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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,3

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Hugo Provincialium comes (Hugo von Vienne) wird von italischen Großen, als deren Wortführer Erzbischof Lampert von Mailand auftritt (Liutprand), vielleicht auch im Zusammenspiel mit Papst Johannes X. (Chron. Casin.), gegen Rudolf (II. von Hochburgund) zur Übernahme der Königswürde nach Italien gerufen.

Überlieferung/Literatur

(Liutprand, Antapodosis III, 12, ed. Becker , S. 79 (ed. Chiesa , S. 73): Cumque Mediolanium, tutum scilicet ad locum, pervenissent (die Verschwörer), consensu Lampertus archiepiscopus omnium Hugoni, potentissimo et sapientissimo Provincialium comiti, mandat, ut in Italiam veniat regnumque Rodulfo auferat sibique potenter obtineat . Vgl. Chron. Casin. I, 61, ed. Hoffmann , S. 153; Konstantinos VII. Porphyr., De admin. imp. c. 26, edd. Moravcsik u.a., S. 113. -- Vgl. Regg. 1431 u. 1484.)

Kommentar

Die zeitliche Einordnung berücksichtigt das Itinerar Rudolfs II. sowie den im Detail unglaubwürdigen, aber wohl kaum frei erfundenen Bericht Liutprands (III, 8-12, ed. Becker , S. 77-79 [ed. Chiesa , S. 71-73]) über die Verschwörung gegen Rudolf. Dieser scheint zuletzt am 18. Juli 925 in Pavia geurkundet zu haben (Reg. †1429). Bald darauf müssen sich die Aufständischen der Stadt bemächtigt haben, doch scheint Rudolf noch einmal die Rückkehr nach Pavia gelungen zu sein, ehe dann der allgemeine Abfall, anscheinend von Mailand aus, einsetzte. Spätestens im Herbst muß Rudolf nach Burgund abgezogen sein, wo er im Dezember nachweisbar ist; vgl. bes. Reg. 1431. -- Möglicherweise hat die Einladung der italischen Großen Hugo erst Anfang 926 erreicht (so Poupardin , Le royaume de Provence, S. 220), jedenfalls ist Hugo erst Mitte 926 nach Italien aufgebrochen (Reg. 1483). -- Zu den führenden Verschwörern gegen König Rudolf gehörte neben Lampert von Mailand (zu diesem vgl. schon Regg. 1371, 1372 u.ö.) Ermingarda (Irmingard) von Ivrea, die Witwe des Markgrafen Adalbert von Ivrea und Halbschwester Hugos (zu dieser vgl. bes. Reg. 1491). Auch Wido von Tuszien, ein Halbbruder Hugos, der spätestens nach dem Tod seiner Mutter Berta (s. das vorige Reg.) unangefochten in Tuszien geherrscht haben wird (zu Wido s. schon Reg. 1318 u.ö.), wird eine wichtige Rolle gespielt haben, wie die weiteren Ereignisse zeigen (s. bes. Reg. 1483, 1484 u. 1506). -- Die Chronik von Montecassino, die Hugo als dux Aquitanie bezeichnet, mißt dem Papst Johannes X. die entscheidende Initiative zu. Papst und Große hätten schon bei der Vertreibung Rudolfs zusammengewirkt; auch sei die Einladung an Hugo von Johannes X. ausgegangen: iunctus magnatibus Italie depulit ex ea Rodulfum et mittens invitavit Hugonem . Daß die Rolle des Papstes nicht frei erfunden worden sein kann, sieht man an den folgenden Ereignissen; vgl. B-Z2 78 u. Regg. 1484 u. 1489. -- Der Mailänder Erzbischof, der unter dem oberitalischen Episkopat traditionell eine Führungsrolle beansprucht hat, scheint Hugo durch ein förmliches Schreiben (vgl. mandare im zit. Text) eingeladen zu haben. -- Vgl. die Reg. 1431 zit. Literatur, daneben noch Poupardin , Le royaume de Provence, S. 218-220; Hofmeister , Markgrafen, S. 402; Schiaparelli , Ricerche V, S. 11f.; Schwarzmaier , Lucca, S. 208. -- Zur Bezeichnung Hugos als Provincialium comes (ähnlich auch in Reg. 1483) durch Liutprand von Cremona (schon erwähnt in Reg. 1452) vgl. Manteyer , Provence, S. 115f.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,3 n. 1477, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0925-05-00_1_0_1_3_3_43_1477
(Abgerufen am 08.12.2016).