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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,2

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In Gegenwart und mit Zustimmung Rudolfs (residente ibi ... et laudante et confirmante ... omni sua corroborante auctoritate) schenkt der Bischof und Graf Anselm von Aosta (ego Anselmus largiente divina clementia episcopus Augustensis eçlesię et comes) den Kanonikern von S. Maria und S. Giovanni (Kathedrale) und von S. Urso (Kollegiatkirche) zu deren Lebensunterhalt genannte Ländereien im Aosta-Tal, die zu zwei Dritteln an die Kathedrale, zu einem Drittel an S. Urso fallen sollen. - Pön 150 Pfund Gold. - Handzeichen des Bischofs Anselm und von sieben Zeugen. - Ego Rozo levita iubente Anselmo ante presentiam regis Rodulfi scripsi. - a. inc. 923, Ind. 11. - "Licet unicuique".

Originaldatierung:
(-, Augusta civitate in loco publico ante eclesiam S. Marię)

Überlieferung/Literatur

*Angebliches Or. Aosta, Arch. Capitolare, 11. Jh., seit Beginn dieses Jh. verschollen (*A). - Drucke: Besson, Mémoires1. Nr. 110 S. 478 = 2. Aufl., Nr. 110 S. 472-473 = Gallia christiana XII2, Instrumenta, Sp. 485 Nr. 1; Hist. patr. Mon., Chart. II, Nr. 16 Sp. 28 = Patrucco, Aosta, S. LVII Anm. 1; Schiaparelli, I Diplomi italiani di Rodolfo II, Nr. † 1 S. 133-135. - Regg.: Dufour, Nr. 18; Hidber, Schweiz. Urkundenregister I. Nr. 988.

Kommentar

Trotz der formalen Fälschung, die sich in Schrift und Wortlaut verrät (vgl. etwa den anachronistischen Grafentitel Anselms), sprechen mehrere Indizien dafür, daß dem Machwerk ein authentischer Rechtsakt und ein darüber ausgestelltes Schriftstück zugrundeliegen könnte. Der ungewöhnliche, nur hier bezeugte Ausstellort Aosta paßt ins Itinerar Rudolfs II., der Ende 923 von Oberitalien ins Burgundische gezogen ist, womit auch die 11. Indiktion übereinstimmt (vgl. das folgende Reg.). Die burgundischen Könige haben auch sonst an der Ausstellung von Privat- und Bischofsurkunden in dieser Form mitgewirkt; s. MGH DD regum Burgund., S. 119f., 125f., 206ff., 325ff. (Konsensakte). Gegen eine echte Grundlage spricht allerdings der Umstand, daß der genannte Bischof Anselm sonst nicht weiter nachweisbar ist (zur Frühgeschichte des Bistums Aosta, über die wir nur sehr schlecht unterrichtet sind, vgl. Kehr, IP VI/2, S. 158f). Wohl kennen wir seinen am Hofe König Rudolfs III. einflußreichen Amtsnachfolger und Namensvetter, der gleichzeitig Propst von S. Maurice und Kanzleivorsteher wurde; s. Schieffer, DD regum Burgund., Einleitung, S. 25-27, 68-72 u.ö. Speziell dieser Umstand hat Manteyer, Origines, S. 388f., 467f. Anm. 4 (ihm folgend Poupardin, Bourgogne I, S. 43) bewogen, das Stück ins Jahr 1023 zu datieren, es also Rudolf III. zuzuschreiben, womit wir etwa in die Zeit kämen, in der das Spurium angefertigt wurde. Völlig unklar ist auch die Funktion des advocatus Gosbert, der unmittelbar vor der Schreiberformel genannt wird: quem advocatum Rodulfus episcopo Anselmo dedit ad hanc cartam faciendam. Insgesamt ergibt sich also ein widersprüchliches Bild, dessen weitere Klärung durch den Umstand, daß das angebliche Original verschollen ist (zum Schicksal der Hauptüberlieferung vgl. Schiaparelli, I Diplomi italiani di Rodolfo II, S. 133 Anm. 1), zusätzlich erschwert wird. - Zu den genannten Ländereien im Aosta-Tal vgl. Hidber, a.a.O. - Vgl. noch Schiaparelli, Vorbemerkung; Schiaparelli, Charta Augustana, S. 334-336; Schieffer, a.a.O., S. 33 Anm. 35.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,2 n. †1391, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0923-08-00_2_0_1_3_2_1402_F1391
(Abgerufen am 24.01.2017).