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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,2

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Boten des Papstes Formosus suchen zusammen mit Großen des Regnum Italicum (unter ihnen wahrscheinlich auch Berengar) Arnulf von Ostfranken auf und bitten ihn inständig, das Regnum Italicum und das Patrimonium B. Petri vor seinen Feinden, insbesondere vor dem Tyrannen Wido (der Kaiser!), in Schutz zu nehmen (missi autem Formosi apostolici cum epistolis et primoribus Italici regni ad regem in Baioaria advenerunt enixe deprecantes, ut Italicum regnum et res s. Petri ad suas manus a malis Christianis ... maxime a Widone tyranno ... eruendum adventaret). Arnulf nimmt sie ehrenvoll auf, sagt ihnen Hilfe zu und entläßt sie mit Geschenken.

Überlieferung/Literatur

Ann. Fuld. cont. Ratisb. a. 893, ed. Kurze, S. 122. Vgl. Liutprand, Antapodosis I, 20, ed. Becker, S. 10: Berengarius, cum Widoni resistere ... nequiret, ... Arnulfum regem in auxilium rogat (folgt die Entsendung Zwentibolds 893, Reg. 946). Auch die Gesta Bereng. lib. III, v. 1-44, ed. v. Winterfeld, S. 383-385, erwähnen die Hilfeleistung Arnulfs. - Regg.: J-L *3486; M2 1892a (zu: nach Oktober 22). Vgl. Engelmann, Legaten, S. 91, 137.

Kommentar

Da Arnulf schon November/Anfang Dezember seinen Sohn Zwentibold mit einem großen Heer nach Italien vorausschicken und er selbst noch vor der Jahreswende nachfolgen wird (Regg. 946 u. 949), muß die päpstliche Gesandtschaft spätestens im Oktober in Regensburg erschienen sein. Urkundlich ist Arnulf dort nur am 2. September nachweisbar ( D Af.119). Am 22. Oktober hält er sich in Ranshofen auf ( D Af.120). Die päpstliche Gesandtschaft wird zu diesem Zeitpunkt bereits bei Arnulf vorgesprochen haben ( Mühlbacher setzt das Treffen in Regensburg dagegen erst nach dem 22. Oktober an, was mir eher unwahrscheinlich scheint). Daß das Schreiben Fulkos von Reims an Wido, in dem er den Kaiser vor den unfriedlichen Absichten Arnulfs warnt (vgl. das folgende Reg.), die Kenntnis von der päpstlichen Gesandtschaft und der positiven Antwort Arnulfs bereits voraussetzt, hat schon Mühlbacher vermutet; vgl. das folgende Reg. - Sowohl Liutprand als auch die Gesta Berengarii übergehen in ihrer einseitigen Darstellung insbesondere den Anteil des Papstes an den Bemühungen der Gegner Widos, Arnulf zum Eingreifen in die italischen Verhältnisse zu bewegen. Daß auch Berengar, wenn schon nicht persönlich, so doch zumindest durch Gesandte damals an Arnulf herangetreten ist, ist wegen des Hinweises auf die primores Italici regni, die die päpstliche Gesandtschaft begleitet hätten, so gut wie sicher; vgl. Hlawitschka, Lotharingien, S. 124. - Fulko von Reims ist im Laufe des Jahres 893 auch an Arnulf selbst mit einem Schreiben herangetreten, in dem er dem am ostfränkischen Hof wohl entstandenen Eindruck entgegenwirken will, er habe Karl d. Einfältigen nur als Strohmann für Wido gegen Odo aufgebaut (vgl. das folgende Reg.). - Vgl. Dümmler, Geschichte III2, S. 372f.; Dümmler, Gesta, S. 30f; Hartmann, Geschichte III/2, S. 114; Fasoli, I re d'Italia, S. 26; Mor, L'età feudale I, S. 31; Arnaldi, Formoso, S. 86f; Schlesinger, Arnulf, S. 467 (S. 104); Hlawitschka, Franken, S. 78f.; Hiestand, Byzanz, S. 67-69; Arnaldi, Berengario I, S. 14; Jarnut, Eroberung Bergamos, S. 209; Schneider, Fulco, S. 130. - Zu Papst Formosus s. schon Regg. 914, 925, 927 u.ö.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,2 n. 942, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0893-09-00_1_0_1_3_2_943_942
(Abgerufen am 23.03.2017).