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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,3

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Hugo und Lothar bestätigen der (bischöflichen) Kirche von Reggio nell'Emilia (s. Regensis aecclesia in honore Dei genitricis semperque virginis Mariae sanctique Prosperi Christi confessoris constructa ) unter Bischof Aribald auf Intervention und Bitten des Bischofs Ambrosius von Lodi sowie des Markgrafen und Pfalzgrafen Hubert, ihres (Hugos) Sohnes, den gesamten urkundlichen Besitzstand in den Gegenden (per confinia et terminos ) von Luni, Parma, Reggio, Modena, Cremona, Mantua und Ferrara, wie ihn in den genannten Grenzen schon Karl d. Gr. der Kirche übertragen hatte (DD Karol.I.†235), schenken ihr zu ihrem Seelenheil die gesamten königlichen Ländereien und Rechte im Umkreis von drei Meilen um die Stadt Reggio (terram iuris regni nostri ... in civitate Regia a tribus miliariis in circuitu una cum muris et fossatis ... omnemque publicam funccionem ), bestätigen ihr die Curtis Luciaria (Luzzara, Prov. Reggio nell'Emilia) mit den beiden Kapellen S. Giorgio und S. Sisto in Littore Paludano (Palidano, Com. Gonzaga, Prov. Mantua) und dem Forst zwischen Po und Bondeno -- Besitz, der ihr erst kürzlich durch richterliche Untersuchung (decreto iudicum ) gegen Ansprüche des Klosters S. Sisto in Piacenza unter der Äbtissin Berta zugesprochen worden war (Dep.) -- , gewähren ihr im Falle von Besitzstreitigkeiten den eigenen Gerichtsstand (contentio ... finiatur nisi in pontificium pretaxate sedis ), regeln die Befreiung der advocati und <notarii > von allen öffentlichen Aufgaben (ab omni rei publicae functionis sint absoluti ), gewähren ihr das Inquisitionsrecht und nehmen sie schließlich mit all ihren Besitzungen in ihren Schutz (sub tuicionis nostrae munimine ). -- Pön 100 Pfund Gold. -- Giseprandus canc. ad vicem Bosonis episcopi et archicanc. -- M. M. -- a. inc. 942, a. r. Hu. 16, Lo. 12, Ind. 15. -- "In statu".

Überlieferung/Literatur

(Kopie in Originalform: Reggio nell'Emilia, Arch. Capitolare, 11./12. Jh. (B). Zwei von B abhängige Kopien 15./16. Jh. verzeichnet Schiaparelli , I Diplomi di Ugo e di Lotario, S. 185. -- Drucke: Ughelli , Italia sacra II2 , Sp. 262-264; Muratori , Antiq. Ital. I, Sp. 661-664 = Tacoli , Memorie stor. di Reggio I, S. 407-408 = Affò , Storia di Guastalla I, Nr. 17 S. 320-321 (Auszüge) = CD Langob., Nr. 569 Sp. 971-972 (Auszüge); Muratori , Antiq. Ital. VI, Sp. 43-46 (aus von Schiaparelli angegebener Kopie 16. Jh.); Tiraboschi , Mem. stor. Modenesi I, Cod. diplom., Nr. 88 S. 107-109; I Canali di Secchia e d'Enza II/2, Privilegi, Nr. 7 S. 25-28 (ed. Malaguzzi ); Schiaparelli , I Diplomi di Ugo e di Lotario, Nr. 63 S. 184-189; Torelli , Le carte degli archivi reggiani, Nr. 50 S. 127-131. -- Reg.: B 1411.)

Kommentar

Das Königsjahr Hugos ist noch nicht umgesetzt. -- Wie auch sonst in der Überlieferung des Bistums Reggio nell'Emilia vorkommend, handelt es sich bei D 63 um eine jüngere imitierende, ursprünglich sogar besiegelte Kopie (zu diesem Überlieferungstypus allgemein Regg. 1500 u. 1653), die noch deutlich die Schrift des Kapellan Teodulf (vgl. zuletzt D 62 = Reg. 1919) zu erkennen gibt; vgl. Schiaparelli , Ricerche V, S. 72. Einzelne Diktateigentümlichkeiten machen es wahrscheinlich, daß wir es auch mit demselben Diktator wie in D 62 zu tun haben; vgl. Schiaparelli , Vorbemerkung. Als VU diente in freier Form eine Urkunde Ludwigs III. (Reg. 1115); vgl. den Kursivdruck in der Ed. Schiaparelli . NUU sind zwei Urkunden Ottos d. Gr. (DD O.I.242, 268) mit teilweise wörtlichen Anklängen. Erwähnt wird unser Stück auch noch in einer Urkunde Friedrichs II. von 1224 März (B-F-W 1518). Daß an der prinzipiellen Echtheit der Urkunde Hugos und Lothars daher nicht zu zweifeln ist, hat schon Schiaparelli herausgestellt (vgl. aber Manaresi , Alle origini, S. 249-259, bes. S. 257). Allerdings geht Schiaparelli nicht auf die eigentliche Problematik des Stückes ein, nämlich die Bestätigung der Curtis Luzzara, wissen wir doch aus älteren Urkunden vor allem Ludwigs II. (Regg. 224 u. †308), daß Luzzara (mit der Georgskirche und Palidano) über die Kaiserin Angilberga (wenn auch mittels verfälschter Urkunden) an S. Sisto in Piacenza kam, und entsprechend hat auch Otto d. Gr. in seiner Bestätigungsurkunde (das genannte D O.I.242) Luzzara nicht wiederholt. Eine eingehende, die Problematik der Nennung Luzzaras berücksichtigende Analyse der älteren Urkunden des Bistums Reggio hat Schieffer , Vorbemerkung zu D Lo.I.40, bes. S. 124f., vorgelegt. Nach seiner überzeugenden Hypothese hätte das Bistum Reggio die günstigen politischen Rahmenbedingungen des Jahres 942, als Berengar II. nach Ostfranken geflohen war (Reg. 1910) und Berta, die Tochter Berengars I. und Verwandte Berengars II. (s. Reg. 1491), als Äbtissin von S. Sisto sich in einer schwierigen Lage befunden haben dürfte, genutzt, um alte Ansprücke auf Luzzara mittels verfälschter Urkunden (darunter auch D Lo.I.40) im Gerichtsverfahren zu realisieren und sich anschließend den Besitz durch Hugo und Lothar bestätigen zu lassen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt Rossetti , Signorie di castello, S. 299-301 (S. 137-139); Rölker , Modena, S. 24 Anm. 9; Meyer , Felix, S. 75 Anm. 356 (der die notarii in der zit. Stelle für interpoliert hält). -- Allgemein zum Bistum Reggio unter Bischof Aribald (Heribald) vgl. Saccani , Vescovi, S. 48f.; s. auch Reg. 1948. Zu Bischof Ambrosius von Lodi s. zuletzt D 62 (Reg. 1919). Zum Markgrafen Hubert s. zuletzt DD 54-55 (Regg. 1871 u. 1873).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,3 n. 1923, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0942-08-10_1_0_1_3_3_490_1923
(Abgerufen am 31.03.2017).