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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,2

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Da (Markgraf) Anscar (I. von Ivrea), ein Anhänger Widos (comes Widonis), zusammen mit Gefolgsleuten König Rudolfs (I.) von Hochburgund (cum satellitibus Rodulfi regis de Burgundia) die Burg in Ivrea besetzt hält und die Klausen nördlich Ivreas (wohl bei Bar) sperrt, umgeht Arnulf die Sperren auf mühsamen Gebirgspfaden und gelangt am dritten Tag ins Aosta-Tal, von wo er den Weg über den Großen St. Bernhard und St. Maurice d'Agaune nach Alemannien nimmt.

Überlieferung/Literatur

Ann. Fuld. cont. Ratisb. a. 894, ed. Kurze, S. 124. Vgl. Liutprand, Antapodosis I, 35, ed. Becker, S. 26f. (mit fabelhaften Nachrichten über Anscar, der sich feige versteckt haben soll); Regino a. 894, ed. Becker, S. 142; Benedikt von S. Andrea [c. 28], ed. Zucchetti, S. 155. - Regg.: M2 195b, 1997a-e.

Kommentar

Der Zug über die Westalpenpässe war wohl notwendig geworden, weil Berengar von Arnulf abgefallen und der Weg über den Brenner damit zu riskant geworden war; vgl. Reg. 961. Nach der ansprechenden Vermutung von Mor, L'età feudale I, S. 35, hätte Anscar I., einer der führenden Anhänger Widos (vgl. Reg. 901 u.ö.), die Burg Ivrea gehalten, während die Truppen Rudolfs von Hochburgund die Klausen sperrten. Die Bedeutung des Bündnisses zwischen Wido und Rudolf beruht auf der Tatsache, daß sich die beiden Könige bislang als einzige der Oberherrschaft Arnulfs entzogen hatten; vgl. Hlawitschka, Lotharingien, S. 124f. - Unklar ist, ob Arnulf die Einnahme der Stadt Ivrea am Fuße der Burg gelungen ist (die Angabe Dümmlers, Geschichte III2, S. 379f., Arnulf habe nur bei der Stadt gelagert, kann sich jedenfalls nicht auf das Actum der beiden in Ivrea ausgestellten Urkunden stützen: Regg. 963-964). Nach Liutprand, a.a.O., dessen anekdotenhafter Bericht allerdings nur mit Vorsicht heranzuziehen ist, hätte sich auch die Stadt Ivrea selbst gegen Arnulf erhoben (civitas rebellabat). - Zum Weg über den Großen St. Bernhard (Liutprand, a.a.O., per Hannibalis viam, quam Bardum dicunt [Bardum = Bar, Prov. Valle di Aosta], et montem Iovis) vgl. Zanotto, Histoire de la Vallée d'Aoste, S. 38; Oehlmann, Alpenpässe II, S. 245f. Noch im Mai ist Arnulf im Alemannischen angelangt; Anfang Juni ist er in Worms bezeugt; vgl. M2 1897d-f u. D Af.126. - Vgl. noch Hartmann, Geschichte III/2, S. 117; Schneider, Burg u. Landgemeinde, S. 37 m. Anm. 2; Fasoli, I re d'Italia, S. 29f.; Delogu, Vescovi, S. 38.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,2 n. 968, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0894-04-00_2_0_1_3_2_969_968
(Abgerufen am 24.03.2017).