Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,3

Sie sehen den Datensatz 688 von insgesamt 1062.

Ein Gesandter (nuntius ) des byzantinischen Kaisers Konstantinos (VII. Porphyrogennetos), der comis curtis Andreas, überbringt (dem Markgrafen) Berengar (II.), von dem der Kaiser erfahren hat, daß er der eigentliche Machthaber am italischen Königshof ist (audito Berengarium potentia praestare Lothario ), zwei kaiserliche Schreiben, in denen er zum einen dringend um eine Gesandtschaft Berengars ersucht (vehementer se Berengarii nuntium velle videre ), zum andern Berengar eindringlich bittet, Lothar (scripsit etiam et commendaticias eidem pro Lothario litteras ), dem (Halb-)Bruder seiner Schwiegertochter (Berta-Eudokia), ein treuer Sachwalter zu sein (ut fidelis ei esset administrator, cui Deo largiente extiterat gubernator ).

Überlieferung/Literatur

(Liutprand, Antapodosis VI, 2, ed. Becker , S. 152f. (ed. Chiesa , S. 146). -- Reg.: Dölger/Müller , Regesten, Nr. 657a u. 657b (vormals Dölger , Regesten, Nr. 654 u. 655).)

Kommentar

Die Einordnung zu 949 beruht auf dem wahrscheinlichen Zusammenhang mit der Nachricht über eine byzantinische Gesandtschaft, die sich, wie gleich mehrere ostfränkisch-sächsische Quellen melden, zu Ostern 949 am ottonischen Hof in Aachen aufhielt (Reg. 2122) und die Liutprand auf der Rückreise von Aachen Anfang August in Venedig getroffen hat, als er selbst im Auftrag Berengars, der damit auf die Gesandtschaft des Andreas reagierte, nach Byzanz aufbrach (Reg. 2128). Wollte man mit Kresten , Staatsempfänge, S. 33-38 Anm. 101, die Gesandtschaft des Andreas ins Jahr 948 datieren (ebd., bes. S. 34, 37), so müßte man annehmen, daß sich entweder nicht nur 949, sondern schon im Vorjahr eine byzantinische Gesandtschaft am ottonischen Hof aufgehalten hätte, von der wir in keiner sächsischen Quelle hören (vgl. Dölger/Müller , Regesten, Nr. 657, Kommentar), oder daß Berengar auf die Gesandtschaft des Andreas (Anfang 948) erst nach über einem Jahr (August 949) reagiert hätte; beides ist aber wenig wahrscheinlich. Der byzantinische Kaiserhof hat nach dem Tod Hugos (947 April 10, s. Reg. 2068) anscheinend die weitere Entwicklung in Italien auffallend lange, nämlich über ein Jahr, abgewartet, ehe er sich an den mittlerweile als eigentlichen Machthaber fest etablierten Markgrafen Berengar gewandt hat. (Nicht geklärt ist allerdings bei dieser Datierung, warum Liutprand, als er Ende 949/Anfang 950 in Konstantinopel weilte, das Ableben der kleinen Berta/Eudokia, der Schwiegertochter des Konstantinos VII. [Regg. 1976, 1981], die das Jahr 949 kaum überlebt hat, mit keinem Wort erwähnt: Kresten , Staatsempfänge, S. 36f. in Anm. 101). Auch Zuckerman , Voyage, S. 654f., datiert die Gesandtschaft des Andreas ins Jahr 949; unentschieden Dölger/Müller , a.a.O., Kommentar; vgl. auch ebd., Nr. 657 (Kommentar), sowie Kresten , Staatsempfänge, bes. S. 36 in Anm. (Lit.). -- Der nuntius Andreas, von Liutprand mit dem kaum zutreffenden lateinischen Titel eines comes curtis bezeichnet (Lounghis, Ambassades, S. 202, 311f.: comes tentis ; Bauer/Rau , in der zweisprachigen Ausgabe der Chronik Liutprands S. 486 Anm. 3: comes cohortis oder praetoriae ), war vielleicht comes stabuli : so Kresten , a.a.O., S. 34 in Anm. (der im übrigen darauf hinweist, daß der bei Liutprand überlieferte Wortlaut des zweiten kaiserlichen Schreibens "Anspielungen auf den Wortlaut des originalen lateinischen Authenticum des Auslandsschreibens" des Konstantinos enthalten könnte). -- Vgl. noch Köpke/Dümmler , Otto d. Gr., S. 172f.; Schiaparelli , Ricerche V, S. 56; Mor , L'età feudale I, S. 168; Hiestand , Byzanz, S. 198f.; Delogu , Berengario II, S. 30; Sutherland , Liutprand, S. 5f.; Wolf , Verlobungspläne, S. 20f.; Tinnefeld , Ceremonies, S. 197 u.ö.; Nerlich , Gesandtschaften, S. 54.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI I,3,3 n. 2120, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0949-03-00_1_0_1_3_3_688_2120
(Abgerufen am 23.03.2017).