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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,3

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Der venezianische Doge Petrus (Candianus II.) mit seinem Patriarchen Marinus (von Grado) und all seinen Bischöfen fordert König Heinrich (I. von Ostfranken), Erzbischof Hildibert (von Mainz) und alle Bischöfe in deren Reich brieflich auf, eingedenk eines Wunders, das sich nach dem Zeugnis des Patriarchen von Jerusalem am Hl. Grab in Jerusalem ereignet hat, nach dem Beispiel des (byzantinischen) Kaisers (Romanos I.) (ipse imperator ... omnes Iudeorum baptizari iussit ) alle Juden taufen zu lassen (haec mirabilia Domini nostri Iesu Christi omnibus Hebreis nuntietis et baptizari eos precipiatis ) oder sie widrigenfalls zu veranlassen, ihr Reich zu verlassen (ipse Hebreus, si noluerit esse Christianus, confusus et repudiatus de vestro regno abscedat ).

Überlieferung/Literatur

(Epistola, ed. Hehl , MGH Conc. VI/1, Nr. 8 C, S. 113f. (zuvor MGH Const. I, Nr. 4, S. 6-7, und ed. Dümmler , Gesta Berengarii, S. 157f.). -- Vgl. B-O 41a; Gockel , Erfurt, S. 115 Nr. 2; Dölger/Müller , Regesten, Nr. 624.)

Kommentar

Ein weiteres Schreiben, das als Absender den Patriarchen von Jerusalem nennt und das auf die Jerusalemer Ereignisse Bezug nimmt, lag der am 1. Juni 932 in Erfurt zusammengetretenen ostfränkischen Synode vor (MGH Conc. VI/1, Nr. 8 A-B, S. 106-113, bes. S. 110 Z. 17f., vgl. Wolter , Synoden, S. 32), wodurch sich die ungefähre Einordnung des venezianischen Schreibens an dieser Stelle ergibt. Der Doge Petrus Candianus II. hatte im Januar 932 sein Amt angetreten; vgl. Kretschmayr , Geschichte I, S. 104-108; Cessi , Venezia ducale I, S. 310-315; Bertolini , Candiano, S. 757; Ortalli , Ducato, S. 761-763. -- Das Schreiben könnte ein Beleg für die mittlerweile erreichte Stellung Venedigs als Mittler zwischen Ost und West sein, aber auch für das Prestige Heinrichs I. im Ausland und die frühen Kontakte zwischen dem liudolfingischen Hof und italischen Kreisen; vgl. Hiestand , Byzanz, S. 170f. Zu den religionsgeschichtlichen Aspekten des Briefwechsels sowie zu den handelspolitischen Hintergründen speziell des venezianischen Schreibens (es ging um die lästige Konkurrenz der jüdischen Kaufleute) s. ausführlich Lotter , Symbiose, S. 6-13. Mehr als Kuriosum wertet Maleczek , Überlegungen, S. 180, den Brief. -- Vgl. noch Dümmler , a.a.O., S. 74f.; Mor , L'età feudale I, S. 140, 198 Anm. 33; Kretschmayr , Geschichte I, S. 107f.; Cessi , a.a.O., S. 314f. (der an der Echtheit des Schreibens zweifelt); Bertolini , Candiano, S. 759; Hehl , a.a.O., S. 99f. -- Zum Patriarchen Marinus von Grado, zuvor Abt des in der nördlichen Lagune gelegenen Klosters SS. Felice e Fortunato, s. Cessi , a.a.O., S. 315. Zu Erzbischof Hildibert von Mainz (927-937) vgl. Hehl, Mainzer Kirche, S. 202-206. Zum byzantinischen Kaiser Romanos I. Lakapenos (920-944) vgl. zuletzt Reg. 1647. -- Überliefert ist auch ein wohl Ende der 930er Jahre ergangenes Schreiben Rathers von Verona an einen venezianischen Empfänger namens Petrus (ed. Weigle, Briefe, Nr. 3 S. 21-27). Ob es sich hierbei indes um unseren Dogen handelt, ist unklar; vgl. Bertolini , Candiano, S. 760; Cervato , Terzo periodo, S. 75.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,3 n. 1654, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0932-01-00_1_0_1_3_3_220_1654
(Abgerufen am 30.03.2017).