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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,3

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Otto nimmt die Kongregation der Veroneser Kirche mit ihrer Kanonie (Venorensem [!] congregationem cum canonica ipsius ecclesiae) auf Intervention seines Bruders Brun mit all ihren Besitzungen, darunter den beiden ihr von Bischof Notker von Verona bzw. dem Diakon Sigibert (lies Dagibert, vgl. unten) übertragenen Xenodochien State und S. Sebastiano, letzteres innerhalb der Stadt gelegen (illa duo scenedochia ... unum quod nominatur State, aliud quod est infra ipsam urbem cum ecclesia s. Sebastiani), in seinen Schutz (sub nostri munburdii tutelam) und verleiht ihr die Immunität (sub nostrę permaneat aula [sic statt ala] defensionis nostręque providentię inmunitate perpetua). – Pön 100 Pfund Gold (auri pondera quoactus). – Brunus canc. ad vicem Frithurici archicap. – MF. SR. SI 1. – a. inc. 951, a. r. in Fr. 16, in It. 1, Ind. 10. – "Notum sit".

Überlieferung/Literatur

Or. Verona, Arch. Capitolare, perg. †C. 27, n. 3 (A). – Drucke: De Dionysiis, De Aldone et Notingo, S. 120-121, zu 952 Okt. 8 = Böhmer, Acta imp. selecta, Nr. 4 S. 3; D O.I.137 = Fainelli, CD Veronese II, Nr. 250 S. 381-383. Schon erwähnt von Ughelli, Italia sacra V1, Sp. 535 = V2, Sp. 662, zu 950. – Regg.: Stumpf 198; Cipolla, Verzeichniss, Nr. 49; Ders., Fonti edite, Nr. 213 S. 65; B-O 199.

Kommentar

Die Etschüberschwemmung des Jahres 1882 hat das Original unlesbar gemacht (Fainelli, a.a.O., S. 382), so daß wir heute weitgehend auf den Druck durch Sickel angewiesen sind. – D 137 wurde von einem Notar geschrieben, der in fast allen während des 1. Italienzugs Ottos d. Gr. ausgestellten Urkunden nachweisbar ist und den Sickel, Beiträge VII, S. 525-527 (vgl. Ders., Einleitung, S. 83; Ders., Urkundenlehre I2, S. 440; Weisert, Rex Langobardorum, S. 23), für identisch mit dem erstmals in D 139 (Reg. 2200) namentlich genannten Rekognoszenten, den Kanzler Wigfrid hält. Neuerdings hat Huschner, Kommunikation, S. 94-100, bes. S. 96f., unter Hinweis auf die in Italien häufig vorkommenden "nominellen" Rekognitionen diese Identität in Frage gestellt und die Vermutung geäußert, daß Wigfrid ein Schüler Bruns war, der nur nominell in bestimmten Urkunden als Rekognoszent genannt wurde; vgl. Reg. 2200. Der folglich nicht mit Wigfrid gleichzusetzende Notar südalpiner Herkunft, der unser Stück geschrieben hat und wie Wigfrid zuletzt 952 März 12 in Erstein (D 148) nachzuweisen ist, den König also auch noch auf seinem Heimweg über die Alpen begleitet hat, hat die fränkischen Königsjahre getrennt neben den italischen berechnet, was die Regel werden sollte; vgl. Sickel, Einleitung, S. 80; Huschner, Kommunikation, S. 298-300. Der Erzbischof Friedrich von Mainz, der als Erzkapellan aufgeführt wird, war damals vielleicht schon auf seiner Gesandtschaftsreise zu Papst Agapit unterwegs (Reg. 2203); er ist bald darauf in Ungnade gefallen; vgl. Köpke/Dümmler, Otto d. Gr., S. 199f. m. Anm. 2. Brun wird auch noch in den beiden nachfolgenden Urkunden als Kanzler angeführt, ehe er in D 139 (Reg. 2200) erstmals Erzkanzler genannt wird; zu seiner wechselnden Titulatur s. Huschner, Kommunikation, S. 154f., 939f. Vgl. noch Ders., ebd., S. 54, 296, 434. – Bemerkenswert ist die ungewöhnliche Stellung der Pönformel erst nach der Corroboratio. – Ältere Königsurkunden für das "Domkapitel" von Verona, die der Notar herangezogen haben könnte, sind nicht überliefert (vgl. zuletzt Reg. 1397). Bei dem erwähnten, von Bischof Notker von Verona (906-928) der Veroneser Kirche übertragenen Xenodochium State wird es es sich um das von ihm selbst gegründete, gleichfalls innerhalb der Stadtmauern gelegene Xenodochium handeln, über das wir in Notkers Testament von 927 Nov. 15 (vgl. Reg. 1532) ausführlich (allerdings ohne Nennung eines Namens oder eines Patrons) unterrichtet werden. De Dionysiis, a.a.O., liest Dagibert anstelle von Sigibert; da das Testament des Diakons Dagibert von 931 Sept. 20 (Fainelli, CD Veronese II, Nr. 214 S. 303-312 [Reg. 1639], bes. S. 305) diesen tatsächlich als Gründer des Xenodochium S. Sebastiano ausweist, liegt entweder ein Lesefehler durch Sickel vor oder das Original, das ohnehin nicht fehlerfrei mundiert wurde, las bereits fälschlich Sigibert. – Zur Sache vgl. auch Castagnetti, Veneto, S. 234; Cervato, Raterio di Verona e di Liegi, S. 131f.; Zielinski, Kloster und ‚Stift‘, S. 108 Anm. 85. 

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,3 n. 2197, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0951-10-09_1_0_1_3_3_765_2197
(Abgerufen am 23.05.2017).