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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,3

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Liutprand (von Cremona) hält sich auf Paxos auf, wo er an seinem in Frankfurt begonnenen Werk (Antapodosis) arbeitet (libellulus ... coeptus quippe in Frankenenvurd ... in Paxu insula ... usque hodie exaratur).

Überlieferung/Literatur

Liutprand, Antapodosis III, 1, ed. Becker, S. 74 (ed. Chiesa, S. 68). – Vgl. Soustal, Nikopolis, S. 227f.

Kommentar

Daß es sich bei der sonst nirgendwo erwähnten Reise Liutprands, der seit etwa 956 in Diensten Ottos d. Gr. stand (Reg. 2327, Kommentar), um eine Gesandtschaftsreise im Auftrag Ottos d. Gr. als Antwort auf eine Thronantrittsgesandtschaft (von der wir sonst nirgenwo erfahren) des neuen (seit dem 10. November 959) byzantinischen Kaisers Romanos II. oder um eine solche Reise im Vorfeld der von Otto angestrebten Kaiserkrönung gehandelt haben könnte (wobei sich in beiden Fällen allerdings chronologische Schwierigkeiten mit der vorgeschlagenen Datierung zu 959 ergeben, s. unten), ist mehrfach vermutet worden (zuletzt Huschner, Kommunikation, S. 552; vgl. die ältere Lit. bei Karpf, a.a.O., S. 6 Anm. 9). Die Datierung des rätselhaften Aufenthalts Liutprands auf dem kleinen, wenige Kilometer südlich von Korfu gelegenen unbedeutenden Eiland Paxos (vgl. Soustal, a.a.O.; s. aber Hiestand, Byzanz, S. 212, der Paxos für eine "der bekannten Zollstätten an der epirotischen Küste" hält und vermutet, daß Liutprand damals von den byzantinischen Beamten an der Weiterreise nach Konstantinopel gehindert wurde), bei dem es sich vielleicht um einen durch die Wetterverhältnisse veranlaßten unfreiwilligen Zwischenstop auf dem Weg nach Konstantinopel (oder auf dem Rückweg von dort) gehandelt hat (viel naheliegender wäre ein Zwischenstop in Korfu selbst gewesen, das auch Station Liutprands bei seiner Gesandtschaftsreise 968 war: Kislinger, Reisen, S. 232f.), auf etwa 959 berücksichtigt die Tatsache, daß der Chronist im 3. Buch seiner "Antapodosis", zu dessen Beginn er Paxos nennt (s. oben), Kaiser Konstantinos VII. Porphyrogennetos, der am 9. November 959 starb, noch als lebend erwähnt (Liutprand, Antapodosis III, 26, ed. Becker, S. 85; ed. Chiesa, S. 79: qui nunc superest et feliciter regnat); vgl. Karpf, Herrscherlegitimation, S. 8. Von einem privaten Reiseanlaß muß Karpf, a.a.O., S. 10 Anm. 41, ausgehen, da er Liutprand erst im Zusammenhang mit der Kaiserkrönung in den Dienst Ottos d. Gr. treten sieht (ebd., bes. S. 11). – Allgemein über den Reiseverkehr zwischen Byzanz und dem Abendland s. Kislinger, Reisen (der den Aufenthalt Liutprands auf Paxos allerdings nicht berücksichtigt). – Daß Liutprand Paxos, ohne auf das nahegelegene Korfu zu verweisen, an prononcierter Stelle seiner Antapodosis erwähnt, hat möglicherweise rein literarische Gründe; vgl. Staubach, Historia, S. 474. – Vgl. auch Reg. 2128.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,3 n. 2408, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0959-00-00_5_0_1_3_3_979_2408
(Abgerufen am 27.03.2017).