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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,2

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Berengar, der erfährt, daß Arnulf auf Anraten seiner Getreuen ihn blenden lassen will, um so seine Herrschaft über Italien zu festigen (hoc suorum consilio definivit, quatinus Berengarium lumine privaret sicque securus Italiam obtineret), fällt von diesem ab und kehrt nach Verona zurück.

Überlieferung/Literatur

Liutprand, Antapodosis I, 34-35, ed. Becker, S. 26 (zu 896). Vgl. das folgende Reg.

Kommentar

In dem verworrenen Bericht Liutprands werden die beiden letzten Italienzüge Arnulfs 894 und 896 vermengt. Da der ostfränkische König 896 nach seiner Kaiserkrönung aber über den von Berengar von Verona aus leicht zu sperrenden Brenner heimgekehrt ist, 894 dagegen über die Westalpenpässe (s. das folgende Reg.), muß der von Liutprand erwähnte Abfall Berengars (angeblich 896 in den Apenninen auf der Rückreise von Rom) tatsächlich schon im Frühjahr 894 erfolgt sein. Berengar muß damals erkannt haben, daß sich Arnulf nicht mit einer lockeren Oberhoheit über das Regnum Italiae begnügen, sondern die direkte Herrschaft ausüben wollte (vgl. Reg. 959, Kommentar). Der Bericht Liutprands wird indirekt auch von Hermann von Reichenau bestätigt, der in seiner Chronik (Herim. Aug. Chron. a. 895, ed. Pertz, S. 110) zum Italienzug Arnulfs 896 berichtet, Berengar habe sich ihm neuerlich unterwerfen müssen (was seinen vorherigen Abfall voraussetzt); vgl. Reg. 993. - Was die angeblich geplante Blendung Berengars durch Arnulf betrifft, ist der sagenhafte Bericht Liutprands in diesem konkreten Fall wenig wahrscheinlich (vgl. Schaab, Blendung, S. 57f.), auch wenn die Blendung als Strafmaßnahme in karolingischer Zeit gerade in Italien häufig bezeugt ist ( Schaab, a.a.O., S. 51ff.; vgl. ebd. S. 207-214). Arnulf selbst hat 896 den Sohn und den Schwiegersohn des Grafen Manfred von Mailand blenden lassen (Reg. 1033, Kommentar). Möglicherweise hat sich Liutprand von der Blendung Kaiser Ludwigs III. durch Berengar 905 inspirieren lassen (Reg. 1204A). - Vgl. Dümmler, Gesta, S. 32; Rautenberg, Berengar, S. 31f.; Dümmler, Geschichte III2, S. 381; Hartmann, Geschichte III/2, S. 117f.; Fasoli, I re d'Italia, S. 29; Mor, L'età feudale I, S. 34f.; Hlawitschka, Franken, S. 79; Hiestand, Byzanz, S. 69; Arnaldi, Berengario I, S. 15.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,2 n. 961, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0894-03-00_1_0_1_3_2_962_961
(Abgerufen am 11.12.2017).