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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,3

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Hugo und Lothar schenken (donamus atque largimur ) der Gräfin Rotrude que [Roza vocatur] , dem Grafen Elisiard (Helisiard) sowie dessen Gemahlin Rotlinda, der Tochter Hugos (Rotlinde uxori sue et filie nostre ), auf Intervention und Bitten der Grafen Lanfranc und Aledram aus Königsgut (nicht näher bezeichnete) Besitzungen im Comitat von Tortona in den Orten (in locis et fundis ) Garbanigo (Garbagna, Prov. Alessandria), Petra Nigra (Pietranera, Com. Ottone, Prov. Piacenza?) und Besemuntio (Bismonte?) sowie drei Mühlen am Fluß Catarona (Fiume-Carona oder Cadrona) bei Pavia unweit des Klosters Deodote (S. Maria Theodote) mit allen Pertinentien zu freiem Eigen mit der Bestimmung, daß die drei Empfänger sich hinsichtlich der genannten Güter wechselweise beerben können (de supradictis rebus sibi invicem hereditario iure succedant ). -- Pön 100 Pfund Gold. -- Giseprandus episcopus et canc. ad vicem Bosonis episcopi et archicanc. -- MF. MF. SR. SI D. -- a. inc. 945, a. r. Hu. 19, Lo. 14, Ind. 3. -- "[Regum pri]ncipumque".

Überlieferung/Literatur

(Or. Mailand, Bibl. Ambrosiana, perg. 826 (vormals D.I.n.26) (A). -- Kopien: Ebd., Kopie 17./18. Jh.; ebd., Cod. D.S.IV/2, 18. Jh. (C. Della Croce , Cod. dipl. Mediolanensis, vol. I), fol. 68. -- Drucke: CD Langob., Nr. 575 Sp. 981-982; Gabotto/Legé , Le carte dello archivio capitolare di Tortona, Append., Nr. IIter S. 366-367; Schiaparelli , I Diplomi di Ugo e di Lotario, Nr. 79 S. 230-232.)

Kommentar

Die Datierungsangaben stimmen zu 945 März überein. -- D 79 wurde zur Gänze von jener Hand geschrieben, auf deren Konto zuletzt D 77 (Reg. 1994) ging und die Schiaparelli für die Hand des Kapellans Teodulf hält; vgl. Ders. , Ricerche V, S. 72. Zum Kanzler und Bischof von Tortona, Giseprand, der noch im selben Jahr aus dem Kanzleidienst ausscheiden sollte (letztmalig bezeugt in D 81 = Reg. 2013), vgl. zuvor D 78 (Reg. 1995). -- Rotruda alias Roza (zu dem von Schiaparelli ergänzten Beinamen der Gräfin Rotruda vgl. Ders ., Ricerche V, S. 22f.) war Liutprand zufolge zeitweilig die Geliebte Hugos (vgl. Reg. 1608) und sowohl die Mutter Lanfrancs (aus der Ehe mit Giselbert I. von Bergamo) als auch der hier genannten Rotlinda, der leiblichen Tochter Hugos; vgl. Poupardin , Le royaume de Bourgogne, S. 379 Anm. 3; Hlawitschka , Franken, S. 217 Anm. 4. Zum Grafen Helisiard (zuletzt in D 78 = Reg. 1995), dem Gemahl der Rotlinda, s. bes. D 69 (Reg. 1950). Zum Kloster S. Maria Theodote in Pavia vgl. zuletzt Reg. 1653. Gabotto , Tortona, S. 56f., identifiziert Petra Nigra mit Patrania, einem Toponym, dem auch die Abtei Patrania unweit von Torriglia (Prov. Genua, s. Reg. 2051) ihren Namen verdankt, doch ist wohl eher mit Darmstädter , Reichsgut, S. 237, an das genannte Pietranera im obersten Trebbiatal zu denken. Besemuntio (bei Gabotto , a.a.O.: Bismonte, ohne nähere Angaben) scheint nicht identifiziert; vgl. Darmstädter , a.a.O. -- Zu den Mühlen am Fiume-Cadrona (oder Carona, vgl. Hudson , Pavia, Taf. 1 S. 308), der in Pavia in den Ticino mündet, vgl. Chiappa Mauri , Mulini, S. 7. -- Zu den beiden Intervenienten s. schon DD 35 u. 37 (Regg. 1682 u. 1713); Graf Lanfranc (wohl von Bergamo), Sohn des Grafen Giselbert I. von Bergamo, ist wenige Tage später als Pfalzgraf Leiter eines Placitums, das bereits die unterdessen erfolgte politische Wende am Hof in Pavia zugunsten Berengars II. widerspiegelt; vgl. D 80 (Reg. 2002); s. auch noch Reg. 2129. Lanfranc und der mit ihm hier in D 79 intervenierende Aledram (zuletzt Empfänger von D 53 = Reg. 1842; vgl. dort die Lit.) haben sich damals möglicherweise als Vermittler im Konflikt zwischen dem unterdessen in Mailand residierenden Berengar (Regg. 1992 u. 1993) und Hugo am Hof in Pavia aufgehalten. Sie sind als Vertreter jener jüngeren Adelsgruppe anzusehen, die damals hinter den Kulissen den Kompromiß zwischen Hugo und Berengar, wie er sich in den folgenden Wochen abzeichnete, ausgehandelt haben könnte und infolge des politischen Umsturzes (Mor : "rivoluzione pacifica") eine führende Stellung am Hof in Pavia erlangt zu haben scheint; vgl. bes. Cristiani , Note, S. 98ff.; Bellani , Politiche familiari, S. 136ff. -- Vgl. noch Fasoli , I re d'Italia, S. 157f.; Mor , L'età feudale I, S. 157; Hlawitschka , Franken, S. 118, 217f.; Keller , Struktur, S. 181f.; Forzatti Golia , Strutture ecclesiastiche, S. 73f.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,3 n. 1997, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0945-03-29_1_0_1_3_3_564_1997
(Abgerufen am 24.07.2017).