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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,3

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Otto läßt durch seine Getreuen einen Sicherheitseid schwören (iuramentum quod facere fecit suos fideles Otto augustus antequam Romam adiret), in welchem er verspricht, falls er mit Gottes Hilfe nach Rom kommt,     (1) die Römische Kirche und Papst Johannes (XII.) [und gegebenenfalls auch dessen Nachfolger] nach Kräften zu erhöhen (sanctam Romanam aecclesiam et eundem domnum Iohannem papam, rectorem ipsius, exaltabit secundum suum posse, [si vivum invenerit; sin autem, eum qui legabiliter illi succedet]),     (2) niemals dem Leben des Papstes und seiner Ehrenstellung direkt oder indirekt nachzustellen [weder er selbst noch einer seiner Nachfolger] (nunquam vitam aut membra neque ipsum honorem quem habet, et qui eum habiturus est, sua voluntate aut suo consensu aut suo consilio aut sua exhortatione perdet [neque ipse neque aliquis successorum eius]), (3) in Rom ohne Rat des Papstes kein Gericht zu halten und keine Verwaltungsanordnungen zu treffen (in Roma nullum placitum aut ordinationem faciet de omnibus, quae pape et Romanis pertinent, sine consilio domni pape), (4) der Terra S. Petri alle ihm [zugefallenen oder] zufallenden Besitzungen zu restituieren,     (5) denjenigen, dem er das Regnum Italicum anvertraut, schwören zu lassen, dem Papst [und seinen Nachfolgern] nach Kräften ein Helfer bei der Verteidigung der Terra S. Petri zu sein (ut adiutor sit domno pape [et successoribus eius] ad defendendam terram Sancti Petri secundum suum posse).

Überlieferung/Literatur

Eidesformel (in mehreren Varianten), ed. MGH Const. I, Nr. 10-11 S. 20-23, hier im Wortlaut nach Nr. 11, S. 23 Z. 5-18 (die mutmaßlichen Ergänzungen in der Kanonessammlung des Deusdedit in eckigen Klammern kenntlich gemacht, arabische Ordnungszahlen in runden Klammern hinzugefügt; die Überschrift nach Nr. 10, S. 21, Z. 30f.). – Regg.: Stumpf 296; B-O 309a; B-Z2 287 (zu 961 Anf. Dez.). Vgl. Jakobs, Germania pontificia IV, S. 370 Nr. *47.

Kommentar

Die Annahme von Zimmermann (B-Z2 287), wonach der Eid bereits Anfang Dezember von dem damals in Rom weilenden Abt Hatto von Fulda mit seinen Begleitern geleistet wurde (s. Reg. 2467), ist nicht gesichert. Hatto wird vielleicht nur das vom eigentlichen Eid zu unterscheidende Versprechen Ottos überbracht haben, diesen Eid vor seiner Ankunft in Rom leisten zu wollen. In einem solchen Fall wird Otto den Eid erst abgelegt haben, als er sich im Laufe des Januars der Stadt Rom bereits genähert hatte. Wer unter seinen fideles den Eid dann allerdings für ihn gespochen hat, muß völlig offen bleiben. An Liutprand von Cremona als einen der von Otto Entsandten denkt Huschner, Kommunikation, S. 553. Ob er indes bei der Kaiserkrönung Ottos überhaupt zugegen war, ist strittig; vgl. Becker, Einleitung, S. IX; Sutherland, Liudprand, S. 79. Angesichts der widersprüchlichen und durch die Verwechslung der Überschriften zusätzlich verunklarten Überlieferungslage (auf die hier nicht näher einzugehen ist; vgl. ausführlich Fuhrmann, Konstantinische Schenkung, S. 124-126 mit Anm. 171) des in vier Fassungen überlieferten Eides bzw. des damit weitgehend identischen Versprechens, diesen Eid leisten zu wollen, ist auch nicht zu klären, inwieweit die bei Deusdedit überlieferte Ausdehnung des Eides auf die Nachfolger des Papstes (im Kopfregest in eckigen Klammern) authentisch ist. – Vgl. zu dem hier nur angeschnittenem Problemkreis neben Fuhrmann, a.a.O. (mit der älteren Lit.) auch Drabek, Verträge, S. 65, 83ff.; Goez, Anima regis, S. 521f.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,3 n. 2489, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0962-01-00_4_0_1_3_3_1060_2489
(Abgerufen am 17.01.2017).