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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,3

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Hugo und Lothar bestätigen (concedimus et confirmamus et sub omni integritate corroboramus ) der von der Königin Gondiperga (um 650) in Pavia erbauten (Kollegiat-) Kirche S. Giovanni Domnarum (ecclesia s. Iohannis intra hanc Ticinensem civitatem fundata ... que nuncupatur Domnarum ), der ihr Kapellan (noster cappellanus ) Alpert, presbiter Ticinensis (Pavia), als Abt vorsteht (nostro cappellano Alperto et abbati ), auf Bitten des Erzbischofs Arderich von Mailand und des Markgrafen Berengar (II.), summus regni nostri consiliarius , den gesamten namentlich aufgeführten, über zahlreiche Orte verstreuten Besitz, wie er der Kirche durch die Königin Gondiperga, durch Verleihung von Kaisern und Königen oder sonstwie zugeflossen ist (tam per donum sancte memorie Gondiperge regine ... quam per precepta regum et imperatorum seu et firmitates aliorum religiosorum hominum ), darunter die Kapelle S. Vittore in Pavia, und gewähren dem genannten Alpert sowie den an der Kirche tätigen Kanonikern das Inquisitionsrecht, die Immunität und das Recht, einen Leiter aus den eigenen Reihen zu wählen (ex sinu ipsius ecclesie sibi archipresbiterum et prepositum eligant ). -- Pön 200 Pfund Gold. -- Petrus episcopus s. Mantuane eccl. regio iussu. -- [M. M.] -- a. inc. 947, a. r. Hu. 21, Lo. 16, Ind. 5. -- "Si sacris".

Überlieferung/Literatur

(Kopie: Pavia, Bibl. del Seminario vesc., Ottavio Ballada , Le glorie della pietà di Gondiberga regina dei Longobardi ..., Ms. a. 1648, fol. 97v (B). -- Drucke: CD Langob., Nr. 576 Sp. 983-985 (zu 946); Schiaparelli , I Diplomi di Ugo e di Lotario, Nr. 83 S. 242-247 (zu 947). Schon erwähnt von Robolini , Notizie II, S. 66f. Anm. 3, 217f. -- Vgl. Kehr, Italia pontificia VI/1, S. 188; Santoro , Rettifiche, S. 243.)

Kommentar

Die unweit von Voghera gelegene Curtis Coriano (Corana, Prov. Pavia) hatte Lothar 937 seiner Braut Adelheid geschenkt (D 47 = Reg. 1783). Erwähnt wird die dortige Villa auch in D Lothar d. Jüngere 3 (Reg. 2073). -- Indiktion und Königsjahr Hugos stimmen mit dem Inkarnationsjahr zu 947 überein. Nur das Königsjahr Lothars, dessen Regierungsantritt zwischen dem 13. und 18. April 931 anzusetzen ist (Reg. 1628), weist auf 946. Entscheidend für die von mir vorgezogene Einordnung zu 946 (gegen Schiaparelli , Ricerche V, S. 140f., danach Santoro , a.a.O.) ist die Tatsache, daß Hugo bereits am 10. April 947 in seiner burgundischen Heimat gestorben ist (Reg. 2068) und folglich Italien noch im Jahr 946 verlassen haben wird (Reg. 2060). Zudem sind Unstimmigkeiten in den Datierungsangaben der insgesamt 83 Urkunden Hugos und Lothars so häufig (sie finden sich fast in jeder zweiten Urkunde sowohl in Originalen als auch in Kopien), daß man generell nach der historischen Plausibilität der mit Hilfe der Datierungsangaben errechneten Datierung fragen muß -- zumal wenn eine Urkunde nur sehr schlecht überliefert ist, wie dies bei D 83 der Fall ist (s. unten). -- Bischof Petrus von Mantua, wahrscheinlich der ehemalige Kanzler, hatte schon D 82 (Reg. 2020) rekognosziert; vgl. Schiaparelli , Ricerche V, S. 60; Bresslau , Urkundenlehre I2 , S. 396. -- Das letzte gemeinsam von Hugo und Lothar ausgestellte Diplom folgt nahezu wörtlich der VU Berengars I. von 909 (Reg. 1228), erweitert sie aber um das Inquisitionsrecht und Immunitätsbestimmungen. Schon die Kanzlei Rudolfs II. hatte sich in ihrer Bestätigungsurkunde von 924 (Reg. 1420) eng an die VU Berengars angelehnt. Alle drei Urkunden sind im Manuskript des O. Ballada überliefert, was manche Korruptelen erklärt und Emendationen, zumal in den zahlreichen Toponymen, schwierig macht; vgl. den Apparat in der Ed. Schiaparelli . -- Zum Consiliarius-Titel Berengars II., der die tatsächlichen Machtverhältnisse am Hof widerspiegelt, s. schon Reg. 2006. -- Zur altehrwürdigen Kollegiatkirche S. Giovanni Domnarum, eine Gründung der langobardischen Königin Gondiperga (Gundeperga), der Gemahlin König Rotharis, einer Tochter König Agilulfs und der aus Bayern stammenden Königin Theudelinde (letztere † 627), s. Reg. 1228 (Lit.); Forzatti Golia , Strutture ecclesiastiche, S. 45, 58f.; Pohl , Werkstätte, S. 119-121. Allgemein zum Typus dieser auf langobardische Gründung zurückgehenden Hofkirchen, die wegen ihrer Funktion mit den deutschen "Pfalzstiften" vergleichbar sind, s. Zielinski , Kloster und ' Stift' , S. 114-116 (zu unserem Stück bes. S. 115 Anm. 131). Zum intervenierenden Bischof Arderich von Mailand vgl. zuletzt Reg. 1992. Zur Besitzliste, in der u.a. das nördlich von Asti gelegene Bergland des Monferrato (Montferrat) begegnet, nach dem sich später die gleichnamigen Markgrafen nannten (vgl. schon Reg. 1682), s. Settia , Monferrato, S. 64f.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,3 n. 2024, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0946-04-24_1_0_1_3_3_592_2024
(Abgerufen am 19.10.2017).