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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,3

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Liudolf, (der designierte Thronfolger und) Herzog von Schwaben, kehrt zusammen mit Erzbischof Friedrich von Mainz ohne Absprache mit seinem Vater verärgert in die Heimat zurück (haec, quae prescripsimus aegre ferens ... inconsultu patre ... in patriam revertitur).

Überlieferung/Literatur

Cont. Regin. a. 951, ed. Kurze, S. 165. Vgl. Widukind III, 9, edd. Hirsch/Lohmann, S. 109; Hrotsvit v. Gandersheim, Gesta Ottonis, vv. 664-674, ed. v. Winterfeld, S. 223 (ed. Berschin, S. 298f.). – Vgl. B-O 201a.

Kommentar

Liudolf feiert schon das Weihnachtsfest 951 mit königlichen Ehren (regio ambitu) zusammen mit Friedrich im thüringischen Saalfeld, wie es beim Continuator Reginonis weiter heißt (a. 952, ed. Kurze, S. 165). Daß der Ort nichts Gutes verhieß, betont neben diesem auch Widukind: loco consiliis funesto; vgl. Althoff, Organisation, S. 136. Hrotsvit nimmt dem Fortgang Liudolfs beschönigend jegliche Schärfe, wenn sie erläutert, daß Otto selbst seinen Sohn als Statthalter vorausgeschickt habe: Tunc rex ... Liudulfum placuit carum praemittere natum, ut ... regnum sub patrono staret bene tanto. – Die Motive Liudolfs stehen im einzelnen nicht fest, da die zitierte Passage des Continuator Reginonis (haec, quae prescripsimus aegre ferens) sich sowohl auf die Besitznahme Italiens durch Otto und dessen Heirat mit Adelheid beziehen kann oder aber, wenn auch sprachlich weniger eindeutig, auf die zuvor vom Chronisten erwähnten Streitigkeiten mit Heinrich von Bayern (so Althoff, Organisation, S. 137). Sicherlich war Liudolf verärgert über die Minderung seines Ranges am Hofe durch die Machenschaften seines Oheims Heinrich, der nicht nur seinen (Liudolfs) Italienzug hintertrieben hatte (Reg. 2183), sondern auch als Brautführer Adelheid an den Hof Ottos in Pavia führen durfte (Reg. 2202). Hinzu kam sicherlich seine grundsätzliche Distanz zur Wiederheirat seines Vaters mit ihren für ihn noch gar nicht abzusehenden Folgen (daß bereits anläßlich der Heirat Ottos der Ausschluß Liudolfs von der Thronfolge in einem "Pactum matrimoniale" rechtlich verbindlich beschlossen worden sei, versucht Wolf, De pactis, nachzuweisen). Möglicherweise spielte für die Opposition Liudolfs auch eine Rolle, daß ihm nach dem Scheitern der geplanten Kaiserkrönung Ottos ein italisches Königtum, das ursprünglich für ihn vielleicht in Aussicht genommen worden war, verwehrt war; vgl. Fasoli, I re d'Italia, S. 181f. – Vgl. Köpke/Dümmler, Otto d. Gr., S. 200; Glocker, Verwandte , S. 86, 104; Fößel, Königin, S. 262f.; Maleczek, Überlegungen, S. 191f.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,3 n. 2205, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0951-11-00_2_0_1_3_3_773_2205
(Abgerufen am 22.01.2017).