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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,3

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Berengar und Adalbert bestätigen dem Kloster S. Michele Arcangelo in Barrea (Villetta Barrea, Prov. L'Aquila) am Fluß Sangro (monasterium B. Archangeli Michahelis, qui vocatur Barregium, situm supra fluvium Sangrum), dessen Mönch Burgus zusammen mit der Kongregation (cum suam congregacione monachorum) die Kaiserurkunden des Klosters, nämlich solche Karls (d. Gr.) (Dep. Lechner, Nr. 325) und Lothars (I.) (Dep. Lo.I.170) vorgelegt hat, den gesamten, namentlich aufgeführten Besitz in den Dukaten Spoleto und Fermo (infra ambobus ducatibus nostris, Spoletino videlicet atque Firmano) sowie überall sonst in ihrem Reich (infra omnes fines regni nostri), verleihen dem Kloster die Immunität (sub nostre inmunitatis defensione) und das Inquisitionsrecht (inquisicio fiat) sowie das Recht, Besitzstreitigkeiten vor dem Königsgericht (in nostram presenciam) auszutragen, und verfügen schließlich die Ungültigkeit aller dem Klosterbesitz abträglichen Schriftstücke und Tauschgeschäfte (conscripciones vel commutaciones evacuentur). – Gebetswunsch pro nostra anima. – Pön emunitas noster 1000 Pfund auri obtimi. – Iohannes canc. ad vicem Vuidonis episcopi et archicanc. – MF (Be.). M (Ad.). SR. SI (Fragm.). – a. inc. 953, a. r. Be. et Ad. 3, Ind. 12. – "Quicquid pro".

Überlieferung/Literatur

Or. Montecassino, Arch. Abbaziale, Aula III, caps. X, n. 46 (A). – Kopien: Ebd., "Regestum Bernardi I abbatis", 15. Jh., fol. 105v (D). Zu mehreren jüngeren Kopien vgl. Schiaparelli, I Diplomi di Berengario II e Adalberto, S. 312; Leccisotti, Regesti II, S. 53 Nr. 46. – Faksimile: Arch. paleogr. ital. IX, Taf. 12 (mit Regest); nur das Siegel auch ebd., Taf. 90, Nr. 21. – Drucke: Gattola, Accessiones I, S. 74-75, aus A (mit einem Stich des Siegels auf Tav. III); Caplet, Regesti Bernardi I abbatis, S. 98-100, aus D; Schiaparelli, Trascrizioni, Taf. 12 S. 51-56; Ders., I Diplomi di Berengario II e Adalberto, Nr. 8 S. 312-316. – Regg.: B 1435; Inguanez, Barrea, Nr. 2 S. 9; Leccisotti, Regesti II, S. 53 Nr. 46 (mit Größenangabe und emendiertem Actum "[Roma]"). – Vgl. schon Pertz, Ital. Reise, S. 325.

Kommentar

In dem mit Reagenzien behandelten Actum ist der Ortsname unlesbar. Schiaparelli entziffert ville B.... (vielleicht ist valle B.... zu lesen), D liest uil'lebey, was von Caplet, a.a.O., zu "Vilule Veii" emendiert wird. Auf Gattola, a.a.O., geht die Lesung "in Urbe" zurück, was von Leccisotti, a.a.O., als "Roma" verstanden worden ist. Pertz, a.a.O., schließlich liest "in civitate ...". – Die Datierungsangaben ergeben einheitlich Oktober 953; wo sich Berengar und Adalbert damals aufgehalten haben, ist nicht bekannt. – Das ohne Eingangschrismon mundierte, in seinen äußeren Merkmalen unschöne Original, das von Schiaparelli, Trascrizioni, a.a.O., ausführlich beschrieben worden ist, zeigt bereits jene Merkmale des Verfalls der fränkischen Herrscherurkunde (unregelmäßiger Zuschnitt und generell nachlässige Zubereitung des Pergaments, Mißverhältnis zwischen relativ kleinem Textkörper und dem dafür zu großen Pergament, keine regelmäßigen Zeilenabstände etc.), wie sie damals auch in den übrigen Originalen Berengars II. vorkommen (Pertz, a.a.O., hat die Echtheit wegen der nichtkanzleimäßigen Schrift sogar bezweifelt). Das Stück wurde von zwei verschiedenen Händen mundiert. Der zuletzt in D 7 (Reg. 2256) begegnende Schreiber, wahrscheinlich der Rekognoszent, hat die Elongata der ersten Zeile sowie die Rekognitions- und Datierungszeile eingetragen, während eine ihm nahestehende Hand, die schon nicht mehr die diplomatische Minuskel beherrscht und die vielleicht auch in D 5 für S. Antimo (Reg. 2225) begegnet, den Kontext mit der Signumzeile, in der nur das Monogramm Berengars firmiert wurde (anscheinend mit rötlicher Tinte), geschrieben hat (daß Adalbert damals wieder nicht am Hofe war, vermutet Schiaparelli, Trascrizioni, S. 151; vgl. Reg. 2242). Vom Siegel ist etwas mehr als die rechte Hälfte erhalten; vgl. Schiaparelli, Trascrizioni, S. 53. – D 8 wiederholt wahrscheinlich eine nicht erhaltene, aber in der Chronik des Leo Marsicanus ausführlich referierte Immunitätsurkunde Kaiser Ludwigs II. (Reg. 428), wie das für diesen typische Formular insbesondere in der Immunitätsformel nahelegt (vgl. in den Kontextschlußformeln auch die Wendungen hanc nostram imperialem institucionem bzw. hec nostra imperialis precepcio). Ludwig II. seinerseits hat sich bereits auf nicht erhaltene Urkunden Karls d. Gr. und Lothars I. berufen; vgl. Reg. 428. Die Abhängigkeit von der Urkunde Ludwigs II. erklärt auch, warum dieser selbst eingangs des Kontexts unter den Urkundenausstellern nicht genannt wird. Auch die gleichfalls nicht erhaltene Bestätigungsurkunde Hugo und Lothars (Reg. 1946) scheint der Kanzlei Berengars II. damals vorgelegen zu haben, wie Schiaparelli vermutet. NU ist D O.I.261 (vgl. dort den Petitsatz), das unser D 8 fast wörtlich wiederholt; vgl. Sickel, Exkurse, S. 129ff. (der auch die übrigen ottonischen Diplome für Barrea behandelt). – Allgemein zum Kloster S. Michele Arcangelo (S. Angelo) in Barrea vgl. Bloch, Monte Cassino I, S. 369-375, bes. S. 370 (mit Nennung unseres Stückes); s. schon Reg. 1946.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,3 n. 2260, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0953-10-19_1_0_1_3_3_829_2260
(Abgerufen am 27.05.2017).