beatissimus prothomartir (scil. Stephanus) pro nobis et pro nostris genitoribus, scilicet Bosone gloriosissimo rege, ac avis et proavis intervenire dignetur (ed. Poupardin, S. 73 Z. 22f.), ferner: pro nobis ac gloriosissima genitrice nostra [Irmingard] et pro totius regni nostri stabilitate (ebd., S. 74 Z. 26). – Arnulfus notarius. – M. – Nachzeichnung des Siegels in C.

Originaldatierung:
– a. inc. 895, Ind. 4, a. imp. 1.
Incipit:
Si fidelium nostrorum
Empfänger:
Kirche von Lyon (ecclesie b. prothomartiris Stephani Lugdunensis) unter Erzbischof Alwalo Kirche Saint-Irénée

Überlieferung/Literatur

Kopien: Lyon, Arch. dép. du Rhône, Ms. G 680, sogen. „Großes Chartular von Lyon“ von 1350, fol. 28 (C); Grenoble, Arch. dép. de l’Isère, Ms. B 3784: Privilegia imperialia et papalia ecclesiae Lugdunensis, 15. Jh., fol. 5r – 6v, aus C (D); Brüssel, Bibl. Bolland., Ms. 220, P.-F. Chifflet, Collectanea Burgundica, 17. Jh., fol. 97r – 98r, n. 245, „ex archivo ecclesiae Lugdunensis“, wohl aus C (E); München, MGH-Archiv A 116, Kopie W. Arndt vom 17. 7. 1867, aus E.

Drucke: Severt, Chronologia, I1, S. 61 – 62 = I2, S. 192 (Auszüge); Prou-Poupardin, Recueil, Nr. 39 S. 72 – 74, 128.

Vgl. Guigue, Possessions, S. 33 (I, Nr. 22); Ders., Cartulaire, S. 32.

Kommentar

D 39 stellt eine nahezu wörtliche Wiederholung des von dem Notar Warimbald rekognoszierten und für den Vorgänger des Erzbischofs Alwalo, Aurelian, ausgestellten D Prov. 29 (Reg. 2878) dar, wobei in der Besitzliste die Abtei Saint-Oyand-de-Joux, das spätere Saint-Claude, hinzugekommen ist; vgl. im einzelnen den Petitdruck in der Edition Poupardin. Zu den zahlreichen in Frage kommenden VUU vgl. D LuSt.20, S. 65; Schieffer, Lyon, S. 3. – Die widersprüchlichen Datierungsangaben – a. inc. 895, dazu passend der Königstitel Ludwigs in der Signumzeile, aber a. imp. 1 (901) mit zugehöriger 4. Indiktion und kaiserlicher Intitulatio – deuten darauf hin, daß Alwalo schon 895 im Zusammenhang mit seinem Pontifikatsbeginn eine Bestätigungsurkunde erwirkt hat (in der er wie zuvor Aurelian als didascalus des jungen Königs bezeichnet wurde), daß er sich aber nach der Kaiserkrönung Ludwigs (Böhmer-Zielinski II, Nr. 1125) diese Urkunde in Italien neuerlich hat bestätigen lassen. D 39 wurde dabei vom Notar Arnulf (vgl. zuletzt D 38/Reg. 2907), der den König nach Italien begleitet hatte (vgl. Reg. 2907, Kommentar), der Sachlage entsprechend (und daher keinesfalls zu beanstandend) in Eigenverantwortung ohne den in den meisten italischen Urkunden als Erzkanzler angeführten Bischof Liutward von Como (vgl. Böhmer-Zielinski II, Nr. 1113) rekognosziert und sicherlich auch, vielleicht zusammen mit einem Gehilfen, hergestellt. Den vorliegenden, auf D 29 basierenden Text hat der Konzipient dabei gedankenlos auch in jenen Passagen übernommen, die einer Ausstellung im Jahr 901 widersprechen (Signumzeile, Teile der alten Datierung, die zu 901 anachronistische Nennung der 896/97 verstorbenen Königin Irmingard [Reg. 2898] sowie der Didascalus-Titel des Alwalo) – mit den daraus resultierenden Widersprüchen in der Datierung. Für die uneingeschränkte Echtheit des D 39 spricht nicht zuletzt die im Vergleich zur VU hinzugekommene, oben zitierte ehrenvolle Erwähnung von Ludwigs Vater, König Boso. Zu beachten ist auch die Nennung des Erzbischofs Remigius von Lyon (852 – 875) hier in D 39 (ed. Poupardin, S. 74 Z. 16), der der eigentliche Initiator der Rekuperationspolitik der Kirche von Lyon war – auch diese Passage fehlt in der VU; vgl. Schieffer, Lyon, S. 18. Die vage geäußerten Vorbehalte Poupardin s („il est certain que l’acte a été altéré au moins en certaines de ses parties“) sind jedenfalls nicht weiter zu erhärten. – Allgemein zum Empfänger, zur Überlieferung und zur Sache vgl. bes. Reg. 2878. Zur Abtei Saint-Oyand-de-Joux siehe schon Regg. 2623, 2626 u. 2907; vgl. noch Locatelli-Moyse, Saint-Claude, S. 257, sowie unten Regg. 2929 u. 3004.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,4 n. 2909, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/a31a9b43-5a91-4de1-afe4-f731c890d0d6
(Abgerufen am 19.01.2017).