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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,3

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Hoftag Hugos (ad colloquium predicti principes venientes, ... sedente rege una cum ipsis in aulam regiam ). [I] Als die Rede auf die Beschwerden (der Mönche von Bobbio) kommt, läßt Hugo den Kelch (cuppa ) des Hl. Columban holen, aus dem er und seine optimates mit großer Ehrerbietung trinken; lediglich (Bischof) Wido (von Piacenza) und dessen Bruder Rainer verweigern die Tischgemeinschaft und, uneingedenk des mit dem König geschlossenen foedus , fliehen sie noch in derselben Nacht aus der Stadt (obliti sunt enim foedus quod pepigerant regi, ipsaque nocte de civitate afugerunt ), wobei sich Rainer bei einem Sturz vom Pferd verletzt. {}[II] Nachdem (an einem der Folgetage) einige Große, beeindruckt von den Wundern und Zeichen des Heiligen, die Kirche S. Michele Maggiore aufgesucht und den von ihnen okkupierten Klosterbesitz in symbolträchtiger Form über den Gebeinen des Heiligen zurückerstattet haben (mittebant in peram Sancti singulos fustes, ut per os cunctis claresceret res sancti Columbani ... ipso Sancto restitutas ), läßt Hugo die dem Kloster (Bobbio) von zahlreichen Päpsten verliehenen Privilegien holen und vorlesen (rex denique privilegia sanctae sedis apostolicae ... ante se recitari precepit ), aus denen dessen weitgehende Exemtion von der Gewalt der benachbarten Bischöfe insbesondere von Piacenza und Tortona sowie die Unverletzlichkeit des Klosterbesitzes hervorgeht. {}[III] Hugo läßt nach den Papstprivilegien auch die (dem Kloster Bobbio ausgestellten) Königsurkunden, darunter ein Präzept König Agilulfs, verlesen (preceptum quod beatae memoriae Agilulfus rex sancto Columbano tradidit ... seu et caeterorum regum ante se legere iussit ), in denen die Ausstattung des Klosters geregelt und das Kloster mit seinem Besitz in den Königsschutz genommen worden war (in suorum munburdo et tuitione receperunt ). {}[IV] Hugo stellt dem Kloster Bobbio unter Abt Gerlannus nach dem Beispiel seiner Vorgänger, deren Urkunden vorgelesen worden sind, ein (allgemeines Bestätigungs- und Schutz-) Privileg aus (Auditis itaque rex preceptis antecessorum suorum ... ut iuxta morem predictorum regum preceptum sancto loco venerandoque abbati Gerlanno cunctisque fratribus tribueret, quod et fecit ).

Überlieferung/Literatur

([I-III] Mirac. s. Columb. c. 21, ed. Bresslau , S. 1007f. [I]. -- Mirac. c. 23, S. 1008-1011 [II]. -- Mirac. c. 24, S. 1011f. [III]. Auszüge ed. Cipolla , CD di Bobbio I, S. 298-301 [I-III]. Französische Übersetzung Bougard , Relique, S. 62-66. Vgl. Tosi , Trasferimento, S. 147. [IV] Dep., erwähnt Mirac. s. Columb. c. 26, ed. Bresslau , S. 1013. -- Druck: Schiaparelli , I Diplomi di Ugo e di Lotario, Diplomi perduti di Ugo, Nr. 2, S. 356-359, zu 929 Juli 30, "monastero di Bobbio?". Auszüge ed. Cipolla , CD di Bobbio I, bes. S. 301f.; Greco Bergamaschi , Bobbio, S. 293. Vgl. Tosi , Trasferimento, S. 147; Bougard , Relique, S. 66.)

Kommentar

{}[I] Zu Wido von Piacenza und seinem Bruder Rainer (Raginer), der Graf von Piacenza war, s. Reg. 1573. Im Vorfeld des Hoftages hatten sich die Mönche auch der Unterstützung des Mailänder Erzbischofs Lampert vergewissert, wie wir eingangs desselben Kapitels (ed. Bresslau , S. 1007f.) erfahren. Zu den offenen Gegnern der Mönche zählt auch ein Vasall des Grafen Samson namens Alineus, der die Gebeine des Heiligen als Pferde- und Eselsknochen bezeichnet haben soll: Nolumus demittere possessiones propter ossa caballina vel asinina (ebd., c. 22); vgl. Keller , Adelsherrschaft, S. 339. {}[II] Namentlich genannt werden die Päpste Honorius (I.), Theodorus (I.), Martin (I.), Sergius (II.), Gregor (II. oder III.) und Zacharias. Überliefert sind nur angebliche Privilegien der Päpste Honorius (I.) und Theodorus (I.). Zu den schwierigen Echtheitsfragen der älteren Papsturkunden des Klosters vgl. Buzzi , CD di Bobbio III, S. 29ff., bes. S. 38-51 u. passim; Bresslau , ed. cit., S. 1009 Anm. 1; Brühl , Studien, S. 33f. {}[III] Die lange Reihe der Königsurkunden beginnt mit dem Langobardenkönig Agilulf. Von den Karolingern werden genannt Karl d. Gr., Ludwig d. Fr., Ludwig II. (Lothar I. ist wohl nur versehentlich ausgefallen), Karlmann, Karl III., Arnulf und Berengar I. Zu den Urkunden der Langobardenkönige vgl. Brühl , Studien, S. 19-48. Zu den Karolingerurkunden vgl. neben Buzzi , CD di Bobbio III, S. 29ff., vor allem die Übersicht von Schieffer , Vorbemerkung zu D Lo.I.†144 (Lit.). {}[IV] Daß Hugo noch während des Hoftags für das Kloster geurkundet hat, ist anzunehmen. Schiaparelli , a.a.O., S. 356, nimmt ohne nähere Begründung den 30. Juli und damit Bobbio als Ausstellort an; vgl. Tosi , Trasferimento, S. 147 Anm. 65. Inhalt und Formular des Privilegs, das anscheinend mit Gold besiegelt war, lassen sich weitgehend rekonstruieren; vgl. Schiaparelli , a.a.O., S. 356-359; s. auch die zur Gänze von Schiaparelli rekonstruierte NU Hugo und Lothars (Schiaparelli , I Diplomi di Ugo e di Lotario, Diplomi perduti, Nr. 15 S. 366-368, vgl. Reg. †1814, Kommentar).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,3 n. 1579, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0929-07-20_5_0_1_3_3_145_1579
(Abgerufen am 29.03.2017).