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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,2

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Kaiserkrönung: Wido, der nach der Vertreibung Berengars nach Rom gezogen ist, wird (von Papst Stephan V.) zum Kaiser gekrönt (Cumque Berengerum e regno fugere compulisset, Romam ivit, imperator efficitur).

Überlieferung/Literatur

Ann. Vedast. a. 888, ed. v. Simson, S. 65. Der Tag der Krönung ergibt sich aus den vier in Rom ausgestellten Urkunden Widos (vgl. Regg. 900-903), alle gegeben am 21. Februar, a. r. 3, imperii illius die prima. Vgl. auch die Bulle Stephans V. ( J-L 3465) für Bischof Bernard von Piacenza vom 26. Februar 891, a. imp. Wi. 1 ( Kehr, IP V, S. 445 Nr. 15, ed. Campi, Dell'historia di Piacenza I, S. 472 Nr. 30). - Reg.: J-L I, S. 434 (nach Nr. 3464). - Vom Kaisertum Widos nehmen auch die italischen Königskataloge Notiz, deren Einzelaufzählung sich hier erübrigt (vgl. MGH SS rer. Langob., S. 490ff.). Vgl. noch Chron. Farf., ed. Balzani I, S. 240 (zu 891, aus unbekannter Vorlage): Rex Gallię Carulo defuncto ... quidam Guido, prępotens ex Hitalia princeps qui illi serviens adheserat, imperator constituitur, und danach vielleicht Liber instrumentorum mon. Casaur. ("Chronicon Casauriense"), fol. 120v: Wido imperator supradicto Karolo iam defuncto in Italicum imperium augustaliter successit (ed. Muratori, Rerum Ital. SS II/2, Sp. 821; vgl. den Faksimiledruck). Auf demselben Blatt findet sich eine farbige Miniatur Widos auf dem Thron mit Krone und langem Szepter in der Linken sowie der Beischrift: Wido imperator, neben ihm steht Abt Aimericus von Casauria. Da Wido für Casauria im Unterschied zu Berengar (s. Reg. 1330) nicht geurkundet hat, bleibt seine rechte Hand in der bildlichen Darstellung auffallend leer. - Vgl. auch Reg. 906.

Kommentar

Die Nachricht der Ann. Vedast., daß Wido vor seiner Krönung Berengar vertrieben habe (e regno fugere compulisset), bezieht sich auf die Kämpfe der Jahre 888/889 und meint kaum Ereignisse im Vorfeld der Kaiserkrönung. Erst im weiteren Verlauf des Jahres 891 gelingt es Wido, Berengar, der zuletzt im November 890 in Verona bezeugt ist (Reg. 892), noch weiter in den Nordosten des Regnum Italiae zurückzudrängen; vgl. Reg. 921. - Die ostfränkischen Quellen übergehen die Kaiserkrönung Widos; vgl. Regino v. Prüm a. 894, ed. Kurze, S. 142: Wido, qui Italiam regebat et imperatoris tenebat nomen, moritur. Ann. Fuld. a. 893, ed. Kurze, S. 122, nennen Wido schlichtweg tyrannus. Auffällig ist das Schweigen Liutprands, der nur einmal ganz beiläufig (und in einem ganz anderen Zusammenhang) von einer Salbung Widos in Rom spricht: Cuius tamen interitum Wido, ut audivit, Romam profectus absque Francorum consilio totius Franciae unctionem suscepit imperii (I, 15, ed. Becker, S. 17; vgl. Karpf, Herrscherlegitimation, S. 35 Anm. 181,38). - Daß Ageltrude anläßlich der Krönung Widos ebenfalls gekrönt worden ist, ergibt sich aus ihrer Titulierung als dilectissima coniux nostra Ageltruda imperatrix et consors imperii nostri in den vier in Rom ausgestellten Urkunden Widos (Regg. 900-903). - Das Pactum mit der Römischen Kirche scheint Wido erst anläßlich der Kaiserkrönung seines Sohnes Lambert erneuert zu haben (Regg. 925 u. 927); vgl. Drabek, Verträge, S. 60f. - Auf die anläßlich der Mitkaiserkrönung Lamberts Ende April 892 (Reg. 925) wohl erfolgte Beikrönung Widos wird sich die Angabe des Papstes Formosus in seinem bei Flodoard, Hist. Remensis eccl. IV, 2, edd. Heller/Waitz, S. 559, bes. Z. 44-45 überlieferten Schreiben an Fulko von Reims ( J-L 3481) beziehen: imperatorem quoque Widonem coronatum eodem anno (scil. 892) significans (scil. Formosus) indictione decima (892). Da Flodoard hier aus einem Schreiben des Papstes Formosus zitiert, kann keinesfalls eine Verwechslung mit der ein Jahr zuvor erfolgten Kaiserkrönung Widos vorliegen (die ja Stephan V. vornahm), wie dies Brühl, Festkrönungen, S. 376 (S. 290) Anm. 5, zumindest nicht ausschließen will. - Vgl. Dümmler, Geschichte III2, S. 368f.; Schirmeyer, Kaiser Lambert, S. 21; Hartmann, Geschichte III2, S. 111f.; Pastine, Il regno di Berengario I, S. 30; Leporace, Ageltrude, S. 28; Fasoli, I re d'Italia, S. 18f.; Arnaldi, Formoso, S. 86; Mor, L'età feudale I, S. 22f.; Sydow, Gegenkaiser, bes. S. 434; Sydow, Guido, bes. S. 9; Hlawitschka, Franken, S. 78; Hiestand, Byzanz, S. 53; Brühl, Festkrönungen, S. 326 (S. 412); Schneider, Fulco, S. 90-92.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,2 n. 899, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0891-02-21_2_0_1_3_2_900_899
(Abgerufen am 24.07.2017).