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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,3

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Adalbert bestätigt dem Kloster Casauria (monasterium constructum in honore s. et individue Trinitatis) auf Grund der Klage des dortigen Abtes Helderich, der ein Präzept Kaiser Ludwig (II.) vorgelegt hat (vielleicht D Lu.II.58 = Reg. 365), in dem dieser dem Kloster die Unabhängigkeit von bischöflicher Gewalt zugesichert hatte (quatenus nullus pontifex aliquam consuetudinem in eo mittere temptet), seinerseits diesen Status (hunc bundburdum scribere iubentes precipimus, ut nullus pontifex aliquam consuetudinem vel functionem de ipsa abbatia exigat, et ipsam in statu suo liberam permanere iubemus), nachdem Bischof Johannes von Penne ein seiner Kirche angeblich von Kaiser Ludwig (II.) verliehenes Präzept (scriptum e prefato imperatore suam ecclesiam recepisse dixit [Dep.?]), das seine zuvor geltend gemachten Rechte auf Weihe des Klosterklerus und Kontrolle der Besitzgeschäfte belegen sollte (quereret ei [scil. dem Abt] consuetudinem quandam, videlicet ut clerus ipsius monasterii ab ipso consecrari deberetur et scriptionem aliquam de rebus predicti monasterii sine suo consultu facere non posset), trotz Aufforderung auch nach zwei Tagen (duobus igitur diebus illum expectantes) noch nicht vorgelegt hat. – Unde nobis visum est illum mentiri. – Pön 100 Pfund Gold. – Amicus diac. iussu regio. – a. r. Be. et Ad. 10. – "Omnium fidelium".

Überlieferung/Literatur

Kopie: Paris, Bibl. Nationale, Ms. lat. 5411: Liber instrumentorum mon. Casaur. ("Chronicon Casauriense"), Ende 12. Jh., fol. 131r, mit einer Miniatur der Hauptprotagonisten (C); vgl. Pratesi, Faksimiledruck. – Drucke: D'Achery, Veterum scriptorum spicilegium V1, S. 403-404a = II2, S. 941; Muratori, Rerum Ital. SS II/2, Sp. 826; Schiaparelli, I Diplomi di Adalberto, Nr. 1 S. 341-342. – Reg.: B 1439.

Kommentar

Adalbert, der sich schon in der Vergangenheit nicht immer am Hofe seines Vaters aufgehalten hatte (vgl. Regg. 2242, 2260 u. 2368, dazu Schiaparelli, Trascrizioni, S. 151), hat schon 959/960 auf päpstliches Gebiet übergegriffen (Reg. 2406), nachdem sein Bruder Wido zusammen mit seinem Vater etwa Mitte 959 einen Feldzug in die Markgrafschaft Spoleto und Camerino unternommen hatte (Reg. 2396). Mit Senigallia (Prov. Ancona) an der Adria im südlichen Exarchat gut 30 km nördlich von Ancona war päpstliches Interessengebiet direkt betroffen; vgl. Heidrich, Ravenna, S. 33; s. auch Reg. 2415. Zum historischen Hintergrund vgl. bes. Köpke/Dümmler, Otto d. Gr., S. 315-317; Hartmann, Geschichte III/2, S. 256f.; Hofmeister, Markgrafen, S. 210; Gay, L'Italie méridionale, S. 297. – Als alleiniger Aussteller ist Adalbert dreimal bezeugt, darunter einmal im Original (Reg. 2459; vgl. Reg. 2441); vgl. Schiaparelli, Trascrizioni, S. 151-154. – Das Formular der hier vorliegenden Mundurkunde ist durchaus ungewöhnlich. Der Diakon Amicus, möglicherweise ein vom Empfänger gestellter Gelegenheitsschreiber, ist nur hier bezeugt; daß er mit dem Kanzlisten Lothars d. Jüngeren, Petrus-Amizo (s. Reg. 2129), identisch ist (vgl. Bresslau, Urkundenlehre I2, S. 398 Anm. 1), scheint mir eher unwahrscheinlich. Bei dem hier in Senigallia von Abt Helderich vorgelegten Diplom Ludwigs II. könnte es sich um dessen D 58 (Reg. 365) handeln, das aber nicht ausgeschrieben wurde. Die von Schiaparelli im Zusammenhang mit dem Rechtsinhalt erwähnten Judikate der Jahre 967 und 983 (Manaresi, Placiti II, Nr. 154 u. 205) nennen weder Urkunden Ludwigs II. noch unser D 1. Die Überlieferung im sogen. Chronicon Casauriense ist zwar generell fälschungsverdächtig (vgl. Zielinski, Gründungsurkunden, passim; Wanner, Einleitung, bes. S. 49ff., 53ff.), doch wird man in Casauria ein Diplom Adalberts, das mit seiner Datierung genau in die historische Situation des Jahres 960 paßt, kaum frei erfunden haben.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,3 n. 2418, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0960-05-27_1_0_1_3_3_989_2418
(Abgerufen am 26.03.2017).