Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,2

Sie sehen den Datensatz 123 von insgesamt 653.

Bischof Walter von Orléans bittet seinen Amtsbruder Isaak (von Valence), ihm möglichst rasch Näheres über das Gerücht mitzuteilen, wonach Wido (im Burgundischen) angekommen sei (Novitatis etiam causas, quas apud vos fama veraque relatio precinit Uuidonis scilicet imperatoris adventum aliasque novas causas per praesentem harum latorem litterarum prout celerius valueritis, nobis litterae contextu cordetenus intimari poscimus).

Überlieferung/Literatur

Undatiertes Schreiben des Bischofs Walter von Orleans, ed. Bischoff, Anecdota, Nr. 8 S. 135 (zu 888 Sommer). Vgl. aber Hlawitschka, Westfrankenreich, bes. S. 188f. (zu 891 Sept/Okt).

Kommentar

Die strittige Datierung des von Bischoff erstmals publizierten Schreibens hängt - neben dem von Bischoff, S. 135 Anm. 6, zu Unrecht als jüngere Interpolation ausgeschiedenen Kaisertitel Widos - von der Identifizierung des im Brief an anderer Stelle als kürzlich verstorben bezeichneten Bischofs Girald ab (S. 135 Z. 10f.). Während Bischoff diesen mit Bischof Gerard von Chartres identifiziert, der frühestens am 13.6.888 stirbt (wodurch sich seine Datierung des Westfrankenzugs Widos in den Sommer 888 ergibt; vgl. Reg. 857), weist Hlawitschka, a.a.O., S. 191, zu Recht daraufhin, daß hier auch der wahrscheinlich am 25.9.891 verstorbene Bischof Gerold von Amiens gemeint sein könnte. Das Schreiben wäre in diesem Fall ein wichtiger Beleg für die Pläne Widos, nach der Erlangung der Kaiserkrone im Februar 891 (Reg. 899) seine Herrschaft auch nach Westfranken auszudehnen - was in der Literatur schon einmal vermutet worden ist ( Hiestand, Byzanz, S. 54). Leider läßt sich nicht feststellen, inwieweit das Walter von Orleans zu Ohren gekommene Gerücht auf tatsächlichen Plänen Widos beruhte und woran diese, falls sie denn existierten, gescheitert sind. Als Indiz für weiterreichende Absichten Widos kann man den Aufenthalt seines engen Gefolgsmanns, des Markgrafen Anscar I. von Ivrea, im Frühjahr oder Sommer 891 in seiner alten burgundischen Heimat werten, wo er möglicherweise das Terrain für Wido sondiert hat; vgl. Hlawitschka, a.a.O., S. 196 m. Anm. 48; Pokorny, Brieffragment, S. 619f. Im Zusammenhang mit den westfränkischen Plänen Widos könnte es auch stehen, daß er spätestens im Mai 891 seinen Sohn Lambert zum Mitkönig hat erheben lassen (vgl. Reg. 923). Für die Aufgabe des Zuges mögen vielleicht die Rückschläge in Benevent (s. das folgende Reg.) entscheidend gewesen sein. - Vgl. auch Brühl, Deutschland, S. 513f. m. Anm. 403.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI I,3,2 n. 915, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0891-09-00_1_0_1_3_2_916_915
(Abgerufen am 23.03.2017).