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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,3

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Hugo und Lothar übertragen der (Bischofs-) Kirche von Como und deren Kanonikern (maxime sacris et ecclesiasticis ordinibus sue destitue ecclesie ; auch: prelibati canonici ) für ihren Unterhalt (in usum ac canonicalem fratrum stipendium ) auf Bitten des dortigen Bischofs Azzo aus königlichem Besitz die Klausen und die Brücke von Chiavenna (Prov. Sondrio) (clusas et pontem iuris regni nostri de Clavenna ) mit allen fiskalischen Rechten und Erträgnissen (et omnem redditum et exhibitionem que usque modo ad partem nostre rei publice exinde exire solebat ). -- Besitzstörungsverbot. -- Pön 200 Pfund Gold. -- [Giseprandus cap. ad vicem Azzonis] episcopi et archicanc. -- M. M. -- a. inc. 937, a. r. Hu. 11, Lo. 7, Ind. 10. -- "Noverit omnium".

Überlieferung/Literatur

(Kopien: Mailand, Bibl. Ambrosiana, Cod. G.164 Suss. (vormals F.S.V.24): "Privilegia Cumanae ecclesiae", Chartular 14. Jh., fol. 11r-v (C); Como, Arch. della Curia vescovile, "Privilegia Cumanae ecclesiae", Kopialbuch 16. Jh., fol. 22 (E); Rom, Bibl. Vaticana, Cod. Barb. lat. 3221 (Nachlaß Ughelli) , 17. Jh., fol. 356v -357r . Zwei weitere Kopien 17./19. Jh. verzeichnet Schiaparelli , I Diplomi di Ugo e di Lotario, S. 133. -- Drucke: Ughelli, Italia sacra V1 , Sp. 261-262 = V2 , Sp. 275-276; Tatti, Degli Annali sacri di Como II, S. 798-800 = Cappelletti , Le chiese d'Italia XI, S. 329-330; CD Langob., Nr. 550 Sp. 939-940; CD della Rezia, Nr. 18 S. 52-54 (ed. Fossati ); Schiaparelli , I Diplomi di Ugo e di Lotario, Nr. 44 S. 133-136. -- Regg.: B 1399 (nach Ughelli ); Hidber , Schweiz. Urkundenregister I, Nr. 1012 S. 223.)

Kommentar

Die Datierungsangaben stimmen zu 937 überein. -- Ob C und E unabhängig voneinander auf dieselbe Vorlage, wohl eine ältere Kopie, zurückgehen, ist nicht ganz klar; vgl. Schiaparelli , Vorbemerkung; s. aber Reg. 1145 (Kommentar). -- Das von Quadrio , Rezia I, S. 153f., von Porro (CD Langob., a.a.O.) und von Fossati (CD della Rezia, a.a.O.) in seiner Echtheit bestrittene oder angezweifelte Präzept wurde von Schiaparelli vor allem mit Blick auf den korrekten Formularrahmen für authentisch gehalten; vgl. im einzelnen Schiaparelli , Vorbemerkung. Daß sich Lothar d. Jüngere in seiner Bestätigungsurkunde (D 15 = Reg. 2147) nicht auf die Urkunde seines Vaters bezieht, kommt auch sonst gelegentlich vor und liefert jedenfalls kein Argument gegen unser Stück. Auch daß die Rekognition in der überlieferten Fassung zweifellos verderbt ist (Gerardus cancellarius ac vice dominus episcopi et archicancellarii ), fällt angesichts der Überlieferung nicht sonderlich ins Gewicht. Schiaparelli hat aus kanzleigeschichtlichen Überlegungen in der oben zit. Weise emendiert (was in ähnlicher Form schon Bresslau , Urkundenlehre I2 , S. 396, vorgeschlagen hatte). In der Tat muß im Jahre 937 der bisherige Kanzler Petrus aus der Kanzlei ausgeschieden sein und dem Kapellan Giseprand Platz gemacht haben (vgl. die folgenden DD). Im Ehrenamt des Erzkanzlers ist Gerlannus damals von Azzo abgelöst worden, der zweifelsfrei im Dezember desselben Jahres bezeugt ist (DD 46-47 = Regg. 1782 u. 1783). Wenn man die Emendation Schiaparelli s für zwingend und Bischof Azzo von Como für den neuen, hier erstmals bezeugten Erzkanzler hält, so liefert dieser Sachverhalt ein weiteres Argument für die Echtheit des Stückes. Die großzügige Schenkung der Klausen und der Brücke von Chiavenna an die Kirche von Como scheint dann geradezu im Zusammenhang zu stehen mit der Übernahme des Erzkanzleramtes durch Azzo, der dieses Amt bis 939 bekleiden sollte; vgl. Schiaparelli , Ricerche V, S. 59, 64. Auch Besta , Diplomi, S. 314f., der die Bedenken der älteren Forschung teilt, hat keine schlagenden neuen Argumente beigebracht. Vgl. noch Bresslau , Exkurse, S. 77; Settia , Castelli e villaggi, S. 87. -- Gelegentlich wurde die Vermutung geäußert (zuletzt von Pauler , Regnum Italiae, S. 27), daß der neue Erzkanzler nicht mit Azzo von Como, sondern mit Atto von Vercelli identisch ist. Pauler argumentiert, daß in der Petitionsformel unseres Stückes Azzo von Como ohne den Erzkanzlertitel angeführt ist, er daher kaum der in der Rekognition genannte Erzkanzler sein dürfte. Beweiskräftig ist diese Beobachtung zumal angesichts der ungünstigen Überlieferung allerdings nicht. -- Allgemein zu Bischof Azzo von Como s. Savio, Vescovi. Lombardia II/1, S. 312f.; Maiocchi , Vescovi, S. 147f.; Helvetia Sacra I/6, S. 92-94; Pensa , in: Diocesi di Como, S. 49,78. -- Unter den älteren Urkunden für Como vgl. zuletzt Reg. 1243 (mit der Lit.).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,3 n. 1770, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0937-06-15_1_0_1_3_3_336_1770
(Abgerufen am 29.05.2017).