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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,2

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Arnulf von Ostfranken schickt seinen Sohn Zwentibold zur Unterstützung Berengars mit einem großen Heer nach Italien, wo dieser gemeinsam mit Berengar unverzüglich vor das von Wido gehaltene Pavia zieht (rex Arnulfus filium suum Centebaldum ... valido cum exercitu huius in auxilium [scil. Berengar] dirigit veneruntque pariter omni sub celeritate Papiam ...). Nachdem die Stadt drei Wochen lang ergebnislos belagert wurde, wobei es nur zu kleineren Kämpfen gekommen ist, kann Wido den Abzug der Belagerer schließlich durch Geld erkaufen (?) (nonnullisque Centebaldus a Widone argenti acceptis ponderibus).

Überlieferung/Literatur

Liutprand, Antapodosis I, 20-21, ed. Becker, S. 19f. Vgl. Gesta Bereng. lib. III, v. 7ff., ed. v. Winterfeld, S. 384; Ann. Alam. cont. a. 893, ed. Pertz, MGH SS I, S. 53: Alamanni in Italiam (der folgende Zug Arnulfs gesondert zu 894; s. Reg. 949) = Ann. Einsidl. a. 893, ed. Pertz, MGH SS III, S. 140. Verschwiegen wird der Zug Zwentibolds vor allem von Ann. Fuld. cont. Ratisb. a. 894, ed. Kurze, S. 123. - Reg.: M2 1892b.

Kommentar

Da Berengar noch am 9. November in Verona bezeugt ist (s. das vorige Reg.), kann der Abmarsch der beiden Verbündeten Richtung Pavia erst anschließend erfolgt sein. Unklar ist, ob Zwentibold, der über den Brenner gezogen sein dürfte, mit einem alemannischen Heer (so Ann. Alam., vgl. das obige Zitat) oder mit einem bayrischen Heer (so Liutprand) über die Alpen gezogen ist. - Nach der ausführlichen Erzählung Liutprands hätte Wido das Ufer des Flüßchens Vernavola - Pavia liegt am Zusammenfluß des Torrente-Vernavola mit dem Ticino - stark befestigt und so den Belagerern wirkungsvoll standgehalten. Die zahlreichen anekdotenhaften Einzelheiten, von denen Liutprand noch zu berichten weiß (u. a. ist es zu einem Duell zwischen einem ostfränkischen und einem italischen Miles gekommen), sind oben im Regest nicht weiter berücksichtigt. Wenig glaubwürdig ist auch die angebliche Geldzahlung Widos an Zwentibold. - Nach den Ann. Fuld. cont. Ratisb. a. 894, ed. Kurze, S. 123, die den Zug Zwentibolds völlig verschweigen, wäre Arnulf selbst noch vor dem Weihnachtsfest 893, das er in Aibling westlich Rosenheim feierte ( M2 1892c), aufgebrochen (mox in itinere positus); vgl. aber das folgende Reg. - Zu Zwentibold, dem späteren König von Lotharingien, s. Hlawitschka, Zwentibold, bes. S. 264; vgl. auch DD regum Germ. IV, ed. Th. Schieffer, Einleitung, bes. S. 3f. - Vgl. Dümmler, Gesta, S. 30f.; Rautenberg, Berengar, S. 27f.; Dümmler, Geschichte III2, S. 373f.; Hartmann, Geschichte III/2, S. 114f.; Fasoli, I re d'Italia, S. 27; Mor, L'età feudale I, S. 31; Hlawitschka, Franken, S. 79; Hlawitschka, Lotharingien, S. 124; Hiestand, Byzanz, S. 69; Arnaldi, Berengario I, S. 14; Jarnut, Eroberung Bergamos, S. 209; Settia, Pavia, S. 85,146; Hudson, Pavia, S. 278; Brühl, Deutschland, S. 383.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,2 n. 946, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0893-11-00_1_0_1_3_2_947_946
(Abgerufen am 22.03.2017).