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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,3

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Liudolf (von Schwaben) stirbt an einer fiebrigen Erkrankung (in Italia febre correptus ... vitam praesentem finivit: Ann. Sangall.) in Plumbia (Pombia, Prov. Novara [Ann. Einsidl.]), nachdem er bereits seine Heimreise (?) angetreten hatte (Hrotsvit).

Überlieferung/Literatur

Ann. Sangall. mai. a. 957, ed. v. Arx, MGH SS I, S. 79; Ann. Einsidl. a. 957, ed. Pertz, MGH SS III, S. 142 (danach Herim. Aug. Chron. a. 952, ed. Pertz, MGH SS V, S. 114); Hrotsvit v. Gandersheim, Gesta Ottonis, vv. 1164-1188, ed. v. Winterfeld, S. 226f. (ed. Berschin, S. 303). Zahlreiche jüngere Quellen verzeichnen Köpke/Dümmler, Otto d. Gr., S. 289 Anm. 3. – Reg.: B-O 254c.

Kommentar

Von den jüngeren Annalen, Chroniken und zahlreichen Nekrologen, die den Tod Liudolfs melden (u.a. Flodoard; Widukind; Contin. Reginonis), ist vor allem Arnulf, Gesta arch. Mediol. I, 6, edd. Bethmann/Wattenbach, S. 8 (ed. Zey, S. 125f.), von Interesse. Danach hätte sich Berengar II. in Isola S. Giulio d'Orta im Ortasee (Lago d'Orta, Prov. Novara) verschanzt, dessen Kastell uneinnehmbar war. Ganz unwahrscheinlich ist der Bericht Hrotsvits, die Liudolf damals bereits nach Ostfranken aufbrechen läßt. Da Berengar noch nicht bezwungen war, hätte sein Abzug sofort destabilisierend gewirkt. Zudem liegt Pombia (Prov. Novara) an keiner Straße, die über einen der damals begangenen Alpenpässe führte; der Ort ist aber nur wenige Kilometer von Isola S. Giulio d'Orta entfernt, wo Berengar im übrigen tatsächlich ein durch die Insellage geschütztes starkes Kastell besaß, das er vom Bistum Novara usurpiert hatte (Reg. 2474) und das noch 962 seiner Gemahlin Willa Zuflucht bot (B-O 321a). Es liegt daher nahe zu vermuten, daß Liudolf tatsächlich den Versuch unternommen hat, seinen Rivalen in Isola S. Giulio d'Orta zu stellen (vgl. schon Mor, L'età feudale I, S. 209f. Anm. 85), dabei aber einem Malariaanfall erlag. Die singuläre Nachricht Arnulfs von Mailand, Liudolf sei vergiftet worden, ist wenig vertrauenerweckend, erklärt sich aber wie in vergleichbaren Fällen durch den unerwarteten plötzlichen Tod des Königssohns; vgl. Reg. 2159 (Kommentar). Ins Reich der Fabel gehört auch der Bericht Donizos, Vita Mathildis lib. I, vv. 319ff., wonach Liudolf im Kampf mit Adalbert durch dessen Hand gefallen sei; vgl. Reg. 2358. – Völlig unglaubwürdig ist schließlich die Nachricht der im Umkreis der Vita Mathildis entstandenen sogen. Epitome Polironese c. 3, ed. Simeoni, Vita Mathildis, S. 116, wonach Liudolf sein Grab in der Kirche S. Prospero (in Bondeno, Com. Gonzaga, Prov. Modena) gefunden habe (in Bondeno starb später auch die Markgräfin Mathilde!). Sein Grab fand Liudolf vielmehr in St. Alban zu Mainz, wo schon seine Schwester Liutgard ihre letzte Ruhestätte gefunden hatte. – Vgl. Köpke/Dümmler, Otto d. Gr., S. 289f.;  Fasoli, I re d'Italia, S. 190 (die dem Bericht Hrotsvits folgt); Mor, L'età feudale I, S. 182; Delogu, Berengario II, S. 33; Wolf, Frage, S. 233 ("starb in Pontia" [!]); Zotz, Schwabenherzöge, S. 102f.; Huschner, Kommunikation, S. 432.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,3 n. 2361, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0957-09-06_1_0_1_3_3_932_2361
(Abgerufen am 29.03.2017).