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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,3

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Die von den Mönchen des Klosters Bobbio in feierlichem Zug von Bobbio nach Pavia transportierten Gebeine des Hl. Columban werden auf Befehl Hugos, der sie aus Pietät nicht in seiner Pfalz beherbergen möchte und dem unterdessen in S. Pietro in Verzolo bei Pavia angelangten Zug einen entsprechend instruierten Boten entgegengeschickt hat (nuntius regis advenit, rogans illos ex parte regis, ut ad se in palacium non deferant, non se esse dignum dicens, ut tam preciosissimum corpus ad se venire debeat ), in die Kirche S. Michele Maggiore innerhalb der Mauern getragen, wobei ihnen unterwegs an der Porta S. Giovanni ein triumphaler Empfang bereitet wird. Die schließlich nur mit Mühe nach S. Michele gelangten Mönche, die an den Gebeinen des Heiligen Tag und Nacht Andacht halten, werden dort von den Vornehmen der Stadt mit allem Nötigen versorgt (quae necessaria erant fratribus, viri feminaeque nobiles omnia administrabant ).

Überlieferung/Literatur

(Mirac. s. Columb. cc. 11-15, bes. c. 15, ed. Bresslau , S. 1005. Auszüge Cipolla , CD di Bobbio I, S. 297. Vgl. Tosi , Trasferimento, S. 139-144; Bougard , Relique, S. 60-61.)

Kommentar

Die Entfernung Bobbio -- Pavia beträgt auf direktem Wege etwa 70-80 km, war also in Anbetracht der Umstände kaum in weniger als drei Tagen zu bewerkstelligen, was sich mit den genauen chronologischen Angaben unserer Quelle deckt, die erstmals Tosi , a.a.O., ausgewertet hat. Der genaue Tag des Aufbruchs der Mönche mit ihrem Heiligen wird nicht in den Mirakeln, wohl aber in einem Calendarium aus Bobbio mit dem 17. Juli bezeichnet (Tosi , a.a.O., S. 137 m. Anm. 38). Zur mutmaßlichen Route vgl. im einzelnen die Karten bei Tosi , Trasferimento, S. 135; Nuvolone , Viaggiatori, Taf. 48. Die für den Transport in eine hölzerne arca (Truhe) gelegten Gebeine des Heiligen (c. 9, S. 1002) mußten bei portum Peduculosum (c. 13, S. 1004, zur mutmaßlichen Lage unweit des heutigen Portalbera [Prov. Pavia] s. Bresslau , a.a.O., Anm. 2; Tosi , a.a.O., S. 142f.) über den Po geschafft werden. Der Zug hat sich schließlich am dritten Tag von Osten über S. Pietro in Verzolo (2 km östlich der Stadt an der Straße nach Cremona gelegen, heute zu Pavia gehörend) Pavia genähert und diese durch die Porta S. Giovanni (heute Porta Garibaldi) betreten (zur Lage vgl. den Stadtplan bei Hudson , Pavia, S. 310; s. auch den Plan bei Bullough , Urban Change, S. 84; Tosi , a.a.O., S. 138). Im südöstlichen Teil der Stadt liegt auch die in karolingischer Zeit geradezu als Pfalzkirche fungierende S. Michele Maggiore (vgl. Settia , Pavia carolingia, S. 148), in der Berengar II. und Adalbert 950 zum König gekrönt werden sollten (Reg. 2166).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,3 n. 1574, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0929-07-17_1_0_1_3_3_140_1574
(Abgerufen am 27.07.2017).