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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,3,2

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Berengar (von Friaul) unterstützt den jüngeren Karl (Carlito = Karl von Schwaben, der spätere Kaiser Karl III.), der von seinem Vater Ludwig (II. von Ostfranken) nach Italien geschickt worden ist, um den Vormarsch Karls d. Kahlen aufzuhalten. Im Gebiet von Bergamo, dessen Bewohner in die Berge flüchten, kommt es zu schweren Ausschreitungen durch die Truppen Berengars und seiner Mitstreiter (... ceperunt homines, qui se ad Carlito coniunxerunt, multa malitia facere, hoc est Beringherio cum reliquis multitudo ...), die im Kloster Fara (bei Bergamo) eine Woche lang Quartier beziehen. Karl d. Kahle vertreibt sie schließlich über Brescia, wo sie den Kirchenschatz des Klosters S. Salvatore plündern (Register Johannes' VIII.), und Verona bis ins Gebiet von Mantua, während sich der jüngere Karl nach Bayern zurückzieht.

Überlieferung/Literatur

Andreas v. Bergamo c. 19, ed. Waitz, S. 229f. Zur Plünderung von S. Salvatore in Brescia s. das Registerschreiben Johannes' VIII. von 877 März 27, MGH Epp. VII, Nr. 43 S. 41f. ( J-E 3084); vgl. B-Zi 512. - Regg.: M2 1512b (mit den übrigen Quellen, in denen der Zug Karls von Schwaben, ohne Erwähnung Berengars, genannt wird); B-Zi 480 u. 588.

Kommentar

Die Plünderung des Kirchenschatzes von S. Salvatore in Brescia, für die Johannes VIII. in dem zit. Schreiben Karl von Schwaben selbst verantwortlich macht, überrascht vor allem deshalb, weil sowohl die Supponiden als auch die Unruochinger enge Kontakte zu diesem berühmten königlichen Damenkloster unterhielten. So sind aus beiden Familien mehrere Frauen dort eingetreten; vgl. Arnaldi, Da Berengario agli Ottoni, S. 493f.; Becher, San Salvatore, S. 352ff. - Beachtenswert ist die wie selbstverständlich erscheinende führende Stellung, die der junge Markgraf von Friaul nach der Äußerung des bald nach 877 schreibenden Andreas von Bergamo (vgl. Wattenbach/Levison/Löwe, S. 403) schon 875 unter den Anhängern der ostfränkischen Karolinger einnimmt. - Vgl. noch Dümmler, Geschichte II2, S. 389; Hofmeister, Markgrafen, S. 328; Hirsch, Erhebung, S. 92, 111f.; Hartmann, Geschichte III/2, S. 13; Mor, L'età feudale I, S. 5; Arnaldi, Berengario I, S. 3. Nur vermutet werden kann, daß Berengar im November/Dezember 875 auch Karlmann von Bayern unterstützt hat, der im Auftrag seines Vaters Ludwig II. von Ostfranken nach Italien gezogen ist, um Karl d. Kahlen zu vertreiben (vgl. B-Zi 528). Jedenfalls fehlt Berengar im Februar 876 auf dem Treffen Karls d. Kahlen in Pavia, auf dem ihm die Großen Italiens neuerlich Treue schwören und Boso von Vienne zum dux et missus Italiae ernannt wird ( B-Zi 496). Vgl. Dümmler, Geschichte II2, S. 402; Hirsch, Erhebung, S. 112f.; Arnaldi, Berengario I, S. 3f.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,3,2 n. 800, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0875-09-00_1_0_1_3_2_800_800
(Abgerufen am 24.01.2017).