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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,2

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Ludwig bestätigt der bischöflichen Kirche von Como (s. Comensis ecclesia) auf die durch Pfalzgraf Siegfried (von Piacenza) hin vorgetragene Bitte des Bischofs 〈Heilbertus〉 von Como, seines Erzkanzlers, die von seinen Vorgängern, nämlich König Karl (Karolus rex consobrinus et decessor noster [wohl Karl III., Dep. B-Zi 774]), Kaiser Karl d. Gr. (Karolus Magnus imperator [Dep. Lechner, Nr. 93]) und Kaiser Ludwig (II.) (Ludovicus gloriosissimus augustus Hlotharii quondam imperatoris filius [ D Lu.II.18 = B-Zi 148]) verliehene Immunität mit Königsschutz, die Befreiung der Kirchenleute von allen Öffentlichen Leistungen und Abgaben, weist auf Bitten des Pfalzgrafen Siegfried der Kirche von Como 〈den Wochenmarktzoll in Lugano und Como〉 zu, der bislang vom Fiskus eingefordert wurde, bestätigt ferner die von den Kaisern Lothar (I.) (Dep. Lo.I.157) und Ludwig II. ( D Lu.II.10 = B-Zi 101) verliehenen Fischereirechte, 〈die Rechte an allen Kirchen in Locarno und Bellinzona mit der zugehörigen Grafschaft und den dortigen Zöllen, überläßt den Kanonikern von Como die Klausen und die Brücke von Chiavenna,〉 bestätigt jene Besitzungen, deren Rechtstitel verloren oder verbrannt sind (vgl. D Lo.I.2), und bekräftigt die Bestimmungen über die Gerichtsbarkeit der Kirchenleute. - Pön 100 Pfund Gold. - Arnulfus not. ad vicem Heilberti ven. episcopi et archicanc. - M. - a. inc. 901, a. r. 1, Ind. 4. - "Credimus Deo"

Originaldatierung:
(XV Kal. Febr., Bolonie)

Überlieferung/Literatur

Kopien: Mailand, Bibl. Ambrosiana, Cod. G. 164 Suss. (vormals F.S.V.24): "Privilegia Cumanae ecclesiae", Chartular 14. Jh., fol. 6v-7v (C); Como, Arch. della Curia vescovile, "Privilegia Cumanae ecclesiae", Kopialbuch 16. Jh., fol. 12 (D); Rom, Bibl. Vaticana, Cod. Barb. lat. 3221 (Nachlaß Ughelli), 17. Jh., fol. 354v, 359r. Eine weitere Kopie 17. Jh. verzeichnet Schiaparelli, I Diplomi italiani di Lodovico III, S. 63. - Drucke: Ughelli, Italia sacra V1, Sp. 257-259 = V2, Sp. 273-274 = Savioli, Annali Bolognesi I/2, Nr. 20 S. 35-37; Tatti, Annali I, S. 958-960 (zu 879) = Cappelletti, Le chiese d'Italia XI, S. 323-325 (zu 879); CD Langob., Nr. 281 Sp. 474-476, aus D (zu 879) und Nr. 388 Sp. 649-651 (zu 901 Jan. 21), aus C; CD della Rezia, Nr. 15 S. 43-46 (ed. Fossati), aus Tatti; Schiaparelli, I Diplomi italiani di Lodovico III, Nr. † 1 S. 63-69. - Regg.: B 1458; Hidber, Schweiz. Urkundenregister I, Nr. 906; Cencetti, Le carte bolognesi, Nr. 1 S. 95.

Kommentar

Der Fälschung lag zweifellos eine echte Urkunde Ludwigs III. ( Schiaparelli, I Diplomi italiani di Lodovico III, Diplomi perduti, Nr. 1, hier nicht eigens regestiert) mit diesem sich gut ins Itinerar einfügenden Datum (vgl. das folgende Reg.) zugrunde, wie auch das für die Kanzlei Ludwigs III. weitgehend typische Diktat verrät; vgl. ausführlich Schiaparelli, Ricerche III, S. 157-171. Fälschungszweck war die Übertragung der Rechte in Locarno und Bellinzona mit der dortigen Grafschaft, wahrscheinlich auch die Überlassung der Wochenmarktzölle in Lugano und Como, sowie die Übertragung der Klausen und der Brücke von Chiavenna an die Kanoniker. Der verderbte Name Heilbertus (für den Bischof von Como und Erzkanzler Liutward) muß bereits in der Vorlage von C und D gestanden haben, da er auch Eingang in die Bestätigung Heinrichs VII. gefunden hat (B 5340); vgl. Reg. 1122. Als VU bediente sich die Kanzlei in der Narratio einer Urkunde Ludwigs II. ( D Lu.II.18 = B-Zi 148). 937 schenken Hugo und Lothar den Kanonikern tatsächlich die Klausen und die Brücke von Chiavenna ( Schiaparelli, I Diplomi di Ugo e di Lotario, Nr. 44), was von Lothar d. Jüngeren 950 wiederholt wird ( Schiaparelli, I Diplomi di Lotario, Nr. 15). Fast wörtlich wiederholt wurde unser Stück dann in dem anscheinend unverfänglichen, aber wiederum nur abschriftlich überlieferten D O.II.166, von dem ein Diplom Arduins ( D Ard. 2) abhängt. 977 scheint also die gefälschte Urkunde Ludwigs III. bereits der Kanzlei Ottos II. präsentiert worden zu sein. An einen etwas späteren Fälschungszeitpunkt (11. Jh.) denkt Schiaparelli, Vorbemerkung. Zu den Fälschungsmotiven und zu den übrigen Urkunden für Como vgl. Besta, I diplomi per la chiesa di Como, S. 310-313, 338ff. Vgl. noch Darmstädter, Reichsgut, S. 90f.; Schneider, Burg u. Landgemeinde, S. 256-258.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,2 n. †1118, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0901-01-18_1_0_1_3_2_1122_F1118
(Abgerufen am 20.07.2017).