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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,2

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Erzbischof Fulko von Reims schickt Wido durch eine Gesandtschaft einen Brief (Widonem imperatorem legatione suarum visitans litterarum), in dem er sich erfreut über dessen Ruhm und Erhöhung äußert (admodum se de ipsius gaudere fatetur gloria et exaltatione) und das lange Schweigen des Kaisers beklagt (nullis nuntiis iam longo tempore transacto sibi aliquid de statu et prosperitate sua notificaverit). Auch bittet er Wido um Unterstützung für Karl d. Einfältigen (ut regi suo Karolo suffragium impendat) und um rasche Mitteilung seiner Haltung in der Thronfrage (ut celerius illum scire faciat, qualem voluntatem circa ipsum habebit). Was Arnulf (von Ostfranken) anbelangt, wolle dieser keinen Frieden mit Wido halten (quod non velit eidem Widoni pacem servare). Karl d. Einfältige habe auch den Papst um Unterstützung und um Vermittlung einer amicitia mit Wido gebeten (Karolum ... ipsius [scil. des Papstes Formosus] petens roborari benedictione, et ut idem papa huius Widonis eum coniungat amicitiae). Wido möge Karl d. Einfältigen durch Boten oder Brief über seine Haltung zu dieser angestrebten amicitia informieren (ut eidem regi de amicitia sua per suum missum aut per sua scripta Wido remandet). Schließlich fragt er an, ob Wido die in seinem Reich gelegenen Besitzungen der Abtei St. Martin (in Tours) - die Abtei habe ihm Karl d. Einfältige anvertraut - in seinen Schutz nehmen könne (in sua tutela Wido recipiat).

Überlieferung/Literatur

Flodoard, Hist. Remensis eccl. IV, 5, edd. Heller/Waitz, S. 565 Z. 3-15. - Reg.: Sot, Flodoard, S. 163f. Nr. 41. Vgl. Hlawitschka, Lotharingien, S. 121 f.

Kommentar

Das undatierte Schreiben Fulkos kann nicht nur erst nach der Weihe Karls d. Einfältigen am 28. Januar 893 in Reims durch Fulko ergangen sein (vgl. Dümmler, Geschichte III2, S. 383), es setzt auch bereits die Kenntnis des päpstlichen Hilferufs an Arnulf und die positive Reaktion des ostfränkischen Königs etwa im Oktober voraus; vgl. das vorige Reg. Auch ist mit Sicherheit anzunehmen, daß Fulko den Brief noch vor dem Italienzug Zwentibolds Ende November/Anfang Dezember abgeschickt hat (Reg. 946). Insofern scheint mir die Datierung durch Schneider, Fulco, S. 130: "im November oder Dezember 983, spätestens aber zu Beginn des Jahres 894", etwas zu spät. Fulko hat zuvor durch Gesandte Arnulf ein Schreiben überbringen lassen, in welchem er die Weihe Karls d. Einfältigen gegenüber Arnulf, der ja Odo unterstützte, gerechtfertigt hat (Flodoard, a.a.O., S. 563f., bes. S. 564 Z. 9-12); bei dieser Gelegenheit werden die Gesandten Fulkos von der päpstlichen Bitte und der Wido ungünstigen Stimmung am ostfränkischen Hof erfahren haben. Angesichts der noch nicht aufgegebenen westfränkischen Pläne Widos mußte Fulko auch unabhängig von seinen Bemühungen, Hilfe für seinen Schützling zu finden, daran gelegen sein, über die Haltung des Kaisers Klarheit zu gewinnen. Arnulf wiederum scheint dem Reimser Erzbischof, wie wir in dem zit. Rechtfertigungsschreiben Fulkos weiter erfahren, zu unterstellen, Karl d. Einfältigen nur als Strohmann für Wido geweiht zu haben. Vgl. zu den damaligen gesamtfränkischen Verwicklungen Hlawitschka, Lotharingien, S. 120ff.; Schneider, Fulco, S. 130-132. - Vgl. noch Dümmler, Geschichte III2, S. 373 m. Anm. 3,383f.; Favre, Eudes, S. 157f.; Arnaldi, Formoso, S. 94; Hiestand, Byzanz, S. 64; Hlawitschka, Westfrankenreich, S. 197; Sot, Flodoard, S. 147f.; Brühl, Deutschland, S. 380-383.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,2 n. 943, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0893-10-00_1_0_1_3_2_944_943
(Abgerufen am 23.05.2017).