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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,2

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Erzbischof Johannes (VIII. von Ravenna) teilt einer ihm nahestehenden hochgestellten Dame geistlichen Standes mit, daß die Leute des (Grafen) Dido Besitzungen seiner Kirche in Salto (nördlich Bologna) okkupiert und sich dabei auf einen Befehl der Königin (Bertilla) berufen haben (per iussionem dominae reginae, vgl. Reg. 1215), und bittet sie, der Angelegenheit nachzugehen. Auch informiert er sie, daß Adalbert (II., Markgraf von Tuszien) nach Lucca zurückgekehrt sein soll und Alberich (von Spoleto) in Parma mit Heeresmacht bereitstehen soll, bis jener (Berengar?) zurückkehrt (audivimus, quod Adelbertus sit reversus ad Lucam et Albericus sit in Parma super ipsam ostem, donec ipse revertatur).

Überlieferung/Literatur

Brief des Erzbischofs Johannes (VIII.) von Ravenna, ed. Loewenfeld, Acht Briefe, Nr. 3 S. 524f. (undatiert).

Kommentar

Zur Überlieferung und zum historischen Kontext dieses bedeutsamen Schreibens vgl. Reg. 1215, mit dem es in engem inhaltlichen Zusammenhang steht. Der von Berengar schon 906/7 geplante Romzug (vgl. das vorige Reg.) ist offensichtlich am Widerstand der beiden hier genannten Markgrafen Adalbert und Alberich, die Berengar den Weg durch Tuszien oder entlang der Adriaküste sperren konnten, gescheitert; vgl. Fasoli, I re d'Italia, S. 78; Mor, L'età feudale I, S. 66f. Zu Adalbert II. von Tuszien s. zuletzt Reg. 1207; zu Alberich von Spoleto († nach 917) vgl. bes. Hofmeister, Markgrafen, S. 415-418; Lex.MA I, Sp. 280; s. auch Regg. 1150, 1236, 1293. Bei der Empfängerin des Schreibens könnte es sich nach der ansprechenden Vermutung Loewenfelds, a.a.O., S. 527, um die Tochter Berengars I., die Äbtissin Berta von S. Giulia in Brescia, handeln. - Die von Johannes von Ravenna in seinem Schreiben beiläufig erwähnte Eroberung Benevents durch die Griechen und der Tod des Sohns des Fürsten Atenolf (Beneventum audimus ut sit capta a Grecis et filius Atenulfi est occisus, wohl Atenolf I. von Capua und Benevent [900-910]) sind nicht näher zu datieren; zugrunde liegt wohl ein haltloses Gerücht. Die Deutungsversuche Loewenfelds, a.a.O., S. 526f., sind unbefriedigend. Von einer Eroberung Benevents in der fraglichen Zeit durch die Byzantiner ist sonst nichts bekannt. Um 909/910 kam es gar zu einer Annäherung des Fürsten Atenolf I. von Capua und Benevent an den Basileus. Atenolfs Sohn Landolf I. ging 910 nach Konstantinopel, um Hilfe gegen die Sarazenen zu erbitten. Der Preis für die byzantinische Unterstützung war allerdings die formale Unterstellung unter die byzantinische Oberhoheit; Landolf übernahm damals den ihm vom Basileus verliehenen Patriziustitel; vgl. Gay, L'Italie méridionale, S. 160; Deér, Verleihung, S. 428-432. Neben Landolf gab es einen weiteren Sohn Atenolfs I., Atenolf II., der seit 911 zusammen mit seinem Bruder regierte. - Vgl. überdies die im vorigen Reg. aufgeführte Lit., insbes. Venni, Giovanni X, S. 15-18.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,2 n. 1217, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0906-00-00_4_0_1_3_2_1224_1217
(Abgerufen am 28.07.2017).