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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,2

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Wido, der auf der Rückreise von Benevent, als der Termin der Niederkunft seiner Gemahlin nahte, nach einem Aufenthalt in Valva auf Anraten des Abts Leo (von S. Vincenzo al Volturno) die Klosterzelle S. Rufino im Ort Campu de Rota aufgesucht hat, wo ihm seine Gemahlin nach drei Tagen seinen Sohn Lambert geboren hat, schenkt dem Kloster S. Vincenzo al Volturno auf Bitten seiner Gemahlin die Kirche S. Marcello im Ort Florine mit allem Zubehör sowie Gold im Gewicht des Neugeborenen. - Ohne Rekognition. - Ind. 10. - "Cum augustalis".

Originaldatierung:
(Kai Nov., in Balbam)

Überlieferung/Literatur

Kopien: Rom, Bibl. Vaticana, Cod. Barb. lat. 2724: Chron. Vulturnense, 1. Hälfte 12. Jh., fol. 175r (C). Die jüngeren Abschriften des Chron. Vulturnense verzeichnet Federici, Chron. Vult. II, S. 95 Anm. 1. - Drucke: Goldast, Collectio const. 3III, S. 296 = Mabillon, Annales Ord. s. Benedicti III (Lucca 1739), S. 261-262; Baronio, Annales eccl. X1, S. 629 = XV2, S. 454-456 = Leibniz, Annales Brunsvic. II, S. 132-133; Muratori, Rerum Ital. SS I/2, S. 430-431 = Heumann, De re diplom. imperatricum, Append. I, S. 444; Schiaparelli, I Diplomi di Guido, Nr. † 2 S. 60-61; Federici, a.a.O., doc. 104 S. 95-97 (zu 876). - Reg.: LEPORACE, Ageltrude, Nr. 1* S. 176 (zu 876).

Kommentar

Die rein formale Einordnung der Fälschung zu 891/92 ergibt sich durch die 10. Indiktion im Zusammenhang mit dem Kaisertitel Widos; auf 891 kommt man, wenn man Septemberindiktion annimmt. Daß es sich im übrigen um eine formale und inhaltliche Ganzfälschung handelt, hat bereits die ältere Forschung erkannt und ist von Schiaparelli, Ricerche II, S. 90-91, energisch unterstrichen worden. Der angeblichen Geburt Lamberts in einer Zelle des Klosters S. Vincenzo scheint allerdings eine alte Klostertradition, die auch anderswo ihre Spuren hinterlassen hat, zugrunde zu liegen, wie Federici, a.a.O., S. 96 Anm. 2, wahrscheinlich gemacht hat, wobei er die Geburt Lamberts - im Einklang mit der Indiktion 10 unseres Stückes - in das Jahr 876, also in die Herzogszeit Widos, setzen möchte; vgl. Regg. 808 u. 923 (Kommentare). Möglicherweise hat Wido damals tatsächlich dem Kloster unter Abt Maio (vgl. Federici, a.a.O., S. 96 Anm. 1) eine Urkunde ausgestellt, die der Fälscher für sein Machwerk herangezogen haben könnte. Die Kirche S. Marcello kann allerdings damals noch nicht in den Besitz des Klosters gekommen sein. - Zum Motiv der Goldschenkung vgl. Federici, a.a.O., S. 96 Anm. 2, mit Hinweis auf Gregor von Tours, De miraculis s. Martini I, c. 11, ed. Krusch, De virtutibus s. Martini, S. 595 Z. 10.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,2 n. 938, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0891-11-01_1_0_1_3_2_939_938
(Abgerufen am 26.05.2017).