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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,2

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Berengar bestätigt dem Bistum Mantua (Mantuane sedis ecclesia) unter Bischof Egilulf auf Bitten des Grafen Ingelfred (Ingelfredus comes carissimus fidelis) zum Ersatz für den durch Brand zerstörten Urkundenschatz (precepta et cartarum firmitates) den gesamten Besitzstand, die Zölle und Abgaben von Stadt und Hafen Mantua, die insula Referis (Revere, Prov. Mantua), alle Jahrmärkte in dem in seinen Grenzen genau festgelegten Comitat, die öffentliche Münze der Stadt Mantua (moneta publica ipsius Mantuane civitatis), kassiert alle dem Bestand des Kirchenguts abträglichen, von Egilulfs Vorgängern geschlossenen Libellar- und Pachtverträge, regelt die Zuständigkeit des Königsgerichts im Fall von Streitigkeiten (in palatio nostro coram nostris iudicibus palatinis ...), schärft die Befreiung der von der Mantuaner Kirche frei gewählten Vögte von allen öffentlichen Leistungen ein (ab omni rei publice functione sint absoluti), und gewährt das Inquisitionsrecht sowie Immunität mit Königsschutz (sub tuitionis nostre munimine). - Gebetswunsch pro nobis nostrique imperii statu. - Pön 100 Pfund Gold. - Ohne Rekognition und Actum. - M. - a. inc. 894. - "Si in sacratis".

Originaldatierung:
(XI. Kal. Dec.)

Überlieferung/Literatur

Kopien: Modena, Arch. di Stato, Biblioteca, Mss. n. 135: Collectanea Prisciani, t. I, Ende 15. Jh., fol. 111 (D). - Drucke: Muratori, Antiq. Ital. III, Sp. 5-6 (Auszüge) = Mabillon, De re diplomatica suppl., S. XCII = Cappelletti, Le chiese d'Italia XII, S. 20; CD Langob., Nr. 363 Sp. 603-605; Schiaparelli, I Diplomi di Berengario I, Nr. 12 S. 41-46. - Regg.: B 1297; Dümmler, Gesta, Nr. 11; Cipolla, Fonti edite, Append. III, S. 11 Nr. 113; Fainelli, CD Veronese II, Nr. 30 S. 35-36 (zu 894 Dez. 2, Mailand). Vgl. schon Donesmondi, Dell'istoria di Mantova I, S. 160 (zu 895 Nov. 20); Volta, Zecca di Mantova, S. 233,242.

Kommentar

Die Datierung Fainellis beruht auf einer Verwechslung mit dem nachfolgenden Diplom Berengars (s. Reg. 979). - Bedauerlicherweise ist die große Besitzbestätigung für das Bistum Mantua ohne Ausstellort überliefert, so daß wir nicht wissen, wie Berengar, der anscheinend schon Ende Mai in Pavia ist (vgl. Reg. 969), auf den Vormarsch Widos Richtung Norden reagiert hat. Am 2. Dezember urkundet Berengar in Mailand (s. Reg. 979), er scheint also die Absicht zu haben, sich seinem Rivalen Wido, dessen Todestag leider nicht genau feststeht (Reg. 980), entgegenzustellen. Daß er sich am 21. November noch in Mantua aufgehalten haben sollte, ist nicht undenkbar (als Ausstellort begegnet die Stadt in den letzten Regierungsjahren Berengars häufiger; vgl. Regg. 1357, 1364,1365). - Auch das Fehlen der Rekognition ist der Überlieferung zuzuschreiben. Immerhin konnte Schiaparelli, Ricerche I, S. 101 f., wahrscheinlich machen, daß das Stück vom Notar Martianus verfaßt und vielleicht auch rekognosziert wurde. Im übrigen wird der umfangreiche Wortlaut in allen wesentlichen Punkten, darunter auch dem umstrittenen Münzrecht (vgl. Schiaparelli, Vorbemerkung, mit Hinweis auf Mühlbacher, Diplome aus Aquileia, S. 273 Anm. 1), durch die NUU bestätigt: Schiaparelli, I Diplomi di Lotario, Nr. 1 S. 251-252, D O.III.255, D H.II.462. Vgl. auch Hartmann, Analekten, S. 79; Arnaldi, Da Berengario agli Ottoni, S. 514f.; Andenna, La signoria ecclesiastica, S. 113f. Anm. 11. - Ältere karolingische Königsurkunden für das Bistum Mantua sind nicht erhalten; vgl. Lechner, Nr. 295-297; B-Zi 449. - Zu Bischof Egilulf von Mantua s. noch Reg. 1031. Bei Graf Ingelfred handelt es sich um den späteren Grafen von Verona, einen der engsten Vertrauten Berengars; vgl. Hlawitschka, Franken, S. 209-211; Castagnetti, Veneto, S. 79f.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,2 n. 972, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0894-11-21_1_0_1_3_2_973_972
(Abgerufen am 30.03.2017).