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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,3

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Nordafrikanische Sarazenen (Poeni ), die mit einer großen Flotte die ligurische Küste erreicht haben, dringen unbemerkt in Genua ein (civibusque ignorantibus civitatem ingrediuntur ), wo sie die erwachsene männliche Bevölkerung niedermachen (cunctos, pueris exceptis et mulieribus, trucidantes ) und die Stadt mit den Kirchenschätzen plündern, ehe sie nach Afrika zurückkehren (cunctosque civitatis et ecclesiarum Dei thesauros navibus imponentes in Africam sunt reversi ).

Überlieferung/Literatur

(Liutprand, Antapodosis IV, 5, ed. Becker , S. 105 (ed. Chiesa , S. 98). Die Datierung nach arabischen Quellen, vgl. Mor , L'età feudale I, S. 201 Anm. 40; Eickhoff , Seekrieg, S. 312 Anm. 42; Kedar , Una nuova fonte, S. 607ff. -- Jüngere Genueser Quellen mit legenhaften Ausschmückungen verzeichnet Kedar , a.a.O., S. 606f., 613f.)

Kommentar

Eine ausführliche arabische Chronik des 15. Jahrhunderts, die alte Nachrichten ausschreibt, hat Kedar , Una nuova fonte, S. 608ff., ausgewertet. Der arabische Chronist nennt das genaue Datum des Auslaufens (934 Juni 21) und der Rückkehr der fatimidischen Flotte von 20 Schiffen (935 August 28). -- In der Terminologie Liutprands, der unmittelbar zuvor die Niederlage der Sarazenen bei Acqui erwähnt hat (Reg. 1699), steht Poeni synonym für Africani Sarazeni ; vgl. die zahlreichen Episoden im 2. Buch des Chronisten. -- Nähere Einzelheiten der Ereignisse erfahren wir in den arabischen Quellen. Danach ist es zu einer regelrechten Belagerung Genuas durch die fatimidische Flotte gekommen. Den Muslimen gelang schließlich durch eine Mauerbresche das Eindringen in die Stadt. Die jüngeren genuesischen Quellen verschleiern das ganze Ausmaß der Niederlage; vgl. Eickhoff , Seekrieg, S. 313 m. Anm. 44. -- Die fatimidische Flotte, die unter dem Befehl des Admirals Yaqub b. Ishaq operierte, hat auf dem Heimweg auch die Küsten von Korsika und Sardinien heimgesucht. Hintergrund der neuerlichen muslimischen Aktivitäten im westlichen Mittelmeer war der fatimidische Herrscherwechsel des Jahres 934, als al-Kaim (al-Qa'im) das Gegenkalifat in Nordafrika übernahm (Halm , Fatimiden, S. 169f.). -- Vgl. bes. Eickhoff , Seekrieg, S. 312f.; Epstein , Genoa, S. 14f.; Kedar , a.a.O.; s. auch die Reg. 1591 zit. Lit.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,3 n. 1718, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0934-08-28_1_0_1_3_3_284_1718
(Abgerufen am 22.07.2017).